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Online-Banking Gastspiel im Online-Banking: Die Systracom Bank

04.05.2001
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Den Geschäftsbeginn der Systracom Bank Sitz in Berlin am 21. September 2000 begleitete Vorstandssprecher Klaus-Peter Möritz mit selbstbewussten Aussagen: Die Bank sei Begründer einer neuen „Ära des Internet-Brokerage“ und mit seinen vergleichsweise geringen Gebühren „Preisführer“ im Vergleich zu anderen Banken.

In Zusammenarbeit mit FirstQuote und wallstreet.online, zwei Service Providern für Finanz- und E-Brokerage-Systeme präsentiere sich Systracom seinen Kunden als „Dienstleister“ für den Aktien- und Optionsscheinhandel sowie für Rentenpapiere und Aktienfonds. Eine „strategische Partnerschaft“ mit der Hamburger Bank M. M. Warburg & Co. sollte Systracom den Weg zum Erfolg bahnen.

Den Erfolg fasste Systracom-Vorstandsmitglied Peter - Jörg Klein noch am Tag des Geschäftsbeginns in Zahlen: „Wir rechnen mit 100.000 Wertpapierkunden bis Ende 2001.“ Die Vorbereitungen für den angestrebten Erfolg begannen im Februar 1999. Eine renommierte Mannschaft sollte die Bank geradewegs auf die Zielgerade bringen: So wies Vorstandssprecher Möritz 17 Jahre Berufserfahrung im Devisengeschäft der Deutschen Bank auf, Klein wiederum war immerhin Generalbevollmächtigter bei der Dresdner Bank. Und im Aufsichtsrat versammelten sich neben dem ehemaligen Vorstandssprecher der Bankgesellschaft Berlin, Wolfgang Steinriede, das ehemalige Deutsche Bank Vorstandsmitglied Jürgen Krumnow und Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e. V. (DSW).

Im November 2000 machte Systracom zwei Mal von sich reden: Zum einen gab sie bekannt, dass sich M. M. Warburg & Co an der Systracom Bank beteilige. Weniger rosig: die Kundenzahl, zu der sich die Bank selbst gar nicht äußerte. Diese wurde von Beobachtern auf unter 2.000 geschätzt. Die Bank selbst lieferte keine genauen Zahlen. In einer Pressemitteilung vom 24. Januar 2001 teilte sie knapp mit, im vierten Quartal 2000 ungefähr 6.500 Kunden gewonnen zu haben. Die Gesamtzahl der Kunden wurde nicht genannt, im Februar 2001 sollen es 8.000 gewesen sein.

Offensichtlich wurden die angestrebten Ziele nicht erreicht. Zwar trat Systracom im Januar 2001 als Sponsor des Deutschen Handball Bundes in Erscheinung, doch am 20. April kam das Ende. Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BAKred) ordnete wegen drohender Zahlungsunfähigkeit der Bank auf der Grundlage des § 46a Absatz 1 des Gesetzes über das Kreditwesen (siehe Links „Wortlaut der BAKred-Pressemitteilung vom 20. April 2001“ sowie „Gesetz über das Kreditwesen - KWG“) deren unbefristete Schließung an, seitdem ruht der Geschäftsverkehr der Bank.

Angeblich trat daraufhin der Systracom-Vorstand mit anderen Banken in Verhandlungen ein, um das Unternehmen zu retten. Unter anderem sollen Gespräche mit der US-amerikanischen Investmentbank Merrill Lynch, der Deutschen Bank 24 und der Direkt Anlage Bank stattgefunden aber zu keinem Ergebnis geführt haben.

Zur Zeit prüfen die Systracom Bank und die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) das Ausmaß der Verschuldung. Liegt eine Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung der Bank vor, wird das BAKred beim zuständigen Amtsgericht ein Insolvenzverfahren anzeigen. Infolge dessen würden sich der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) mit den Systracom- Kunden an einen Tisch setzen und über Entschädigungen sprechen.

Quelle: @stip, mit Material von Reuters, vwd, Platow Brief
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