http://www.faz.net/-gqe-71n34

Pasok-Chef Venizelos : Austritt Griechenlands wäre „Selbstmord der Eurozone“

  • Aktualisiert am

Venizelos warnte eindringlich vor einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone Bild: REUTERS

Nach dem Besuch von EU-Kommissionspräsident Barroso in Griechenland hat der Chef der Partei Pasok mit markigen Worten vor einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone gewarnt und ihn als „Selbstmord der Eurozone“ bezeichnet . Zuvor hatte Barroso den Griechen Mut zugesprochen.

          Ein möglicher Austritt Griechenlands aus dem Euro-Raum hätte nach Ansicht von Evangelos Venizelos, Chef der sozialdemokratischen griechischen Partei Pasok, verheerende Folgen. Ein Ende des gemeinsamen Währungsraums würde nach seiner Meinung daraus resultieren. Wer glaube, Griechenland müsse geopfert werden, der irre sich. „Es wird der Selbstmord der Eurozone werden“, sagte Venizelos mit Anspielung auf jüngste Aufforderungen vor allem deutscher Politiker, Griechenland sollte den Euro-Raum verlassen. Venizelos’ Partei Pasok ist Teil der Koalitionsregierung mit den Konservativen und der Demokratischen Linken.

          Zuvor hatte der EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso bei einem Treffen mit dem griechischen Regierungschef Antonis Samaras den Griechen Mut zugesprochen. „Wir stehen den Griechen bei. Die Reformen müssen in die Tat umgesetzt werden“, sagte der Portugiese in Athen. Viele Griechen glaubten, jede Hoffnung sei verloren. Das stimme nicht. Richtig sei vielmehr, „die Reformen durchzuführen, um eine Zukunft zu haben“, sagte er im griechischen Fernsehen. „Die Griechen sind nicht allein“, betonte Barroso. Der Verbleib des Landes im Euroland sei der einzige Weg den Schwächeren zu helfen, fügte der EU-Kommissionschef hinzu.

          Einsparungen von mehr als 11,5 Milliarden Euro

          Mit einem Bündel noch härterer Sparmaßnahmen will die griechische Regierung die internationalen Geldgeber beruhigen. Es geht um Einsparungen in Höhe von mehr als 11,5 Milliarden Euro für die kommenden zwei Jahre. Für EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso ist dies der einzige Weg, damit das Land aus der Krise kommt, wie er nach dem Treffen mit Samaras klarstellte.

          Samaras versicherte Barroso, seine Regierung werde konsequent Reformen und Privatisierungen angehen und den Staat verschlanken. Barroso begrüßte die Bereitschaft der griechischen Regierung, betonte aber auch: „Verzögerungen darf es nicht mehr geben.“ Athen werde der europäischen Währungsunion nur weiter angehören können, wenn es seinen Gläubigern „Ergebnisse, Ergebnisse, Ergebnisse“ liefere.

          Es war der erste Besuch des EU-Kommissionspräsidenten in Athen nach Ausbruch der schweren Finanzkrise. Samaras bat Barroso sich dafür einzusetzen, dass einige andere Europäer damit aufhörten, die Reformbemühungen zu untergraben, indem sie erklärten, Griechenland werde es nicht schaffen.

          Seit Anfang der Woche prüft eine Expertenmission aus Internationalem Währungsfonds (IWF), EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB), ob Griechenland seinen Sparpflichten nachkommt. Die sogenannte Troika will dazu einen Bericht vorlegen. Auf dessen Grundlage wird entschieden, ob das Land eine weitere Tranche der internationalen Hilfen erhält. Laut IWF könnten die Diskussionen mit Athen über die Sparbemühungen bis in den September andauern.

          Angesichts der Krise zogen die Griechen auch im Juni Milliardenbeträge von ihren Sparkonten ab. Die Einlagen bei den Banken des Landes verringerten sich um fast sieben Milliarden Euro, wie aus Daten der EZB hervorgeht. Insgesamt hatten die Griechen Ende Juni demnach 156,20 Milliarden Euro auf ihren Konten hinterlegt. Einen Monat zuvor waren es noch 163,09 Milliarden Euro gewesen. Die Spareinlagen erreichten damit den niedrigsten Stand seit mehr als sechs Jahren.

          Quelle: DPA-AFX / Reuters /AFP

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sie scheint gestärkt, nicht geschwächt: Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Abbruch der Sondierungsgespräche.

          Jamaika-Ende bei ARD und ZDF : „Ich fürchte nichts“

          Die Auftritte der Bundeskanzlerin im Fernsehen nach dem Scheitern der Sondierungsgespräche setzen ein Zeichen. Dafür sorgen nicht die Journalisten, das macht Angela Merkel schon selbst. Sie will es nochmal wissen und regieren. Am liebsten, hören wir heraus, mit Schwarz-Grün.
          Atomanlage in Majak

          Majak : Russland bestätigt hohe Radioaktivität

          Im südlichen wurde Ural eine Konzentration des radioaktiven Ruthenium 106 gemessen, die den erlaubten Wert fast tausendfach übersteigt. Zuvor hatte Russland Warnungen aus Europa widersprochen.
          Ein herber Rückschlag für die hessische Stadt: Nicht Frankfurt, sondern Paris bekommt den Zuschuss für den Sitz der Europäischen Bankenaufsicht.

          Ema und Eba : Frankfurt und Bonn scheitern im Rennen um Brexit-Beute

          Statt Bonn und Frankfurt geht die Europäische Bankenaufsicht und die Europäische Arzneimittelagentur nach Paris und Amsterdam. Vor allem für Frankfurt ist das ein herber Rückschlag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.