Was für ein Triumph für Tim Cook. Auf den Tag genau ein Jahr, nachdem er Vorstandsvorsitzender des Elektronikkonzerns Apple wurde, gewähren ihm die Geschworenen eines Gerichts in Kalifornien einen spektakulären Erfolg im Patentprozess gegen den koreanischen Rivalen Samsung. Apple bekam in fast allen Punkten recht.
Die größte Gefahr ist ein Verkaufsverbot
Samsung hat mit seinen Smartphones und Tabletcomputern eine ganze Serie von Patenten für das iPhone und das iPad von Apple verletzt, fand die Jury. Es geht um Patente für das äußere Erscheinungsbild der Geräte, aber auch für eine Reihe von Funktionen. Etwa die vielen Touchscreen-Tricks, die das iPhone berühmt gemacht haben. Zum Beispiel, wie man mit Fingergesten den Inhalt auf dem Bildschirm vergrößern oder zurückspringen lassen kann.
Die juristische Schlammschlacht zwischen den beiden Konzernen ist damit nicht zu Ende. Samsung wird das Urteil sicher anfechten, und vielleicht wird auch die zunächst verhängte Milliarden-Strafe am Ende viel niedriger ausfallen. Diese Geldstrafe ist für Samsung indessen ohnehin das geringere Problem, weitaus bedrohlicher ist ein mögliches Verkaufsverbot für die Geräte des Konzerns, über das noch zu entscheiden ist.
Apples Patentier-Wut
Vor allem aber legt das Urteil nun Samsung und darüber hinaus auch vielen Wettbewerbern Fesseln bei der Entwicklung ihrer Smartphones und Tablets an, und das dürfte massive Konsequenzen für den gesamten Markt haben. Eine zentrale Entscheidung der Geschworenen war es, dass die von Apple reklamierten Patente gültig sind. Samsung hatte dies in Abrede gestellt, und es ist auch nicht selbstverständlich. Zwar wird niemand Apple Innovationsstärke absprechen, aber das Unternehmen hat auch eine Neigung zur Patentier-Wut von Funktionalitäten bei seinen Produkten, selbst wenn diese nur als minimale Errungenschaften daherkommen.
Die Gültigkeit der Patente straft nicht nur Samsung, sondern ist auch ein Warnschuss an andere Hersteller - insbesondere solche, die wie Samsung in ihren Geräten auf die Android-Software des Internetkonzerns Google setzen. Gewaltige Verschiebungen im Smartphone-Markt könnten die Folge sein.
Es könnte lachende Dritte geben
Dieser Markt hat in den vergangenen Jahren schon viele Turbulenzen erlebt. Einstige Glanzadressen wie Nokia oder der Blackberry-Hersteller Research in Motion sind tief gefallen. Der Softwarekonzern Microsoft ist zum Mitläufer verkommen, der für seine Smartphone-Software zwar Schönheitspreise von Kritikern bekommt, aber keine Marktanteile. Stattdessen beherrschen nun Geräte mit der Google-Software mehr als zwei Drittel des Marktes, Google und Apple zusammen kommen auf 85 Prozent.
Das Urteil aus Kalifornien verwundet nun das gesamte, marktdominierende Android-Ökosystem schwer. Es dürfte nicht nur Samsung, sondern auch andere Hersteller wie HTC oder Motorola zu einer stärkeren Differenzierung von Apple zwingen. Die Android-Wettbewerber müssen nun mehr denn je selbst Innovationsstärke beweisen, andernfalls drohen Marktanteilsverluste. Auf der anderen Seite könnte es lachende Dritte bei dem Urteil geben. Der Schlag gegen Android gibt zum Beispiel Microsoft eine neue Chance.
Die Krönung einer denkbar erfolgreichen Woche
Um seinen Erfolg zu erringen, musste Apple noch nicht einmal den zunehmend verhassten Rivalen Google selbst verklagen, der das übergeordnete Ziel der juristischen Manöver ist. Es ist nicht auszuschließen, dass es dazu noch kommt - was ein wahrhaft spektakulärer Showdown wäre - aber für den Moment scheint es aus Apple-Sicht zweckmäßiger, die Android-Partner ins Visier zu nehmen.
Für Tim Cook war das Urteil jedenfalls die Krönung einer Woche, in der Apple an der Börse zum wertvollsten Unternehmen aller Zeiten aufgestiegen ist.
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