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Ölpest British Petroleum ist nur noch die Hälfte wert

10.06.2010 ·  Die Aktie verliert binnen 50 Tagen den Börsenwert von Siemens. Seit April hat sich der Börsenwert des Unternehmens halbiert. Dabei fiel der Kurs der BP-Aktie nicht gleich nach der Katastrophe ins Bodenlose, sondern in Schüben.

Von Daniel Mohr
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345 britische Pence haben Händler in London am Donnerstag zwischenzeitlich nur noch für eine Aktie des Ölkonzerns British Petroleum gezahlt. Das waren 12 Prozent weniger als am Mittwoch und so wenig wie seit 13 Jahren nicht mehr. Am 21. April, einen Tag nach der Explosion auf der Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko, waren es noch 658 Pence - das bedeutet ein Kursminus von 48 Prozent.

BP war vor der Katastrophe mit einem Börsenwert von 124 Milliarden Pfund das wertvollste britische Unternehmen. Davon sind nur noch 65 Milliarden Pfund geblieben - ein Verlust von 59 Milliarden Pfund oder umgerechnet 71 Milliarden Euro. Das wertvollste deutsche Unternehmen ist mit einem Börsenwert von 69 Milliarden Euro Siemens. In nur 50 Tagen wurde in den BP-Aktien damit mehr Wert vernichtet, als der größte deutsche Industriekonzern wert ist.

Dabei fiel der Kurs der BP-Aktie nicht gleich nach der Katastrophe ins Bodenlose, sondern in Schüben mit einer Beschleunigung in dieser Woche. Zunächst hätten viele Marktteilnehmer die aus der Katastrophe erwachsenden Risiken schlichtweg unterschätzt, meinen Analysten. Nun verweisen sie auf die verschärfte Rhetorik der amerikanischen Politik gegenüber dem Konzern BP. Für ein Unternehmen, das nicht nur mehr als ein Drittel seiner Umsätze in den Vereinigten Staaten erzielt, sondern auch auf die Erteilung von Bohrlizenzen angewiesen ist, sind gute politische Beziehungen wichtig.

Auch die Forderungen nach einem Aussetzen der vierteljährlich erfolgenden Dividendenzahlungen haben der Aktie dieser Tage zugesetzt. Bislang waren Ölaktien unter großen Pensionsfonds wegen ihrer geringen Kursschwankungen und der regelmäßigen, hohen Mittelzuflüsse aus Dividendenzahlungen sehr beliebt. Zudem herrscht weiter Unklarheit über das Ausmaß der Katastrophe, zumal weiter Öl ins Meer strömt. Seriöse Schätzungen, welche Kosten auf BP zukommen könnten, vermag derzeit niemand abzugeben. Vergleiche mit der Ölkatastrophe des Tankers Exxon Valdez im Jahr 1989, die der heute wertvollste Konzern der Welt Exxon Mobil zu überstehen hatte, werden am Markt als unpassend bezeichnet, da die jetzige Katastrophe eine völlig andere Dimension erreicht habe. Gleichwohl haben im vergangenen Monat 20 Analysten ihre Kaufempfehlung für die BP-Aktie bekräftigt, nur zwei zum Verkauf geraten.

Optimisten verweisen auf die zweistelligen Milliardengewinne, die BP üblicherweise im Jahr erzielt. Pessimisten heben hervor, dass der aktuelle Börsenwert noch nicht die Möglichkeit der Insolvenz und eines Untergangs des Konzerns enthalte.

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Wirtschaft.

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