Die in den vergangenen Wochen stark gesunkenen Ölpreise erleichtern es der Europäischen Union, wie geplant zum 1. Juli den stufenweisen Importstopp für iranisches Rohöl umzusetzen. „Der Ölmarkt ist nicht mehr so angespannt“, sagt Olivier Jakob vom Analysehaus Petromatrix. „Bei der Suche nach alternativen Öllieferanten profitiert die EU von den gesunkenen Ölpreisen. Derweil wächst der Druck auf Iran, weil die Ölexporte und damit auch die Einnahmen sinken.“
Wegen des Atomstreits zwischen Iran und dem Westen gibt es nicht nur Sanktionen durch die Vereinigten Staaten, auch die EU will mittels des Importstopps für das ölreiche Land den Druck auf die Regierung in Teheran erhöhen. Dabei hatten die Iran-Krise sowie eine steigende Ölnachfrage im Frühjahr des Jahres Rohöl erheblich verteuert. Seit Anfang März haben die Ölpreise aber um rund 30 Prozent nachgegeben. Die Iran-Krise führte nicht zu den befürchteten Lieferausfällen am Ölmarkt. Auch beschleunigten verschlechterte Konjunkturaussichten sowie die Schuldenkrise den Preisrückgang, weil mit einer sinkenden Ölnachfrage zu rechnen ist. Der größte Opec-Anbieter, Saudi-Arabien, erhöhte zudem seine Ölförderung.
Vom kommenden Sonntag an ist es nicht mehr möglich für Iran, sein Rohöl in die EU einzuführen. Lieferverträge, die vor dem 23. Januar abgeschlossen waren, konnten zuletzt noch erfüllt werden. Vor dem EU-Embargo lieferte Iran etwa 18 Prozent seines täglichen Ölexports in Höhe von 2,5 Millionen Barrel (je 159 Liter) nach Europa. Länder wie Italien, Spanien und Griechenland waren stets besonders auf Öl aus Iran angewiesen. Deutschland hingegen deckte nur ein Prozent der Nachfrage mit iranischem Öl. Die Regierung des hochverschuldeten Griechenland äußerte Bedenken gegen das Ölembargo und wollte Ausnahmen durchsetzen. Doch die EU wird nun wie geplant den Importstopp in Kraft treten lassen.
Mit Blick auf den iranischen Ölexport scheint das Embargo durch die EU Wirkung zu zeigen: Nach Angaben der Internationalen Energie Agentur (IEA), welche die wichtigsten Ölverbrauchsländer vertritt, ist der iranische Ölexport seit Ende 2011 um eine Million auf 1,5 Millionen Barrel täglich gesunken. Da Iran zur Finanzierung seines Staatshaushalt auf den Ölexport angewiesen ist, versucht das Land weiterhin seine Kunden in Asien zu beliefern. Besonders China und Indien haben ein großes Interesse an Irans Öl.
Doch das EU-Embargo wirkt auch auf Versicherungsgesellschaften in der EU, die Öltanker mit iranischem Öl gegen Verluste absichern. Fehlen diese Versicherungen, wird es für Iran zunehmend schwerer, sein Öl nach Asien zu exportieren. Zwar gibt es Alternativen zu den Versicherungen aus Europa. Doch wegen der fehlenden Versicherungen wird Südkorea zum 1. Juli seine Ölimporte aus Iran einstellen. Damit ist Südkorea das erste Land aus Asien, das einen Einfuhrstopp angekündigt hat. Südkorea hat einen großen Teil der iranischen Öleinfuhren durch Lieferungen aus Ländern wie Irak, Kuweit, Qatar und den Vereinigten Arabischen Emiraten ersetzt.
Indien will sich hingegen Öllieferungen durch Iran versichern lassen. Indien hat zudem eine Ausnahmegenehmigung der Vereinigten Staaten, um trotz der Sanktionen durch die EU und Amerika weiterhin iranisches Öl zu erhalten. Auch Japan bezieht den Rohstoff noch aus Iran, und die japanische Regierung übernimmt Garantien für die Tanker-Versicherungen.
Ölmarkt Sinkende Preise erleichtern EU-Sanktionen gegen Iran
faribors Maleknasri (fariborsm)
- 28.06.2012, 13:06 Uhr
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung hält die
Sanktionen für wenig wirksam
Marion Dilki (Dilk)
- 27.06.2012, 17:53 Uhr