http://www.faz.net/-gqe-75d4l
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 27.12.2012, 17:46 Uhr

Patentstreit um Halbleiter Chipkonzern soll Milliarden- Schadensersatz an Universität zahlen

Im Patentkonflikt der IT-Branche stehen meist Schwergewichte wie Apple oder Samsung im Rampenlicht. Doch jetzt bringt ein bisher kaum beachteter Streit zwischen einem Spezialchip-Hersteller und einer amerikanischen Uni ebenfalls einen Milliarden-Schadensersatz.

von , New York
© REUTERS Marvell-Chef Sehat Sutardja

In den Vereinigten Staaten hat ein weiterer Patentstreit zu einem Schadensersatzurteil in Milliarden-Dollar-Höhe geführt: Ein Geschworenengericht in Pittsburgh verurteilte den amerikanischen Halbleiterhersteller Marvell, wegen Verletzung von Patenten knapp 1,2 Milliarden Dollar an die Carnegie Mellon University zu zahlen. Das Urteil übertrifft die Summe in dem Patentprozess, den sich die Elektronikkonzerne Apple und Samsung in diesem Jahr in Kalifornien geliefert haben. Hier wurden Apple im August 1,05 Milliarden Dollar Schadenersatz zugesprochen. Allerdings ist in beiden Fällen das letzte Wort noch nicht gesprochen: Samsung will die zuständige
Richterin dazu bringen, das Urteil der Geschworenen zu revidieren. Auch Marvell kündigte Widerstand an: Das Unternehmen will eine Aufhebung des Urteils beantragen und notfalls ein Berufungsverfahren anstrengen. Es wäre allerdings auch denkbar, dass auf Marvell noch Schlimmeres zukommt: Weil die Geschworenen entschieden, dass Marvell mit Vorsatz Patente verletzt hat, könnte die Richterin die Summe verdreifachen.

Roland Lindner Folgen:

Der verhängte Schadenersatz wäre für Marvell eine immense finanzielle Belastung und würde fast dem Doppelten des Nettogewinns aus dem vergangenen Jahr entsprechen. Marvell hat für 2011 einen Umsatz von 3,4 Milliarden Dollar und einen Nettogewinn von 615 Millionen Dollar ausgewiesen. Die Aussicht auf einen hohen Schadenersatz hat den Aktienkurs des Unternehmens abstürzen lassen: Nach der Verkündung des Urteils rutschte der Kurs am Mittwoch im späten Handel um mehr als 10 Prozent ab, am Donnerstag fiel er im Verlauf um weitere 3 Prozent auf 7,15 Dollar.

Bei dem Rechtsstreit ging es um zwei Patente für Technologien zum Abrufen von Daten auf Festplatten. Die Technologien wurden nach Angaben der Universität von einem ihrer Professoren und seinem Doktoranden entwickelt und patentiert. Die Anwälte von Carnegie Mellon beschuldigten Marvell, Milliarden von Chips auf Basis der Technologien verkauft zu haben, ohne über notwendige Lizenzen zu verfügen. Marvell wies die Vorwürfe zurück und argumentierte, die Patente seien ungültig.

Mehr zum Thema

Quelle: DPA

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
774 Millionen Euro Amazon erzielt Rekordgewinn

Beim Online-Händler Amazon läuft es. Nachfrage, Umsatz und Gewinn wachsen kräftig. Ein Ende ist nicht in Sicht. Das lieht vor allem an der Cloud. Mehr

29.07.2016, 06:51 Uhr | Wirtschaft
Kalifornien Eistorte für einen Panda

Der Panda Xiao Liwu feierte diese Woche im Zoo von San Diego seinen vierten Geburtstag. Mit vielen Geschenken und einem echten Festschmaus. Mehr

30.07.2016, 13:51 Uhr | Gesellschaft
Reichenliste Amazon-Gründer Jeff Bezos drittreichster Mensch der Welt

Nach der Bekanntgabe von Rekordgewinnen steigt der Kurs der Amazon-Aktie - und Bezos überholt Warren Buffett. Mehr

29.07.2016, 10:45 Uhr | Wirtschaft
Tiefsee-Gastropode Offenbar neue Spezies entdeckt

Wissenschaftler haben im Süden Kaliforniens offenbar eine neue Spezies entdeckt. Das flummiartige, violett leuchtende Tier ist höchstwahrscheinlich ein Tiefsee-Gastropode. Mehr

31.07.2016, 02:00 Uhr | Wissen
Boeing 747 Der Abschied vom Jumbo-Jet rückt näher

Der Jumbo-Jet Boeing 747 hat es schwer. Lange wird über sein Ende spekuliert. Jetzt spricht Boeing erstmals offiziell darüber. Mehr Von Ulrich Friese und Roland Lindner

29.07.2016, 11:59 Uhr | Wirtschaft

Man darf wieder an Gold glauben

Von Thomas Klemm

Derzeit träumen nicht nur Athleten der kommenden Olympischen Spiele in Rio von Gold. Auch Anleger fühlen sich zunehmend vom zeitlosen Edelmetall angezogen. Kommt es jetzt in Zeiten der Niedrigzinsen zum Umdenken? Mehr 0

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden