26.11.2009 · Wie soll es mit Opel bloß weitergehen? GM hat Nick Reilly nach Europa geschickt, um Opel in die Zukunft zu führen. Ein tragfähiges Konzept hat er nicht in der Tasche. Nur eine Menge Wünsche.
Von Holger AppelAnfang 2002: Die Geschäfte von Opel, Saab und Vauxhall laufen schlecht. Der amerikanische Mutterkonzern der Automarken, General Motors, verkündet den Abbau von 70.000 auf 53.000 Mitarbeiter in seinem europäischen Geschäft. Herbst 2004: Für Opel, Saab und Vauxhall arbeiten noch 62.000 Menschen. Die Geschäfte laufen schlecht. Der Konzern kündigt den Abbau von 12.000 Stellen an.
Herbst 2009: 50.000 zitternde Mitarbeiter sind noch da. Die Geschäfte laufen schlecht, das Zwischenhoch durch die Abwrackprämie wird sich in Kürze als folgenschwerer Bumerang erweisen. Der Konzern kündigt den Abbau von 9000 Arbeitsplätzen bei Opel an, rund 5000 davon in Deutschland. Das Werk in Antwerpen steht vor der Schließung. Saab ist nach dem gescheiterten Verkauf klinisch tot.
Wie soll das bloß weitergehen? General Motors hat Nick Reilly nach Europa geschickt, um Opel unter dem Dach der Muttergesellschaft in die Zukunft zu führen. Ein tragfähiges Konzept hat er nicht in der Tasche, aber eine Menge Wünsche, unter anderem an die Bundesregierung, die Landesregierungen mit Opel-Standorten und an die Mitarbeiter. Sie alle sollen die Sanierung stützen, mit Steuergeld, mit Gehaltsverzicht. Schon kommen wieder Signale der Hilfe aus der noch vor wenigen Tagen so düpierten Politik. Es ist kaum zu glauben, aber es stehen eben Wahlen in Nordrhein-Westfalen an, Berlin scheint Geld ohne Grenzen zu haben, das kollektive Helfersyndrom ist ohnehin allen gemein.
Dabei wird ausgeblendet, dass Opel mit seinen Modellen Insignia und Astra zwar Lebenszeichen sendet, ansonsten aber der Konkurrenz hinterherläuft. Dabei wird ausgeblendet, dass Hilfe aus dem Deutschlandfonds nur möglich ist, wenn das Unternehmen nicht schon vor der Finanzmarktkrise in Schieflage war, wie Bundeswirtschaftsminister Brüderle und die Monopolkommission richtig anmerken.
Dabei wird ausgeblendet, dass jeder Euro Staatsgeld für Opel ein Euro gegen die Wettbewerber ist, die sich am Markt aus eigener Kraft behaupten müssen. 3,3 Milliarden Euro braucht der Konzern nach eigener Rechnung für seinen Neustart, der ein Tod auf Raten werden könnte. „General Motors kann hierzu auch Geld beisteuern“, sagt Reilly. Wie nett. Opel und Vauxhall gehören General Motors, nicht dem britischen oder deutschen Steuerzahler. Man kann Opel die Daumen drücken, aber die Steuerschatulle öffnen darf man nicht.
Frank-Holger Appel Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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