http://www.faz.net/-gqe-73rp6

Ölindustrie : BP-Rosneft-Deal offenbar vor dem Abschluss

  • Aktualisiert am

Die Übernahme von TNK-BP kommt voran Bild: dpa

Russlands Präsident Putin kommt in Sachen Rückverstaatlichung der Ölindustrie voran: Über den angedachten Milliardendeal zwischen dem Staatsunternehmen Rosneft und dem Joint-Venture TNK-BP könnte schon Anfang der Woche entschieden werden.

          Der russische Staatskonzern Rosneft könnte unter dem Einfluss von Präsident Wladimir Putin schon Anfang der Woche seinen Aufstieg zum weltgrößten Ölproduzenten ebnen. Ein Abschluss von Rosnefts Verhandlungen über den Kauf des 25-Milliarden-Dollar-Anteils des britischen Ölmultis BP an Russlands drittgrößter Ölfirma TNK-BP sei schon am Montag oder Dienstag möglich, sagten Insider am Wochenende.

          Damit käme Putin einen großen Schritt bei seinen Plänen voran, die staatliche Kontrolle über weite Teile der Industrie zurückzugewinnen. Viele Branchen waren nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den 1990er Jahren hastig privatisiert worden. Rosneft hat auch ein Angebot für die andere Hälfte von TNK-BP vorgelegt, die im Besitz von vier russischen Milliardären ist. Sollten auch diese ihre Beteiligung verkaufen - wonach es derzeit aussieht - würde Rosneft mehr als die Hälfte der zunehmend verstaatlichten Ölproduktion in Russland kontrollieren und mehr Öl und Gas fördern als der amerikanische Weltmarktführer Exxon Mobil.

          BP wird wohl dem Vorhaben zustimmen

          Das komplizierte Geschäft mit BP soll den Kreisen zufolge in zwei Schritten ablaufen. Letztlich soll BP zehn bis 13 Milliarden Dollar in bar erhalten und einen Aktien-Anteil an Rosneft von 16 bis 20 Prozent mit einem Wert von 12 bis 15 Milliarden Dollar. Einem Zeitungsbericht zufolge wird BP dem Vorhaben zustimmen. Damit würden die Briten zwar weniger Öl in dem rohstoffreichen Land fördern, könnte sich aber bei künftigen Projekten auf engere Verbindungen zu Rosneft und dessen Chef, dem einflussreichen Putin-Vertrauten Igor Setschin, stützen. Putin selbst hatte sich im September mit den Spitzen von BP und Rosneft zu Gesprächen über das Thema getroffen.

          Zudem könnte BP die von heftigen Streitereien geprägte Allianz mit den Oligarchen zu den Akten legen. Dabei ging es um lukrative Förderquellen in der Arktis, wo Experten ein Fünftel der weltweit noch unentdeckten Ölvorkommen vermuten. BP wollte bei der Erschließung von Feldern in der Region mit Rosneft zusammenarbeiten. Das Oligarchen-Konsortium AAR aber bestand darauf, dass nicht BP selbst, sondern TNK-BP dort mit Rosneft Öl fördert. Auch die Vorliebe der russischen Regierung, größere Ölfelder an staatseigene Betriebe zu vergeben, schränkte den Aktionsradius von TNK-BP deutlich ein. Finanziell hätte sich die TNK-BP -Investition für BP aber wohl gelohnt: Das Unternehmen war 2003 gegründet worden, BP hatte der Anteil damals sieben Milliarden Dollar gekostet.

          Rosnefts steiler Aufstieg begann Mitte des vergangenen Jahrzehnts, als der Konzern den Großteil des Ölkonzerns Yukos von Putin-Kritiker Michail Chodorkowski übernahm. Chordorkowski wurde in spektakulären Prozessen wegen Steuerhinterziehung, Unterschlagung und Geldwäsche zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt, Yukos musste in die Insolvenz und wurde zerschlagen. Chordokowski gehörte zu einer kleinen Gruppe russischer Unternehmer, die in den Zeiten der Privatisierung durch den günstigen Erwerb von Staatsbetrieben reich wurden. Er bezeichnet das Vorgehen gegen ihn als politisch motiviert und vermutet das Präsidialamt im Kreml als Drahtzieher dahinter. Dort assistierte Setschin damals Putin als Vizestabschef.

          Quelle: Reuters

          Weitere Themen

          Russland rechnet mit Merkel

          Bundestagswahl : Russland rechnet mit Merkel

          In Moskau wird über die Bundestagswahl in viel milderem Ton gesprochen, als über die Präsidentenwahlen in Amerika und Frankreich. Man will Berlin schließlich wieder als Partner gewinnen.

          Topmeldungen

          Merkels Nachfolge : Wer ist kanzlertauglich in der CDU?

          Seit zwölf Jahren regiert Angela Merkel als Bundeskanzlerin, noch länger herrscht sie als Parteivorsitzende über die CDU. Wer könnte in der Partei ihr Erbe antreten? FAZ.NET stellt vier mögliche Nachfolger vor.

          FAZ.NET-Orakel : AfD bei mehr als 13 Prozent

          Einen Tag vor der Wahl ist die AfD auf dem FAZ.NET-Orakel klar drittstärkste Kraft. Die nächste Kanzlerin steht aus Sicht der Händler zwar fest. Doch für die nächste Koalition gilt das keinesfalls.

          Wie wählt der Wähler? : Am Ende ist alles reine Taktik

          Das Ergebnis der Bundestagswahl könnte anders aussehen als erwartet – weil viele Wähler auf den letzten Metern taktisch wählen. Welche Koalition sie sich wünschen und für wahrscheinlich halten, könnte den Ausschlag geben. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.