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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Ökonomen-Vorschlag Fünf Euro Praxisgebühr bei jedem Arztbesuch

 ·  Gesundheitsminister Bahr will die im Jahr 2004 eingeführte Praxisgebühr von 10 Euro je Quartal wieder abschaffen. Der Konstanzer Gesundheitsökonom Friedrich Breyer hat eine andere Idee: „Fünf Euro bei jedem Arztbesuch“, heißt seine Formel.

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Die Wirkung der Moralkeule und die politische Macht der Ärztelobby hat er selbst erlebt: Als der Konstanzer Gesundheitsökonom Friedrich Breyer (61) vor einigen Jahren in einem Beitrag des Fernsehmagazins „Panorama“ vorschlug, Menschen über 75 Jahren in Zukunft nicht mehr sämtliche medizinische Leistungen über die gesetzlichen Krankenkassen zu finanzieren, war der Aufschrei groß. „Rationierung“ wurde zum Unwort erklärt; der damalige Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe warf Breyer gar vor, er plädiere für „Euthanasie unter anderen Vorzeichen“.

Breyer hatte ein Tabu verletzt und die für die Ärztelobby wenig schmeichelhafte Wahrheit ausgesprochen, dass bei festen Budgets, aber immer mehr medizinischen Möglichkeiten jetzt schon rationiert werde: intransparent, nach Belieben des Arztes. Wenn schon, so Breyer, dann sollen lieber die Patienten entscheiden.

Seit Jahren kämpft Breyer dafür, dass im Gesundheitswesen die ökonomische Betrachtung nicht völlig unter die Räder kommt: Ärzte und Politiker haben daran wenig Interesse. Zur Verstärkung gründete Breyer 2009 mit Kollegen die Deutsche Gesellschaft für Gesundheitsökonomie. Als deren Vorsitzender hat er sich jetzt mit Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) angelegt.

Bahr, ein Populist, seit er Gesundheitsminister ist, will die im Jahr 2004 eingeführte, unbeliebte Praxisgebühr von 10 Euro je Quartal, weil misslungen, wieder abschaffen. Breyer bestreitet nicht, dass die Praxisgebühr keine steuernde Wirkung entfaltet: „Warum sollte der erste Arztbesuch im Quartal medizinische weniger notwendig sein als alle weiteren?“ Die Konsequenz daraus ist aber für Breyer nicht die Abschaffung, sondern die Reform der Zuzahlung: „Fünf Euro bei jedem Arztbesuch“, heißt Breyers Formel. Da die Deutschen mit durchschnittlich 17 Arztbesuchen im Jahr weltweit eine Spitzenposition einnehmen (und auf 16 Prozent der Versicherten 50 Prozent aller Arztkontakte entfallen), wäre es den Versuch wert, die Patienten durch eine Zuzahlung an den Kosten zu beteiligen, meint Breyer.

Breyer kennt den erwartbaren Einwand, dass eine Zuzahlung sozial ungerecht sei, weil Arme wie Reiche unterschiedslos fünf Euro zahlen, und dass sie womöglich Fehlanreize brächte, weil Krankheiten verschleppt und verteuert würden. Er kontert mit den Fakten: Die Summe der Zuzahlungen, die ein Versicherter im Jahr leisten muss, ist bei maximal zwei Prozent des Einkommens gedeckelt, für chronisch Kranke bei einem Prozent.

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Jahrgang 1953, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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