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Studie : OECD fordert schärfere Steuerprüfung für Superreiche

Luxus-Yacht des Milliardärs Roman Abramovich im Mittelmeer Bild: dpa

Nur ein Drittel aller Länder habe spezielle Abteilungen, um zu prüfen, ob Millionäre und Milliardäre angemessen ihre Steuern zahlen. Die OECD sieht hier Nachholbedarf.

          Die meisten Staaten der Welt sollten schärfer prüfen, ob die Reichen und Superreichen ausreichend Steuern zahlen. Zu dieser Empfehlung kommt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrer neuen Studie „Tax Administration 2015“. Die in Paris ansässige Organisation hat darin die Steuerverwaltungen von 56 Ländern der Erde auf ihre Effizienz und Struktur hin verglichen. Als ein Manko empfindet sie, dass es in vielen Ländern keine speziellen Abteilungen in den Steuerbehörden gibt, die vorrangig auf sehr reiche Bürger ein Auge werfen, deren Steuerangelegenheiten oft sehr komplex seien.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Nur ein Drittel der untersuchten Staaten habe Steuer-Sondereinheiten für „High Net Worth Individuals“ (HNWI), wie die Superreichen im Technokraten-Jargon genannt werden, moniert die OECD. „Während es einige Anzeichen für eine erhöhte Aufmerksamkeit für dieses Segment gibt, sind doch nur relativ wenige spezielle Einheiten zur Überwachung der Steuerangelegenheiten der HNWI gegründet worden“, kritisieren die Experten. Dies sei „erstaunlich“ angesichts des „sehr signifikanten Wachstums“ der geschätzten Zahlen und des Reichtums diese Steuerzahler.

          OECD plädiert für Spezialisten-Teams in den Finanzämtern

          Schon vor gut fünf Jahren hat die OECD zur Schaffung spezieller Teams in den Finanzämtern für die Superreichen aufgerufen. Nennenswerte Sondereinheiten haben nach ihren Angaben inzwischen Australien, die Vereinigten Staaten und Großbritannien, aber auch Griechenland und Indonesien. In Griechenland habe ein Steuersonderteam von 125 Mitarbeitern 2013 bei 454 „komplizierten Aktionen“ rund 73 Millionen Euro eingetrieben. In Australien kamen 300 Steuerbeamte auf rund 1,1 Milliarden Dollar von Superreichen, in Großbritannien trieben 375 Steuerbeamte in einer Sondereinheit 222 Millionen Pfund ein.

          Die Zahl der Superreichen steigt in fast allen Ländern der entwickelten Welt sowie in den Schwellenländern deutlich. Die OECD verweist auf die aktuelle Studie „World Wealth Report“ der Beratungsfirma Capgemini und von RBC Wealth Management. Laut dieser Studie stieg die Zahl der Reichen, die ein Investitionsvermögen von mehr als einer Million Dollar ihr eigen nennen, im Jahr 2013 um 15 Prozent oder 2 Millionen Personen auf der ganzen Welt. Ihr Vermögen stieg um fast 14 Prozent auf rund 53 Billionen Dollar. Dieses Vermögen entspricht fast der Wirtschaftsleistung der gesamten Welt in einem ganzen Jahr.

          Am meisten Millionäre leben in Amerika, Europa und Asien. In den Vereinigten Staaten gab es laut der Gapgemini-Studie im Jahr 2013 mehr als 4 Millionen Personen mit einem Millionen-Vermögen, in Japan gab es 2,3 Millionen, in Deutschland 1,1 Millionen,  in China 760.000, in Großbritannien 530.000, in Frankreich 470.000, in der Schweiz 330.000 und in Kanada 320.000 Millionäre. In Australien, Italien, Südkorea, den Niederlanden, Brasilien, Spanien, Russland, Indien und Saudi-Arabien gibt es jeweils zwischen 200.000 und 150.000 Personen, die mindestens eine Millionen Dollar frei verfügbar für Investitionen haben.

          Innerhalb von fünf Jahren sei das Vermögen der Reichen und Superreichen der Welt um 20 Billionen gestiegen, heißt es im  Weltvermögensbericht. Bis 2016 könnte das Vermögen der Reichen auf 64 Billionen Dollar steigen. Unter ihnen gebe es zudem 128.000 Ultra-Reiche mit mehr als 30 Millionen Dollar Investitionsvermögen. Auf diese kleine Gruppe der Superreichen entfalle ein Drittel der 53 Billionen Dollar. Angesichts der Summen an potentieller Steuereinnahmen und der Komplexität solcher Steuerfälle empfiehlt die OECD die Einrichtung spezieller Einheiten in den Finanzämtern, um Steuerhinterziehung „zu erkennen und davon abzuschrecken“.

          Insgesamt bescheinigt die OECD den untersuchten Staaten Fortschritte bei der Steuererhebung. Viele Länder hätten ihre Steuerbehörden umorganisiert und effizienter gemacht, etwa durch Investitionen in digitale Dienste, eine bessere Vernetzung und eine wirksamere Steuereintreibung. Auch das Management von sehr großen gewerblichen Steuerpflichtigen sei besser geworden. Zur Bearbeitung der Steuererklärungen großer Konzerne hätten nun 85 Prozent der Staaten eigene Einheiten in ihren Steuerämtern geschaffen.

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