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Ölpest BP droht Führungskrise

10.06.2010 ·  Neben Vorstandschef Tony Hayward ist auch der oberste Kontrolleur Carl-Henric Svanberg geschwächt

Von Marcus Theurer
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Während BP die schwerste Krise in seiner Geschichte meistern muss, geraten die beiden wichtigsten Manager des britischen Ölkonzerns immer stärker unter Druck. Vorstandschef Tony Hayward ist nach Rücktrittsforderungen des amerikanischen Präsidenten Barack Obama schwer angeschlagen. Aber auch die Kritik am Verwaltungsratsvorsitzenden (Chairman) Carl-Henric Svanberg wächst. In Großbritannien wird dem Schweden angekreidet, in den fast zwei Monaten seit dem fatalen Ölunfall im Golf von Mexiko öffentlich kaum in Erscheinung getreten zu sein. Im Fall eines Rücktritts von Hayward müsste bei BP deshalb ein geschwächter Chairman das Heft des Handelns in die Hand nehmen und die Suche nach einem Nachfolger leiten.

Analysten sehen die passive Rolle Svanbergs zunehmend kritisch: "Der Markt erwartet, dass der Verwaltungsrat sein Vertrauen in das Management bekräftigt", kommentiert Theepan Jothilingam von Morgan Stanley. "Svanberg zieht den Kopf ein, während sein Vorstandschef in der Schusslinie steht", kritisiert auch das einflussreiche Wirtschaftsblatt "Financial Times". Der 58 Jahre alte frühere Vorstandschef des Telekommunikationskonzerns Ericsson hat seit dem Unglück praktisch keine Interviews gegeben. Nach Angaben von Hayward hat Svanberg "zwei längere Besuche" in der von der Ölpest betroffenen Region absolviert. In London wird nun spekuliert, dass BP möglicherweise Svanberg fallenlassen werde, um den Kopf von Hayward zu retten.

Ob diese Rechnung aufgehen würde, ist allerdings fraglich, weil der in den amerikanischen Medien omnipräsente Brite von der amerikanischen Regierung zunehmend persönlich angegriffen wird. Der 53 Jahre alte Hayward, der BP seit 2007 führt, hat mit seinen öffentlichen Äußerungen in den Vereinigten Staaten mehrfach für Wellen der Empörung gesorgt.

In Interviews versuchte er lange, die Umweltschäden herunterzuspielen, und erweckt zudem den Eindruck, Kritik pralle an ihm ab. "Ich habe ein paar böse Worte zu hören bekommen, aber ich bin Brite", sagte Hayward noch vergangenen Freitag in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Die Antwort kam postwendend: "Er würde nach jeder dieser Bemerkungen nicht mehr für mich arbeiten", sagte Obama diese Woche.

Für BP wird es deshalb immer schwieriger, Hayward im Amt zu halten. Als möglicher interner Nachfolger ist zuletzt vor allem Vorstandsmitglied Robert Dudley in den Vordergrund gerückt. Der Amerikaner soll eine neue Unternehmenseinheit leiten, die BP zur Bekämpfung der Ölpest und ihrer Folgen schaffen will. Dudley hat für den Ölriesen unter anderem in Russland und im Nahen Osten gearbeitet. Allerdings ist fraglich, ob er als langjähriges Mitglied im BP-Führungszirkel für einen überzeugenden personellen Neuanfang in dem krisengeschüttelten Konzern stehen könnte.

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Jahrgang 1972, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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