Wenig überraschend, was Carl-Peter Forster, der neue Vorstandsvorsitzende der Adam Opel AG, da als vorläufiges Sanierungsprogramm für den stark angeschlagenen Autohersteller aufzuweisen hatte. Vereinfacht lässt sich „Olympia“, so der Name des Programms, auf die Formel bringen: Kosten senken und endlich neue Modelle auf den Weg bringen.
Die als Verbesserungen auf der Erlös- und Kostenseite angekündigten Maßnahmen bedeuten massive Einschnitte in die bisherige Unternehmensstruktur - das wurde nicht verschwiegen. Die Rüsselsheimer haben sich vorgenommen eine Ergebnisverbesserung von mindestens 1,02 Milliarden Euro zu erreichen. Zur Debatte steht sogar die Schließung eines Werkes. Eine Entscheidung darüber sei aber noch nicht gefallen. Möglich sei auch die Kappung von Kapazitäten in allen europäischen Opel-Werken. Als Kandidaten für eine drohende Schließung gelten hausintern die Werke Antwerpen, Saragossa und auch Bochum.
Produktion zurückfahren
Forster, seit April auf dem Chef-Sessel in Rüsselsheim, will Opel - nach vielen Verlustjahren - bis 2003 wieder in die Gewinnzone führen. Dazu werde in jedem Fall die Produktionskapazität bei Opel in Europa bis zum Jahr 2003 um zusätzliche 15 Prozent zurückgeführt. Dies entspreche rund 300.000 bis 350.000 Fahrzeugen im Jahr, die weniger gefertigt würden. Alle geplanten Maßnahmen sollen „sozialverträglich“ durchgeführt werden.
Die Zurückführung der Produktion zeigt das Problem bei Opel. Es werden zu wenige Autos verkauft. Auf dem deutschen Markt gab es für die deutschen Hersteller im letzten halben Jahr Zuwächse bei den Neuzulassungen, nur nicht für Opel. Das Minus bei den Gesamtzulassungen ging zu Lasten der Japaner und Koreaner - und Opel.
Sportsponsoring allein hilft nicht
Das liegt, wie Experten seit langem mahnen, an der überaus biederen Modellpolitik des Hauses. Da mag man versuchen, sich durch massives Sportsponsoring ein dynamisches Image aufzubauen, um endlich vom Ruf des altväterlichen wegzukommen. Wenn die Modelle weiterhin von hausbackenem Zuschnitt bleiben, nutzt das nichts.
Folgerichtig kündigte Forster für Opel eine Modelloffensive für die kommenden vier bis fünf Jahre an. Die deutsche Tochter des US-Autoherstellers General Motors (GM) sei in der Vergangenheit nicht innovativ genug gewesen. Dies will Forster nun ändern. Bis der Wunsch Wirklichkeit wird und die Verkaufszahlen auf Grund neuer, ansprechender Modelle steigen, vergehen sicher einige Jahre. In der Zwischenzeit müssen die Kosten kontrolliert werden.
„Olympia“ reduziert Engagement im Sport
Daher könnte es mit „Olympia“ auch im Bereich Sport-Sponsoring zu Einsparungen kommen. So werde über das Engagement beim Fußball-Bundesligisten Bayern München nachgedacht. Angesichts der wirtschaftlich schwierigen Lage stünden alle Werbe-Aktivitäten im Sport auf dem Prüfstand, räumte Forster ein. Gerüchte, nach denen Opel sich sogar ganz vom deutschen Fußball-Rekordmeister trennen könnte, wies er jedoch zurück. Es werde aber erwogen, die Partnerschaft auf neue Grundlagen zu stellen. Der aktuelle Vertrag des FC Bayern mit Trikotsponsor Opel läuft am 30. Juni 2003 aus. Neben dem deutschen Rekordmeister ist Opel auch noch bei den beiden weiteren europäischen Spitzenclubs AC Mailand und Paris St. Germain engagiert.
Das Krisenprogramm, das endgültig Ende September stehen soll, sieht außerdem starke Einschnitte ins Händlernetz vor. In den kommenden drei Jahren werde die Zahl der Opel-Händler „deutlich“ reduziert. „In Grenzfällen“ werde es dabei auch zu Kündigungen kommen.
Opel hatte im vergangenen Jahr einen Verlust von 835 Millionen Mark eingefahren. Auch in diesem Jahr wird das Unternehmen voraussichtlich einen Verlust in dreistelliger Millionenhöhe schreiben. Ob es mit Opel dauerhaft wieder bergauf geht, wird nicht so sehr am Erfolg der Maßnahmen zur Kostensenkung zu messen sein. Denn das wirkliche Problem sind die Modelle, hier, in der Entwicklung werden die Weichen über Wohl und Wehe von Opel gestellt.