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Peer Steinbrück Reden ist Geld

 ·  Als vortragender Abgeordneter hat Steinbrück mehr als zu seiner Ministerzeit verdient. Seit seinem Ausscheiden im Herbst 2009 aus dem Finanzministerium hat er nebenbei mindestens 600.000 Euro erhalten – zusätzlich zu seinen Bezügen aus dem Abgeordnetenmandat.

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Im Fall von Peer Steinbrück irrt der Volksmund. Für den SPD-Kanzlerkandidaten ist Reden viel Geld. Zwar ist für keinen Politiker Schweigen Gold, aber vermutlich keiner lebt so gut von seinen Vorträgen und Reden wie der ehemalige Bundesfinanzminister. Als Abgeordneter hat er mehr verdient als zu seiner Zeit als Bundesfinanzminister. Schon früh hat die Initiative „Abgeordnetenwatch“ Steinbrücks Nebentätigkeiten aufgespießt und dem Parlamentarier vorgeworfen, seine Arbeit im Bundestag zu vernachlässigen. Er habe bei Sitzungen gefehlt und noch keine einzige Rede gehalten, kritisierte die Initiative Anfang 2010. Seither hat sich viel getan.

Steinbrücks hat nicht nur im Bundestag mal mehr mal weniger beachtete Reden gehalten, sondern seine Liste mit Nebeneinnahmen ist auch immer länger geworden. Zum Diskussionsthema wurde dies aber erst wieder, als er zum Herausforderer von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bestimmt worden ist.

Dabei gilt das bestehende System, wie genau Abgeordnete über ihre bezahlten Nebentätigkeit Rechenschaft ablegen müssen, seit längerem als reformbedürftig. Derzeit müssen derartige Einkünfte angezeigt werden, sofern sie 1000 Euro im Monat oder 10.000 Euro im Jahr übersteigen. Doch müssen die Abgeordneten sich nicht völlig entblößen, sondern nur ungefähre Angaben machen, indem sie Einkünfte nach Stufen klassifizieren: Die erste erfasst einmalige oder regelmäßige monatliche Einkünfte von 1000 bis 3500 Euro, die zweite solche bis 7000 Euro und die dritte noch höhere.

80 Einkünfte über 7000 Euro

Steinbrück ist ein gefragter Redner. Mehr als 80 Einkünfte der Stufe 3 hat er gemeldet, zumeist Reden und Vorträge, aber auch Honorare etwa für sein Buch gehören dazu. In diese Klasse fallen auch die Einnahmen aus seinem Aufsichtsratsmandat bei Thyssen-Krupp, das er nun niedergelegt hat. Aus seinen Angaben lässt sich errechnen, dass er allein im Jahr 2010 mindestens 300.000 Euro nebenbei verdient hat, es könnte aber auch gut doppelt so viel sein.

15.000 oder gar 20.000 Euro für einen Mann seines Kalibers sind nicht ungewöhnlich. Der ehemalige Außenminister Joseph Fischer (Grüne) wird auf 25.000 Euro je Rede taxiert. Der frühere amerikanische Präsident soll sogar eine Viertel Million Dollar für einen Auftritt erhalten haben. Bald wird man es genauer wissen. Steinbrück hat nun angekündigt, alle Informationen zu seinen Honorar-Vorträgen so schnell und umfassend wie möglich offenzulegen.

Wer kostet wie viel im Redner-Zirkus?

Als Finanzminister hat er sich mit deutlich weniger bescheiden müssen. Wie das Bundesinnenministerium im Internet erläutert, verdiente ein verheirateter Bundesminister im Jahr 2009 monatlich 12.860,29 Euro. Zusätzlich gab es eine steuerfreie Dienstaufwandsentschädigung und eine pauschalierte Trennungsentschädigung. Zusammen kam der SPD-Politiker damals auf etwa 160.000 Euro im Jahr. Seit seinem Ausscheiden im Herbst 2009 aus dem Finanzministerium hat er nebenbei mindestens 600.000 Euro verdient – zusätzlich zu seinen Bezügen aus dem Abgeordnetenmandat von 7960 Euro im Monat.

Steinbrücks Liste
  • 5-Sterne-Team, Dillingen,
    Vortrag, 2012, Stufe 3
  • Agentur für Helden, Hamburg,
    Vortrag, 2011, Stufe 3
  • Agentur Referenten & Themen, Hohenstein-Ernstthal,
    Vortrag, 2011, Stufe 3
  • Alfred Herrhausen Gesellschaft, Berlin,
    Vortrag, 2009, Stufe 3
  • Allert & Co. GmbH, Mannheim,
    Vortrag, 2010, Stufe 2
  • Alliance Möbel Marketing GmbH & Co. KG, Rheinbach,
    Vortrag, 2010, Stufe 3
  • Baker & McKenzie, Frankfurt/Main,
    Vortrag 1, 2010, Stufe 3; 
    Vortrag 2, 2011, Stufe 3
  • Bausparkasse Schwäbisch-Hall, Schwäbisch-Hall,
    Vortrag, 2011, Stufe 3
  • bbg Betriebsberatungs GmbH, Bayreuth,
    Vortrag, 2010, Stufe 3
  • BNP Paribas, Frankfurt/Main,
    Vortrag, 2010, Stufe 3 (Auszug aus 87 Positionen)
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Jahrgang 1961, Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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