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Partnervermittlungen Das Hauen und Stechen im Reich der Liebe

13.02.2012 ·  Am Valentinstag sucht mancher Single nach dem richtigen Partner. Auf dem Markt für Partnervermittlungen geht es hart zur Sache. Die Anbieter kämpfen mit allen Mitteln um die Gunst und das Geld der Singles.

Von Johannes Ritter
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Nirgendwo lässt sich die Werbeschlacht besser beobachten als bei „Two and a Half Men“. In dieser amerikanischen Fernsehserie geht es um die Partnersuche von Beziehungsgestörten - das ideale Umfeld für alle, die selbst für verzweifelte Fälle den Weg zum Liebesglück zu kennen glauben. In den Werbepausen geben sich die Partnerbörsen die Klinke in die Hand: „Jetzt dem passenden Partner begegnen“, säuselt eine warme Frauenstimme, während im Werbespot ein Beau seine Bilderbuchfreundin umschmeichelt. „Liebe ist kein Zufall“, verspricht der nächste Anbieter. „E-Darling hat mein Leben verändert“, flötet eine attraktive Brünette kurz darauf im selben Werbeblock.

„Wir haben die vollste Kasse“

Jost Schwaner, einer der Protagonisten in dieser Werbeschlacht, spricht offen von einem „Marketing-Krieg“, der inzwischen schon absurde Züge annehme. Aufhören will Schwaner damit aber trotzdem nicht. Im Gegenteil: der Geschäftsführer der Elite-Medianet GmbH, die von Hamburg aus die Plattform Elitepartner betreibt, bläst weiter zum Angriff: „Wir können und werden uns weitere Werbeschlachten leisten, denn wir haben die mit Abstand vollste Kasse.“ Schwaner will seine beiden Hauptwettbewerber Parship und E-Darling in die Knie zwingen: „Wir wollen, wenn es geht, einen oder beide aus dem Markt fegen“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Und in Anlehnung an ein Zitat aus dem berühmten Schwertkampf-Film „Highlander“ fügt er ungerührt hinzu: „Es kann nur einen geben, maximal zwei.“ Bevor Schwaner 2010 an die Spitze von Elitepartner wechselte, hatte er in führender Position für Parship gearbeitet.

Rund 7 Millionen Deutsche tummeln sich auf Dating-Portalen. Von dem Gesamtumsatz in der Branche (einschließlich der zahllosen Seitensprungdienste und Flirtbörsen) von 190 Millionen Euro dürfte mehr als ein Drittel auf Parship, Elitepartner und E-Darling entfallen. Gemessen an der Zahl der registrierten Mitglieder liegt Parship (5,2 Millionen) hierzulande vorn, gefolgt von Elitepartner (3,1 Millionen) und E-Darling (2,6 Millionen). Wichtiger ist freilich die Zahl der aktiven Mitglieder. Hier sind nach Angaben des Branchenportals „Singlebörsen-Vergleich“ alle drei gleichauf bei rund 700.000.

Neue Wettbewerber

Ausgerechnet in einem Markt, in dem es darum geht, dass Menschen in Eintracht zusammenfinden, herrscht Hauen und Stechen. Und daran wird sich so schnell nichts ändern: „Es wird weiterhin sehr viel Geld in den Markt gepumpt werden“, sagt der Parship-Chef Peter Schmid. Die vollste Kasse habe dabei Parship - und nicht etwa Elitepartner, entgegen der Darstellung Schwaners. Auch E-Darling bleibt voll auf dem Gaspedal: „Wir wollen die Nummer eins in Deutschland und Europa werden. Daher werden wir den Werbedruck weiter hoch halten“, kündigt der E-Darling-Chef Lukas Brosseder an. In diesem Jahr will Brosseder den Umsatz um 30 bis 40 Prozent erhöhen und erstmals die Gewinnschwelle erreichen. Auch die bisherigen Platzhirsche Parship und Elitepartner wollen weiter wachsen, die ambitionierten Neueinsteiger wie Meetone und Prime-Date ohnehin.

