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Open Forum in Davos „Nehmen Sie die Dinge in die Hand“

28.01.2012 ·  Die aus dem Aargau angereiste Schulklasse, die Profi-Zuhörer in hohem Alter, daneben eine bunte Mischung in meist jüngerem Alter - das Open Forum in Davos ist die für den Normalbürger organisierte Variante des Elitetreffens.

Von Jürgen Dunsch, Davos
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Der Saal ist gepackt voll, aber der Anfang misslingt. Gefragt, was eine große Führungspersönlichkeit auszeichnet, ergeht sich Jean-Claude Trichet, der frühere Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), in langatmigen Ausführungen zur Schuldenkrise. Willkommen beim Open Forum des World Economic Forum (WEF), die für den Normalbürger organisierte Variante des Elitetreffens im schweizerischen Skiort.

Man hätte sich einen schöneren Auftakt der diesjährigen Veranstaltungsreihe gewünscht, die vor zehn Jahren mit Unterstützung der evangelischen Kirche mit dem Ziel initiiert wurde, auch Kritiker in die Globalisierungsdebatte einzubinden. Der smarte WEF-Vertreter spricht denn auch etwas verquast von der Suche nach „verbesserungsorientierten Lösungen“ zusammen mit Laien, welche die Veranstaltung in der Alpinen Mittelschule von Davos auszeichne.

Da sitzen sie denn aufmerksam und ausgesprochen friedfertig, die aus dem Aargau angereiste Schulklasse, die Profi-Zuhörer in fortgeschrittenem Alter und daneben eine bunte Mischung in meist jüngerem Alter. Auch die spätere Fragerunde kennzeichnet eine Mischung aus Neugier und sanfter Kritik. Welche Werte eigentlich die Führungsleute in Politik und Wirtschaft hätten, will beispielhaft eine junge Frau in der altmodischen Aula mit ihren rostbraunen Vorhängen wissen. „Verantwortungsbewusste Führung in Krisenzeiten“ lautet der verheißungsvolle Titel des mittäglichen Treffens. Ihr war der frühere britische Premierminister Gordon Brown zu vage geblieben. Er hatte die wichtigsten Führungseigenschaften mit den Worten „Mut und die richtigen Überzeugungen“ umschrieben und auf die aktuelle Schuldenkrise verwiesen, die ohne tatkräftige Politiker einschneidender als die Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren wäre.

Die Teilnehmer auf dem Podium bieten einen bunten Querschnitt jener Mächtigen oder ehemals Mächtigen, die dem WEF alljährlich seine Anziehungskraft verleihen. Entsprechend unterschiedlich, aber meist klar fallen die Antworten in den meisten Fällen aus. Die Erfahrungen in seinem Heimatland hätten ihn gelehrt, sich nicht zu sehr von Gefühlen leiten zu lassen, erklärt der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak. Transparenz und Kommunikation sind wichtig, meint Brian Koch vom Elektrokonzern ABB. „Nehmen Sie die Dinge in die Hand. Auch in der Schweiz können Sie sich heutzutage eine Meinung über Brasilien bilden“, appelliert Martin Burt von der Nichtregierungsorganisation Fundacion Paraguaya an die jugendlichen Zuhörer.

Jean-Claude Biver, der den Uhrenhersteller Hublot aufgemöbelt hatte, erinnert an den mühsamen Weg der Schweizer Produzenten aus dem Tief in den achtziger Jahren durch die industriell hergestellte „Swatch“ des Nicolas Hayek. Hier habe sich eine Vision mit Mut und Durchhaltevermögen verbunden. „Wir warfen die Japaner nach Japan zurück und dort sind sie noch heute“, ruft der glatzköpfige Biver mit rauer Stimme und rotem Kopf in den Saal. Kritiker bezeichnen das Open Forum gerne als reine Alibiveranstaltung des WEF. Zumindest Bivers Ausführungen leuchten den Zuhörern in der mit Kameras und Mikrofonen bestückten Aula sofort ein. Es geht offenbar nichts über die Anschauung vor Ort.

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