05.01.2010 · Secondhand hat beim Buch kein Geschmäckle mehr. Gebrauchte Bücher und CDs werden gern online gestellt. Inzwischen gibt es auch Portale für Faule.
Von Petra KirchhoffAnlässe gibt es genug: Der eine braucht Platz im Bücherregal, der andere hat zu Weihnachten ein Buch geschenkt bekommen, das er schon gelesen hat. Wieder andere greifen bewusst zum teuren aktuellen Hardcover, lesen es zügig durch und stellen es dann ins Internet, um einen Teil der Ausgaben wieder hereinzuholen.
Zu den bekannten Portalen für den Handel mit gebrauchten Büchern zählen etwa Amazon, Booklooker und die Auktionsplattform Ebay. Der Verkauf über diese Portale ist jedoch mit einigem Aufwand verbunden. Anbieter müssen die verkauften Bücher später selbst verpacken, versenden und unter Umständen auch das Geld eintreiben und sich mit Reklamationen herumschlagen.
Einfache Handhabung
Dass es auch anders geht, zeigt der Berliner Jungunternehmer Christian Wegner mit seinen Portalen www.momox-books.de und www.momox.de. Einen „Flohmarkt für Faule“ hat das Wirtschaftsmagazin „Brand eins“ das System kürzlich treffend genannt. Momox kauft Bücher, CDs, Spiele und DVDs und verkauft diese dann selbst über Online-Plattformen wie Amazon und eigene Online-Shops mit Aufschlag weiter.
Das System besticht durch seine einfache Handhabung. Der Kunde tippt lediglich den Strichcode seiner Ware in die entsprechende Maske, im Fall von Büchern die ISBN-Nummer, und sofort wird ein Ankaufspreis genannt, zu dem er seine Ware in den Warenkorb legen kann. Das Programm dafür hat der gelernte Groß- und Einzelhandelskaufmann Wegner vor fünf Jahren selbst geschrieben, weil er, damals arbeitslos, kein Geld für einen Programmierer hatte, wie er sagt. Mit lediglich 1500 Euro Eigenkapital gründete Wegner im Jahr 2004 seine Firma. Heute beschäftigt er 60 feste Mitarbeiter und setzt im Monat mehr als eine Million Euro um. Inzwischen füllen rund eine halbe Million gebrauchte Waren, der Großteil davon CDs, ein Lager in Berlin. Täglich kommen rund 10.000 Artikel hinzu. Rund 30 Prozent der gekauften Ware werden innerhalb von zwei Wochen weiterverkauft.
Bis zu 50 Prozent des Originalpreises
Ein weiterer Vorteil von Momox: Der Versand ist für den Verkäufer kostenfrei. Die dafür nötigen Paketaufkleber kann er über die Homepage von Momox ausdrucken. Wer mindestens sechs Bücher verkauft und in einer Sendung auf den Weg bringt, kann diese sogar ohne Gebühren zu Hause abholen lassen. Wer den Versand selbst regelt, bekommt eine Kostenerstattung. Wir haben das Momox-System ausprobiert, Bücher, die den Zustandsvorschriften entsprachen - Exemplare mit stark vergilbten Seiten und Widmungen etwa werden nicht akzeptiert -, kosten- und problemlos über die Deutsche Post verschickt und das Geld ohne Abstriche zwei Wochen später erhalten.
Bis zu 50 Prozent des Originalpreises verspricht Momox. Grundsätzlich gilt hier wie bei anderen Online-Shops: Je aktueller der Titel, um so besser der Preis, es sei denn, es handelt sich um einen gesuchten Klassiker. Mitte September zum Beispiel gab es für das neueste Buch von Sibylle Berg (“Der Mann schläft“) bei Momox noch 9,74 Euro und damit tatsächlich die Hälfte des regulären Verkaufspreises von 19,90 Euro. Kurz vor Silvester lag der Preis bei 7,62 Euro. Ausnahmen bestätigen die Regel: Für Roger Willemsens Buch „Der Knacks“ mit Erscheinungsdatum Oktober 2008 hätte Momox im September 3,19 Euro bezahlt, vor dem Jahreswechsel dagegen knapp einen Euro mehr.
Für Momox sprechen vor allem Bequemlichkeit und Zeitersparnis. Dass Einzelverkäufer bei Ebay und Amazon häufig höhere Preise erzielen, will Wegner nicht verhehlen. Dafür müssten sie aber auch längere Wartezeiten einkalkulieren und Arbeit in Kauf nehmen.
Plus 1,20 Euro Versandkosten bei Booklooker
Zum Vergleich: Das günstigste gebrauchte Sibylle-Berg-Buch (“Der Mann schläft“) kostete am 30. Dezember bei Amazon 16,49 Euro, mit Versandkosten 19,49, und damit nur 41 Cent weniger als ein neues Exemplar bei Amazon. Von den 19,49 Euro dürfte der Verkäufer 13,75 Euro behalten, da Amazon bei jedem Verkauf, sofern der Anbieter nicht zur Gruppe der Power-Seller gehört, eine Verkaufsgebühr in Höhe von 1,14 Euro einbehält sowie 1,16 Euro von der Versandkostenpauschale plus 15 Prozent Provision vom Verkaufspreis (zuzüglich 15 Prozent Umsatzsteuer). Das Gebührensystem wird zwar im Internet erklärt, wir haben es allerdings erst auf telefonische Nachfrage verstanden.
Da der Verkäufer das Buch noch selbst mit 85 Cent Porto verschicken müsste, bliebe unter dem Strich ein Verkaufserlös von knapp 13 Euro und damit gut fünf Euro mehr als bei Momox - immer vorausgesetzt, der Verkäufer wird das Buch zu diesem Preis auch los. Bei Booklooker gab es das günstigste gebrauchte Berg-Buch kurz vor Silvester (“wie neu“) bereits für 12 Euro (plus 1,20 Euro Versandkosten).
Ein Volk von Schacherern...
Gerd Griepenkerl (Griepi)
- 05.01.2010, 17:35 Uhr
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