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Ohne Steve Jobs Apple ist angreifbar

Am Ende des ersten Jahres ohne Steve Jobs sieht sich Apple ein Stück weit in der Defensive. Den Anspruch auf eine Ausnahmestellung kann das Unternehmen nicht mehr so leicht erheben.

Der amerikanische Elektronikkonzern Apple blickt auf das erste Jahr ohne seinen verstorbenen Mitgründer Steve Jobs zurück. Der Verlust von Jobs hat eine klaffende Lücke bei Apple hinterlassen, aber den Konzern bislang nicht in eine Krise gestürzt. Auch unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden Tim Cook wächst Apple stürmisch und bleibt hochprofitabel. Cooks Zwischenbilanz ist trotz mancher Fehltritte solide. Dabei kann er noch von den Erfolgen der Ära Jobs zehren, in der Apple revolutionäre Produkte wie das iPhone-Handy und den Tabletcomputer iPad auf den Markt brachte. Offen bleibt, ob Apple mit Cook ähnlich große Würfe gelingen werden. Das war im ersten Jahr unter neuer Führung nicht unbedingt zu erwarten, aber die Frage wird an Dringlichkeit gewinnen. Mehr als vor zwölf Monaten scheint Apple heute anfällig für Angriffe von immer aggressiveren Wettbewerbern wie Google, Amazon und Samsung.

Cook selbst lässt Zweifel an der Innovationsfähigkeit von Apple nicht gelten. Er verweist auf eine Serie von Neuheiten, die Apple 2012 geliefert hat. In der Tat hat Apple im Herbst fast seine ganze Produktpalette aufgefrischt und zudem sein iPad-Geschäft um eine Mini-Version erweitert. Wie gewohnt kam Apple beim Verkaufsstart der Geräte mit der Belieferung kaum nach und konnte verschmerzen, dass es keine ganz neue Produktkategorie gab.

Es gibt eine Reihe ernstzunehmender Wettbewerber

So enorm die Anziehungskraft von Apple aber auch bleibt: Den Anspruch auf eine Ausnahmestellung kann das Unternehmen nicht mehr so leicht erheben. 2011 sah Apple noch gelassen zu, wie ein Konkurrenzgerät für das iPad nach dem anderen bei den Verbrauchern durchfiel. Mittlerweile gibt es eine Reihe ernstzunehmender Wettbewerber. Apple führt den Markt zwar weiter an, aber es beherrscht ihn nicht mehr. Mit seinem Mini-iPad fand sich Apple in der ungewohnten Rolle eines Nachzüglers, der den Erfolg von Konkurrenten wie Amazon und Samsung mit kleineren Geräten nicht mehr ignorieren konnte.

Eine ähnliche Entwicklung wie jetzt im Tabletgeschäft hat es schon im Markt für internetfähige Handys gegeben, wo Apple die iPhone-Konkurrenz aufholen ließ. Samsung und andere Hersteller von Geräten mit dem zum Internetkonzern Google gehörenden Betriebssystem Android haben zusammen drei Viertel des Weltmarktes für Smartphones erobert. Der Wettbewerb wird noch härter werden. Google fängt gerade erst an, aus dem zugekauften Handyhersteller Motorola Kapital zu schlagen, der Online-Händler Amazon dürfte nach Erfolgen mit Tablets auch bald im Smartphone-Geschäft mitmischen. Samsung ist innovationsstärker geworden und lässt sich immer weniger als bloßer iPhone-Nachahmer abqualifizieren - trotz der schweren Niederlage, die das Unternehmen jüngst in einem Patentprozess gegen Apple in Amerika hinnehmen musste.

Der Konzern darf sich nicht allzu viele Patzer leisten

Es ist für Apple kein geringer Trost, dass die Konkurrenz bei den Gewinnmargen für ihre Geräte noch immer weit hinten liegt. Um seine hohen Verkaufspreise zu rechtfertigen, darf sich der Konzern aber nicht allzu viele Patzer leisten, ob nun bei den Geräten selbst oder der mit ihnen verknüpften Software. Das Debakel um den mit Fehlern gespickten Kartendienst in diesem Jahr gibt Anlass zur Sorge, auch weil es die Frage aufwirft, ob sich hier ein Muster abzeichnet. Denn schon mit einem anderen zuvor hochgejubelten Angebot, der virtuellen Assistentin Siri, hat Apple ein bislang nur begrenzt brauchbares Produkt abgeliefert. Die Missgeschicke wiegen umso schwerer, als datengetriebene Dienste wie Karten eine Paradedisziplin des großen Rivalen Google sind.

Apple war auch in der Ära Jobs nicht immun gegen Ausrutscher. Aber Tim Cook steht unter dem besonderen Druck, zu demonstrieren, dass Apple mit ihm an der Spitze nicht die Zügel schleifen lässt. Auf das Kartenfiasko hat er mit entschlossenem Durchgreifen reagiert: Er entschuldigte sich und räumte im Management auf. Es spricht für seine Führungsqualitäten, dass er sich von der Monumentalaufgabe, einer Legende wie Steve Jobs nachzufolgen, nicht einschüchtern lässt. Gerne erzählt er, wie Jobs ihn ermuntert habe, seinen eigenen Weg zu gehen. Das hat Cook auch mehrfach getan, etwa indem er eine Dividende für Aktionäre einführte oder sich intensiver als Jobs der Arbeitsbedingungen bei den chinesischen Auftragsfertigern von Apple annahm.

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Die Erneuerung der Produktpalette rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft dürfte Apple einen Schub gegeben haben. Es wäre keine Überraschung, legte der Konzern demnächst gute Quartalszahlen vor. Das könnte auch dem zuletzt arg unter Druck geratenen Aktienkurs helfen. Und doch sieht sich Apple am Ende des ersten Jahres ohne Jobs ein Stück weit in die Defensive gedrängt. Tim Cook muss härter darum kämpfen, das Revier zu verteidigen. Das kann aber nicht sein alleiniger Anspruch sein, und die andauernden Spekulationen über einen Einstieg in den Fernsehmarkt sind ein Indiz für größere Ambitionen. Er weiß, dass die Apple-Ära unter seiner Führung erst dann als Erfolg gewertet wird, wenn es ihm gelingt, die Tür zu neuen Märkten aufzustoßen.

Quelle: F.A.Z.

 
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