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Steueroasen : Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den „Paradise Papers“

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So sieht ein Steuerparadies aus: die kleine Karibikinsel Bermuda Bild: EPA

Worum geht es in den „Paradise Papers“? Woher kommen die Dokumente? Wer hat sein Geld in Steueroasen angelegt und ist das illegal? Ein Überblick.

          Worum geht es in den „Paradise Papers“?

          Die Papiere geben Einblicke, wie versucht wird, Steuer- und Finanzkonstrukte auszunutzen. 13,4 Millionen Dokumente aus 21 Quellen zu Steuerparadiesen wurden Journalisten der Süddeutschen Zeitung zugespielt, die sie zusammen mit dem Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ) ausgewertet haben. Die Dokumente stammen von der Anwaltsfirma Appleby, die in Bermuda ansässig ist sowie der Firma Asiaciti in Singapur, die beide auf Briefkastenfirmen spezialisiert sind. Von wem die Journalisten die Dokumente haben, ist unklar.

          Welche Namen tauchen auf?

          Mehr als 120 Politikern aus fast 50 Ländern werden genannt, dazu Unternehmer und Sportler. Zu ihnen gehören unter anderem...

          ... der amerikanische Handelsminister Wilbur Ross, der als Privatmann von Geschäften mit einer Firma profitieren soll, die dem Schwiegersohn des russischen Präsidenten Wladimir Putin und Kreml-nahen Geschäftsleuten gehöre. In den Daten sollen auch ein Dutzend Berater und Großspender des amerikanischen Präsident Donald Trump auftauchen.

          ... die britische Königin Elizabeth II., deren Geld ebenfalls in einer Steueroase angelegt worden sein soll. Ein Sprecher des Buckingham Palastes hat eine Stellungnahme abgelehnt. Eine Sprecherin des Herzogtums Lancaster, das zum Privatbesitz der königlichen Familie gehört, sagte, dessen Investitionen seien alle geprüft und gesetzmäßig.

          ... ein enger Vertrauter des kanadischen Premiers Justin Trudeau, Stephen Bronfman, der in fragwürdige Offschore-Deals verwickelt sein soll. Kanadische Behörden prüfen, ob dem Staat durch ein kompliziertes Konstrukt von Briefkastenfirmen womöglich Millionen Dollar an Steuern entgangen sind. Weder Trudeau noch sein Berater wollten sich auf Anfrage dazu äußern.

          Und was ist mit Deutschland?

          In Deutschland führten die Spuren laut der Süddeutschen Zeitung zu rund tausend Kunden, Begünstigten oder anderweitig Involvierten. Das heiße aber nicht, „dass man ihnen damit automatisch rechtliches oder moralisches Fehlverhalten unterstellen kann“, so die Zeitung. Unter den Offshore-Nutzern seien Milliardäre, Adelige, Unternehmer, Erben, Investoren, verurteilte Betrüger und ehemalige Politiker, aber auch große Firmen wie Sixt, die Deutsche Post oder die Hotelkette Meininger, Siemens, Allianz, Bayer oder die Deutsche Bank.

          Sind solche Praktiken illegal?

          Das Ausnutzen von Steuerschlupflöchern ist nicht per se kriminell, und auch eine Briefkastenfirma nicht illegal. Es gibt für die Konstrukte viele legale Zwecke – in manchen Branchen gehören sie zum Alltag, helfen Prominenten beim Kauf von Grundstücken und schützen sogar bisweilen vor Verbrechen. Allerdings können sie auch dazu missbraucht werden, um Steuerzahlungen zu umgehen.

          Was sagen Appleby und Asiaciti?

          Appleby erklärte, es gebe „keinen Beweis für Fehlverhalten“ der Kanzlei selbst oder ihrer Kunden. Asiaciti Trust ließ eine Anfrage unbeantwortet.

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