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Opel-Streit Reilly gegen Franz

26.11.2009 ·  General Motors will alle vier Standorte von Opel in Deutschland erhalten. Dafür sollen rund 5000 von 25.000 Stellen in Deutschland wegfallen. Wer über die Sanierungspläne urteilt, sollte im Kopf behalten: Überkapazitäten, die nicht bei Opel abgebaut werden, fallen bei Ford oder Volkswagen weg.

Von Christoph Ruhkamp
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Im Pokerspiel um die Sanierung von Opel treffen zwei Profis aufeinander: Nick Reilly gegen Klaus Franz. Der Brite ist seit zwei Wochen Europachef von General Motors, arbeitet seit 34 Jahren im GM-Konzern, hat etliche Sanierungen durchgezogen und etliche teure Werke geschlossen. Der andere startete seine Karriere bei Opel und GM ebenfalls vor 34 Jahren, damals als Mitglied der Gruppe „Revolutionärer Kampf“, steht seit fast zehn Jahren dem Gesamtbetriebsrat vor und ist seit zwei Wochen faktisch Aufsichtsratschef.

Ob Reilly und Franz wirklich Profis im Sanieren von Opel sind, müssen sie erst noch beweisen. Aber im Fach Kommunikation kämpfen sie allemal auf hohem Niveau und auf Augenhöhe. So hatte Reilly für vergangenen Mittwoch ein wichtiges Gespräch mit den Betriebsräten angesetzt. Nachdem er zuvor erst Politiker aller europäischen Länder mit Opel-Standorten und dann die Ministerpräsidenten der deutschen Opel-Bundesländer getroffen hatte, sollte es Nägel mit Köpfen geben: Angekündigt waren Details zum lange erwarteten Sanierungsplan. Prompt lud Franz die Journalisten der Republik um 16 Uhr, um gleich nach dem Gespräch seine Sicht der Dinge zu vermitteln. Kurz darauf flattert auch schon die elektronische Einladung von Reilly herein: Er plant sein Statement für 15.50 Uhr. Ein perfekter Zeitpunkt. Reilly spricht vor Franz, und er muss nur zehn Minuten und eine Handvoll Fragen überstehen.

Den großen Vorbereitungen folgte ein kleines Ergebnis: General Motors will alle vier Standorte von Opel in Deutschland erhalten, das hatte auch schon der kürzlich abgewiesene Kaufinteressent Magna zugesagt. Weiterer Fakt: GM will rund 5000 von 25.000 Stellen in Deutschland streichen – doch auch Magna hatte schon einen Arbeitsplatzabbau in gleicher Größenordnung angekündigt. Reilly legt also einen – in den wenigen sicher bekannten Eckpunkten – durch und durch „normalen“ Sanierungsplan vor.

Bald muss etwas passieren

Schließlich muss auch bald etwas passieren. Denn Opel hat in diesem Jahr rund zehn Prozent vom Absatz eingebüßt, der Marktanteil in Europa sinkt auf weniger als acht Prozent, und der operative Verlust dürfte zwei Milliarden Euro übersteigen.

Trotzdem heuchelte Franz umgehend Empörung: Offenbar solle Opel auf Kosten der Beschäftigten in Deutschland saniert werden. Das könne man unmöglich akzeptieren. Franz wirft dem gebürtigen Briten Reilly vor, dieser habe das Produktionsvolumen in Rüsselsheim zugunsten von Ellesmere Port in England gekürzt, um Staatshilfe aus London zu erhalten. Überhaupt sei das alles eine Unverschämtheit gegenüber der Bundesregierung – am liebsten würde Franz sagen: gegenüber Bundeskanzlerin Merkel –, da Opel ja nur wegen des Brückenkredits aus Berlin noch existiere.

Da hat Franz ausnahmsweise einmal recht. Der Rest ist Unsinn: In Deutschland befinden sich die Hälfte der Arbeitsplätze von Opel in Europa. Also verwundert es wenig, dass die Hälfte des Stellenabbaus in Deutschland anfallen soll. Zudem haben sowohl GM als auch die europäischen Regierungen zuletzt immer wieder beteuert, dass die von den einzelnen Ländern künftig gezahlte Staatshilfe in Form von Krediten keinen Einfluss auf Details des Sanierungsplans haben soll. Im Klartext: Arbeitsplätze sollen nicht versteigert werden, einen Subventionswettlauf soll es nicht geben. Also hilft auch nicht der Hinweis auf den alten – und schon längst zurückgezahlten – Brückenkredit von Bund und Ländern, wenn jetzt der neue Sanierungsplan verhandelt wird.

Reilly hat bewusst vieles offengelassen

Reilly hat einige Pflöcke eingeschlagen, aber bewusst auch vieles offengelassen. Außer Antwerpen wird zwar keines der Werke von Opel geschlossen – weder in Deutschland noch in Spanien, England oder Polen. Aber wie sich der Abbau der 9000 Stellen genau auf die Werke verteilt, ist noch Verhandlungsmasse. Damit kann Reilly zum einen an jedem Standort einen möglichst hohen Lohnverzicht von den Beschäftigten erzwingen. Zum anderen kann er mit der Flexibilität beim Stellenabbau die Bereitschaft der Regierungen zur Kredithilfe aufrechterhalten. Mindestens Nordrhein-Westfalen, wo in wenigen Monaten Landtagswahlen anstehen, wird kräftig zur Kasse gebeten werden, um die Fabrik in Bochum zu retten, die bei einer Sanierung ohne Staatseinfluss ebenso geschlossen werden würde wie die in Eisenach.

Es ist nicht die Aufgabe der Öffentlichkeit, den Sanierungsplan für Opel im Detail auszuarbeiten. Aber man muss kein Fachmann sein, um zu ahnen, dass die Krise von Opel auch in einem Jahr noch nicht gelöst ist. Die staatlich finanzierten Abwrackprämienprogramme in Europa laufen nach und nach aus. Bald werden neue Fahrzeuge nur noch von Autofahrern gekauft, die sie auch selbst bezahlen. Dann wird das Thema der Werksschließungen bei Opel abermals auf den Tisch kommen. Vor diesem Hintergrund müssen die Regierungen das aktuelle Werben von GM um Staatshilfe beurteilen: Überkapazitäten, die nicht bei Opel abgebaut werden, müssen bei Ford oder Volkswagen wegfallen. Das gilt unabhängig davon, ob sich im Detail nun Nick Reilly oder Klaus Franz durchsetzt.

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