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Oliver Williamson Die Grenzen der Unternehmung

13.10.2009 ·  Der Wirtschafts-Nobelpreisträger Oliver Williamson hat als Institutionenökonom eine Brücke zur Betriebswirtschaftslehre gebaut. Seine Forschungsarbeit liefert Antworten darauf, welche Aufgaben am effizientesten im Unternehmen erledigt werden - und welche das Unternehmen ausgliedert.

Von Theresia Theurl
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Bei Vorträgen an Universitäten wurde Oliver E. Williamson immer wieder gefragt, ob der Nobelpreis das höchste Ziel für einen Forscher - auch für ihn selbst - sei. Bescheiden lächelnd antwortete er, dass es viele sehr gute Ökonomen gebe und nicht jedem der Nobelpreis verliehen werden könne. Er würde sich jedoch sehr freuen, wenn das Nobelpreiskomitee irgendwann einmal seine Arbeiten anerkennen würde, fügte er hinzu.

Nun ist es so weit: Williamson erhält den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Als Begründung wird seine konsequente Analyse der „Governance“-Strukturen wirtschaftlicher Organisationen angeführt, vor allem der Grenzen des Unternehmens. Organisationen sind nicht einfach da und funktionieren automatisch, sondern - so zeigt Williamson - es geht darum, gute Organisationen zu schaffen und dabei zu berücksichtigen, wie sich Menschen verhalten und wie sie auf Regeln, Organisations- und Kontrollstrukturen reagieren. Was heute als Corporate Governance weithin bekannt ist, lässt sich letztlich auf Williamson zurückführen. Allerdings ist sein Ansatz wesentlich umfassender, lässt er sich doch auf alle anderen Organisationen anwenden.

Williamsons Beitrag zur Theorie der Unternehmung

Warum gibt es überhaupt Unternehmen? Offenbar, weil Unternehmer so effizienter wirtschaften, als wenn sie alle (Vor-)Leistungen auf einem atomistischen Markt einkauften. Lange Zeit wurden Unternehmen aber als eine „Black Box“ betrachtet. Die konkrete Organisation wurde kaum untersucht. Fragen wie die geeignete Größe von Unternehmen, deren optimale Grenzen sowie ihre Ausgestaltung und ihre Alternativen kamen zu kurz. Williamson, der am Massachusetts Institute of Technology, an der Stanford University und an der Carnegie-Mellon University ausgebildet wurde, hat diese Fragen nüchtern und akribisch gestellt und zunehmend differenzierter beantwortet.

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Auf diese Weise ist ein Werk zustande gekommen, das nicht nur ein systematisches Analyseraster für alle Fragen der ökonomischen Governance enthält, sondern in dem auch ein Kriterium für den Vergleich unterschiedlicher Organisationen angeboten wird. Williamson betont, dass die Vorbereitung und Durchführung jedes Geschäfts mit Kosten verbunden ist, den Transaktionskosten. Auf dem Fundament der Transaktionskostentheorie lassen sich wichtige Fragen untersuchen. Zum Beispiel: Wann soll ein Unternehmen eine eigene Entwicklungsabteilung unterhalten und unter welchen Voraussetzungen besser eine Lizenz erwerben? Oder bietet sich ein Gemeinschaftsunternehmen mit Wettbewerbern an?

„Hybride“ Organisationsformen gewinnen an Bedeutung

Diese Fragen kann man nicht beantworten, ohne einen Vergleich all dieser Kostenelemente durchzuführen. Dessen Ergebnis wiederum hängt von wichtigen Faktoren ab, etwa der Spezifität der Investitionen für diese Entwicklung, die mit Abhängigkeit und Ausbeutbarkeit verbunden sein können. Um der Gefahr der Ausbeutung und Erpressung durch externe Entwickler zu begegnen, versucht sich das Unternehmen abzusichern. Das ist mit Transaktionskosten verbunden. Ein hoher Spezifitätsgrad wird also tendenziell für eine eigene Entwicklungsabteilung eines Unternehmens sprechen. Anders stellt es sich für unspezifische, standardisierte Elemente dar, die über Markttransaktionen organisiert werden können.

Doch die Organisationsalternative lautet nicht nur schlicht: Markt oder integriertes Unternehmen. Wie Williamson immer wieder hervorgehoben hat, gewinnen in der Wirtschaft zunehmend hybride Organisationen an Bedeutung: Das sind Zwischenformen, die von beidem etwas haben. Unternehmensnetzwerke, strategische Allianzen, Genossenschaften, Public-Private-Partnerships. Unternehmen verlieren ihre festen Grenzen. Mit dem von ihm entwickelten Werkzeug gelingt es, die Frage zu beantworten, unter welchen Voraussetzungen welche Organisationsform zu wählen ist. Dieses Kalkül bleibt nicht auf die Privatwirtschaft beschränkt. Williamson selbst hat es etwa auch auf die Organisation der staatlichen Aufgaben angewendet, ebenso auf Verbände und Nonprofit-Organisationen.

Brücke zur Betriebswirtschaftslehre

So ist es nicht überraschend, dass Williamsons Theorien auch Eingang in die Betriebswirtschaftslehre und in die Rechtswissenschaft fanden. Williamson kann als ein Brückenbauer verstanden werden, wenn er sagt, dass die wenigsten Probleme so gut definiert sind, dass sie einer einzigen Disziplin zugeordnet werden können. Nicht nur durch die Problemstellungen des wirtschaftlichen Lebens sei er immer wieder gefordert worden, sondern auch durch seine Professur an der Universität Berkeley, verankert in den Bereichen Economics, Business and Law. Diese Ausrichtung entspricht auch einer weiteren einflussreichen Leistung Williamsons, nämlich dem Einbezug von Effizienzüberlegungen in die Wettbewerbspolitik.

Williamson hat Wesentliches zur Entwicklung der Neuen Institutionenökonomik geleistet und steht in einer Reihe mit den Nobelpreisträgern Ronald Coase (1991) und Douglass C. North (1993). Die Institutionenanalyse hat sich zu einem unverzichtbaren Bestandteil der ökonomischen Wissenschaft entwickelt. Williamson sieht aber nüchtern, dass noch viel zu tun ist, vor allem mehr empirische Forschung, welche die Aussagekraft der institutionenökonomischen Erkenntnisse für wirtschaftliche und gesellschaftliche Probleme weiter schärft.

Theresia Theurl ist Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Universität Münster.

Quelle: F.A.Z.
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