26.07.2010 · Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Es bietet sich an, den Ölunfall im chinesischen Dalian der BP-Katastrophe im Golf von Mexico gegenüberzustellen. Doch außer dem Rohstoff haben die Vorfälle wenig gemein.
Von Christian GeinitzWichtiger ist, dass das Unglück in Nordchina den steigenden Energiehunger des Riesenlandes in Erinnerung ruft und die Umweltgefahren.
Seit Jahren wächst die Wirtschaft rasant, seit 2009 ist das Land der größte Automarkt der Welt. Der Nachholbedarf ist riesig. Denn in China kommen auf 1000 Einwohner weniger als 40 Autos, in Amerika sind es 500.
Peking versucht, diesen Bedarf zu decken. Es erweitert Ölhäfen und Raffinerien. Es versucht sich in Tiefseebohrungen wie im Golf von Mexiko. Es bemüht sich im Ausland um Lieferverträge, Förderlizenzen, Beteiligungen. Vergessen wird dabei, dass eine Autodichte wie im Westen weder für die Infrastruktur noch für die Umwelt zu ertragen wäre.
Und doch heizen Regierung und Staatsunternehmen die Nachfrage noch an. Besser wäre es, die wirklichen Kosten umzulegen, Dreckschleudern von den Straßen zu nehmen und den öffentlichen Nahverkehr auszubauen. Doch dass die Explosion in Dalian dazu ein Fanal gesetzt hätte, bleibt wohl ein frommer Wunsch.
Christian Geinitz Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.
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