Doch die Zeiten des großen Wachstums sind in dieser Branche vorbei. Fachleute schätzen, dass der Markt für Online-Partnervermittlungen in Deutschland 2012 wohl nur noch um 5 Prozent wachsen dürfte. Deshalb ist an eine friedliche Koexistenz der vielen Anbieter nicht mehr zu denken. Nicht alle werden den harten Verdrängungskampf überleben. Das liegt auch an der Natur dieses Geschäfts: So schnell, wie man (mit viel Werbeaufwand) Kunden gewinnt, so schnell wird man sie auch wieder los. Denn wer einen Partner findet, kündigt die Mitgliedschaft. Und wer keinen findet, wechselt früher oder später enttäuscht auch den Anbieter.

„Jeder spricht mit jedem“

Henning Wiechers, Geschäftsführer von „Singlebörsen-Vergleich“, hielte es für gesund, wenn aus dem marktführenden Trio ein Duo würde. Gesund deshalb, weil der heftige Wettbewerb derzeit allen tüchtig auf die Margen schlägt. Auch deshalb soll der Parship-Eigentümer Stefan von Holtzbrinck zuletzt nach einem Käufer für seine Partnerbörse gesucht haben. Schwaner findet, dass Parship gut unter das Dach von Elitepartner passen würde: „Es wäre strategisch sinnvoll, Parship zu übernehmen.“ Ob sein Mutterhaus, die zur Burda-Gruppe gehörende Tomorrow Focus AG, darüber mit Holtzbrinck verhandelt (hat), verrät er nicht. Nur einen Satz lässt er sich entlocken: „Jeder spricht mit jedem.“

Auch Peter Schmid von Parship ist überzeugt, dass es zu einer Konsolidierung im Markt kommt. Aber ein Verkauf von Parship stehe nicht auf der Agenda. Schmid verweist auf die starke Finanzkraft der Holtzbrinck-Gruppe, die pikanterweise auch an dem aggressiven Angreifer E-Darling beteiligt ist, und deutet damit an, dass Parship eher kaufe, als verkauft zu werden. Elitepartner hält er allerdings nicht für einen Traumpartner: „Philosophisch passen wir nicht zusammen.“ Damit spielt Schmid auf die aus seiner Sicht fragwürdige Kundenbehandlung des Konkurrenten an: Bei Elitepartner verlängern sich Drei- und Sechs-Monats-Mitgliedschaften jeweils um die doppelte Laufzeit, wenn sie nicht rechtzeitig gekündigt werden. Das stößt auch E-Darling sauer auf; die Berliner haben eine einstweilige Verfügung gegen Elitepartner erwirkt. Der Vorwurf: Irreführung. Denn die Kunden würden nur unzureichend über den Verlängerungsmechanismus informiert.

Jede Menge Scharmützel

Schwaner weist diesen Vorwurf zwar zurück. Gleichwohl hat er nach eigener Aussage reagiert und die entsprechenden Hinweise im Anmeldeverfahren deutlicher als bisher kenntlich gemacht. Im Übrigen hält Schwaner die juristische Attacke für einen Schaukampf. E-Darling inszeniere sich als Anbieter mit weißer Weste, dabei biete diese Singlebörse selbst genug Angriffspunkte: „Wir haben Klage dagegen erhoben, dass die Kunden auf der E-Darling-Seite den Kaufprozess über einen ‚Weiter-Button‘ abschließen statt über einen ‚Kaufen-Button‘. Das ist eindeutig rechtswidrig.“

Derlei Scharmützel gibt es zuhauf. Die Konkurrenten überziehen einander mit einstweiligen Verfügungen und Klagen. Auch die Verbraucherschützer finden immer wieder Anlass für Beschwerden. Kein Wunder, dass so mancher Single lieber wieder auf konventionelle Art nach trauter Zweisamkeit sucht. Zum Beispiel im Büro: Fast jede dritte Beziehung in Deutschland entsteht am Arbeitsplatz. Auch Arne Kahlke, der Gründer von Elitepartner, hat seine heutige Ehefrau einst bei der Arbeit kennengelernt.

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Jahrgang 1964, Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

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