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Online-Händler Zalando : Aus dem Keller zu einer halben Milliarde Euro Umsatz

Blick in das Zalando-Schuhlager bei Berlin Bild: Matthias Lüdecke

Zalando hat erstmals konkrete Umsatzzahlen für 2011 veröffentlicht. Ob das Unternehmen profitabel arbeitet, ist weiter unklar. Doch die Geschäftsführer wollen weiter rasant wachsen.

          Im Zalando-Schuhlager in Brieselang bei Berlin herrscht an diesem Nachmittag kurzzeitig zweimal Chaos, und Thomas Branz verwaltet es jeweils. Der Leiter der Lagerlogistik des Internethändlers betreut die übliche Unordnung: Um den Platz optimal zu nutzen und Wege kurz zu halten, sortieren die Mitarbeiter die mehr als 1,5 Millionen Paar Schuhe nicht nach Marken in die Regalreihen ein, sondern eben „chaotisch“ - gesteuert durch ein selbstentwickeltes System aus Scannern und Computern. Branz kümmert sich aber auch um das unerwartete Chaos. Das Transportband läuft nicht, und rund um die Inseln, an denen die Packer Schuhe in Kartons stecken, warten fertige weiße Kisten darauf, in einen der Lastwagencontainer geschoben zu werden. Um diese Uhrzeit sei ein Ausfall kein gutes Zeichen, sagt Branz, wirkt aber trotzdem gelassen. Nach wenigen Augenblicken haben seine Kollegen das Problem gelöst. Das Band läuft wieder, die Pakete gehen auf den Weg zu ihren Empfängern.

          510 Millionen Euro Nettoumsatz im Jahr 2011

          Mehrere Millionen Pakete hat Zalando nach eigenen Angaben in den gut drei Jahren seit der Gründung des Unternehmens verschickt. Die Päckchen, die mehr als zwei Millionen Kunden in inzwischen zwölf europäischen Ländern Tag für Tag mit Schuhen, Kleidern, Heimtextilien oder Accessoires bestellen, haben den Umsatz innerhalb kurzer Zeit explodieren lassen. Der Versandhändler Neckermann meldet Insolvenz an, das Warenhaus Karstadt streicht Stellen, der Schuhhändler Görtz schließt Filialen. Und Zalando, einst ein Schuhversand aus dem Bürokeller der Gründer und Geschäftsführer Robert Gentz und David Schneider, hat sich von einem Start-up zu einer veritablen Größe im elektronischen Handel mit Mode gemausert.

          Wie groß Zalando inzwischen ist, war bislang jedoch ein gutgehütetes Geheimnis. An diesem Freitag nennt das Unternehmen erstmals genaue Umsatzzahlen für 2011, die dieser Zeitung vorab vorlagen. Nach Angaben des Geschäftsführers Rubin Ritter setzte Zalando 2009, dem ersten Jahr nach der Gründung, netto 6 Millionen Euro um. 2010 waren es schon 150 Millionen Euro. „Im Gesamtjahr 2011 haben wir schließlich 510 Millionen Euro Nettoumsatz erlöst“, sagt Ritter. Innerhalb eines Jahres haben sich die Erlöse somit fast verdreieinhalbfacht.

          Laut Ritter setzt das Unternehmen je die Hälfte davon in Deutschland und im Ausland um, unter anderem in Österreich, Schweden, Frankreich, Spanien und Italien. Ebenfalls hälftig teile sich der Umsatz zwischen dem Kernsegment Schuhe und anderen Sparten auf. Das zeige, dass sich die Investitionen in neue Märkte und Produktkategorien auszahle, sagt Ritter. Weitere Zahlen, etwa zum Gewinn, behält er für sich. „Wir wollen dem allgemeinen Interesse nachkommen und sind offener geworden“, sagt er. „Aber es gibt weiter Leistungskennziffern, die wir nicht herausgeben.“ Nur so viel: Zalando sei solide finanziert und die Investition in Wachstum eine „bewusst gewählte Strategie“.

          Der Geschäftserfolg bleibt weiter geheim

          Die einzigen öffentlich zugänglichen Angaben zum Geschäftserfolg liefert daher der 2011 im Bundesanzeiger veröffentlichte Jahresabschluss. Demnach verzeichnete die Zalando GmbH 2009 einen Jahresfehlbetrag von rund 1,6 Millionen Euro, 2010 stieg das Defizit auf rund 20 Millionen Euro. Demgegenüber stehen Anlage- und Umlaufvermögen, die sich im selben Zeitraum vervielfacht haben. Selbst wenn Zalando noch Verluste schreiben sollte, befände sich das Unternehmen in guter Gesellschaft: Auch Internetunternehmen wie Google oder Groupon brauchten mehrere Jahre, um die Gewinnschwelle zu erreichen.

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