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Online-Banking Kein Geld für Systracom-Kunden

04.05.2001 ·  Die Systracom Bank ist pleite. Kunden des Online-Brokers wollen ihr Geld retten, aber man lässt sie nicht.

Von Marcus Stippak
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Auf seine Bank ist Systracom-Kunde Horst Degen gar nicht gut zu sprechen. Blauäugig seien er und die 150 weiteren Systracom-Kunden gewesen, für die er spreche. Auf die „verrückten Erfahrungen“ mit dieser „kleinen Klitsche“ wie der Systracom Bank hätte er lieber verzichtet, schimpft Degen.

Die steckt in einer akuten Krise, deshalb wollen die Kunden von ihrem Geld retten, was zu retten ist. Im Zentrum der Meinungsverschiedenheiten: Die Frage, ob Systracom-Kunden ihre Depots von Systracom abziehen und auf andere Banken übertragen dürfen. Allein, sie können und sie dürfen nicht.

Ein kurzlebiges Angebot

Dies bestätigte nach telefonischer Anfrage die Pressesprecherin der Direkt Anlage Bank (Diraba), Juliane Giese. Wie kommt die Diraba ins Spiel? Als bei Systracom die Gewitterwolken aufzogen, witterte die Diraba ein Geschäft. Sie bot daher Systracom-Kunden ab 25. April im Internet an, ihre Depots kostenlos zur Diraba zu übertragen.

Auf Anfrage von FAZ.NET, wie viele Systracom-Kunden das Angebot genutzt hätten, musste Giese nach eigenen hausinternen Recherchen einräumen, dass das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BAKred) der Diraba schon am 30. April die tatsächliche Umsetzung des Angebots untersagt hatte. Ein Sachverhalt, der ihr selbst bis dato nicht bekannt war. Auf der Internetseite der Diraba ist daher auch weiterhin das eigentlich untersagte Angebot vorhanden.

Beinahe undurchschaubar: Die Depotsfrage

Auch die Kunden um Degen kannten die Entscheidung des BAKreds bezüglich der Diraba bis dahin nicht. Für Degen ist vor allem die Systracom Bank die Schuldige. Schließlich habe nach seinem Wissensstand das BAKred-Moratorium vom 20. April ausdrücklich auf die Möglichkeit der Depotübertragung hingewiesen, solange das Depot bei der Systracom nicht als Sicherheit für einen Kredit dient (siehe Link: „Wortlaut der BAKred-Pressemitteilung vom 20. April 2001“).

Dementsprechend haben Degen zufolge am 20. April zahlreiche Systracom-Kunden die „sofortige Übertragung“ zu anderen Bankinstituten beantragt. Geschehen sei aber bei der Systracom Bank nichts, Degen und seine Mitstreiter sind daher verunsichert und ziemlich verärgert.

Aus Sicht von Systracom wiederum ist das BAKred für die Situation verantwortlich. Schriftlich teilten Systracom-Pressesprecherin Birgit Korff und Marketing-Leiter Hubertus Neuhaus FAZ.NET mit, dass Systracom gemäß dem Moratorium vom 20. April die Depotübertragungen erst nach einer Überprüfung der entsprechenden Anträge durchführen könne. Die Überprüfung nehme die Bank aber selbst nicht vor.

BAKred-Pressesprecherin Kirstin Witt zufolge ist das nur zum Teil richtig. Sie erklärt, die Überprüfung der umstrittenen Anträge erfolge durch die Systracom und die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB). Richtig ist, und das ist kein Verschulden der Systracom, dass die Bank die eingegangenen Anträge auf Depotübertragungen erst durchführen darf, sobald die angesprochene Überprüfung aller Anträge abgeschlossen ist. Dies könne allerdings einige Wochen dauern. Auf die Schnelligkeit des Verfahrens hat die Bank aber keinen Einfluss. Die Sache ist komplex, auf Kosten der Kunden.

Systracom-Kunden als Leidtragende

Egal, welchen Lauf die Dinge nehmen, Degen stellt ernüchtert fest, Online-Banking sei mehr als bedenklich. Die Sicherheit der Kunden müsste dringend verbessert werden, in einer Situation wie der jetzigen stehe man plötzlich mit leeren Händen da. Unter seinen 150 Mitstreitern seien beinahe schon „tragische Fälle“, die im Überschwang riskante Geschäfte getätigt, jetzt aber keine Chance zum Ausstieg hätten.

Auch BAKred-Sprecherin Witt bedauert, dass Wertpapierbesitzer möglicherweise bei Kursschwankungen während der Überprüfungsphase Verluste hinnehmen müssten, ohne die Möglichkeit zu haben, sich rechtzeitig von ihren Papieren zu trennen. Die Kunden der Systracom Bank müssen in den sauren Apfel beißen. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als zu warten und auf eine gute Kursentwicklung ihrer Papiere zu hoffen. Nicht bestätigten Angaben zufolge sind inzwischen 90 Prozent der Anträge geprüft, demnach könnte mit den Depotübertragungen nächste Woche begonnen werden.

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