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Online-Gemeinschaft : StudiVZ trocknet aus

Einst schien StudiVZ unkaputtbar Bild: Lisowski, Philip

StudiVZ ist immer noch eine große Internetseite. Doch wenn es weiter so schnell abwärtsgeht, hat das Netzwerk im März keine Nutzer mehr.

          So einen Absturz hat selten eine Internetseite gesehen. Seit 15 Monaten sinken die Besucherzahlen der Online-Gemeinschaft StudiVZ ungebremst - und wenn der Trend nicht aufhört, ist das Ende nahe. Bei Fortschreibung des Trends der vergangenen 19 Monate, ist im März kein Besucher mehr übrig.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Dabei ist StudiVZ immer noch eine große Internetseite. Im November besuchten die Leute im Internet öfter StudiVZ und seine beiden Schwester-Netze SchülerVZ und MeinVZ als die Internetauftritte von RTL oder der F.A.Z. Doch die drei Netzwerke verlieren in rasantem Tempo Benutzer - mehr als jede andere Website, die ihre Nutzerzahlen öffentlich ausweist. Schon in diesem Monat könnten sie - zusammengenommen - hinter das kleine Netzwerk "Wer kennt wen" zurückfallen.

          Normalerweise bremst sich so ein Absturz mit der Zeit ab. Jede Internetseite hat einige treue Fans, die bis zum Schluss mitmachen. Das kann auch StudiVZ noch helfen. Doch bisher ist im Sturz noch kein Fallschirm aufgegangen.

          Schwindendes Interesse

          Dabei schien StudiVZ einst unkaputtbar. Noch zu Beginn seines Aufstiegs war Firmengründer Ehssan Dariani mit einigen kindischen Szenen in der Öffentlichkeit aufgefallen. Doch dem Wachstum des Netzwerks schadete das nicht: Die Leute wollten dorthin, wo ihre Freunde waren.

          Genau dieser Mechanismus, der damals den Aufstieg von StudiVZ sicherte, sorgt jetzt für den Abstieg. Freunde gehen und nehmen ihre Freunde mit.

          Im September erst gab es den vorerst letzten Versuch, zu retten, was noch zu retten war. Da designte die Firma ihre Seite neu, doch damit drehte sie den Trend nicht. Zwei Wochen nach dem Relaunch verließ der damalige Chef die Firma. Schon damals schien klar: Wenn alle Freunde zu Facebook weiterziehen, lohnt sich StudiVZ bald auch für die übrigen Nutzer nicht mehr. Auch der Versuch von StudiVZ-Besitzer Stefan von Holtzbrinck, das Netzwerk noch zu verkaufen, war gescheitert.

          Jetzt muss Holtzbrinck StudiVZ als Fehlinvestition verbuchen. Im Januar 2007 hatte er das soziale Netz für 80 Millionen Euro gekauft. Er stellte die Weichen anders als Facebook-Gründer Mark Zuckerberg in seinem Unternehmen: Holtzbrinck wollte schneller Gewinn sehen. Den bekam er. Im Jahr 2009 vermeldete der damalige StudiVZ-Chef in der F.A.S. das erste Monatsplus.

          Inzwischen ist klar: Das war nicht der Weg zum Sieg. Das Geld hätte StudiVZ lieber ausgeben sollen, um die Funktionen der Seite weiterzuentwickeln. Während Facebook Spiele und andere Apps anderer Firmen auf seine Seite aufnahm, sich im Internet ausbreitete und dabei immer wieder auf Nutzerproteste und Datenschutzbedenken stieß, tat sich bei StudiVZ - fast nichts. Das aber datenschutzkonform: Die StudiVZ-Manager legten großen Wert darauf, dass ihre Plattform in Datenschutztests und bei der Stiftung Warentest gut abschnitt. Die Mitglieder entschieden sich trotzdem für Facebook.

          Und wenn die sich einmal abgemeldet haben, dann ist auch das Netzwerk bald abgemeldet. So ging es schon dem ersten großen sozialen Netzwerk der Welt, Friendster, das bald von MySpace abgelöst wurde - doch an MySpace erinnern sich heute auch nicht mehr viele. Kürzlich gab auch MySpace das eigene Netzwerk auf, dockte an Facebook an und wandelte sich zur Musik-Website.

          Ob StudiVZ eine Wende noch schafft, ist ungewiss. "Schaltet Holtzbrinck die Server ab, bevor die Besuchszahlen die Nulllinie erreicht haben, oder warten sie wirklich, bis auch das letzte Mitglied seinen Account selbst gelöscht hat?", spottete vergangene Woche der Blogger Martin Vogel, der auf den desaströsen Trend von StudiVZ hinwies. Diese Frage beantworteten weder StudiVZ noch der Holtzbrinck-Verlag. Die Manager ließen ausrichten, sie konzentrierten sich darauf, bald wieder etwas zu erzählen zu haben.

          Dafür schickte StudiVZ seinen Mitgliedern vergangene Woche noch mal eine E-Mail zum Advent. Dort stand: "Die VZ-Weihnachtsaktion geht in die letzte Runde."

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