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Nutzfahrzeuge Widerstand der Scania-Aktionäre

18.09.2006 ·  So hatte sich das MAN nicht vorgestellt: 9,6 Milliarden Euro wollten die Münchner für die Übernahme des Konkurrenten Scania zahlen. Nicht nur den Schweden ist das anscheinend zu wenig: Inzwischen hat auch Großaktionär Volkswagen das Angebot abgelehnt.

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Nach Scania und dem Scania-Großaktionär Investor hat nun auch Volkswagen als Großaktionär das MAN-
Übernahmeangebot für Scania abgelehnt. Eine Annahme des Angebots entspräche nicht dem „industriellen Interesse“ des Konzerns, teilte VW an diesem Montag zur Begründung mit. Volkswagen hält an Scania 18,7
Prozent des Kapitals und 34 Prozent der Stimmrechte.

Scania teilte am Montag mit, der Vorstand habe das Angebot sorgfältig geprüft und daraufhin in einer Sitzung am gestrigen Sonntag einhellig beschlossen, die Offerte von MAN nicht zu unterstützen. Scania habe MAN danach sofort in Kenntnis gesetzt. Investor teilte mit, das Angebot spiegele nicht den vollen Wert und das Potential von Scania wider. MAN hatte über Nacht mitgeteilt, 9,6 Milliarden Euro für seinen Konkurrenten zu bieten.

Auf die Ablehnung der milliardenschweren Offerte aus seiner schwedischen Heimat reagierte MAN-Chef Hakan Samuelsson am Montag zunächst betont gelassen. „Wir glauben, das ist ein gutes Angebot“, sagte der er bei einer Pressekonferenz in Stockholm, man werde weiter im Gespräch bleiben mit den Scania-Aktionären. Branchenbeobachter halten es nun zwar für möglich, daß MAN die Offerte noch einmal
nachbessern muß, fürchten aber noch keine langwierige und Kräfte zehrende Übernahmeschlacht.

Das Ziel: Europas Nummer eins

Der Münchner MAN-Konzern wollte mit der Übernahme seines schwedischen Konkurrenten an die Spitze der europäischen Nutzfahrzeughersteller vorrücken und weltweit zur Nummer drei werden. MAN bietet je Scania-Aktie 0,151 neue MAN-Stammaktien sowie 38,35 Euro in bar, wie das Unternehmen in der Nacht zum Montag mitteilte. Finanzieren wollte MAN die Übernahme der Schweden aus der Firmenkasse, über Kredite sowie über eine Kapitalerhöhung.

Der Münchner Konzern will sich nicht von Firmenteilen trennen, um die Übernahme des schwedischen Konkurrenten zu finanzieren. „Im Refinanzierungsplan sind keine Verkäufe vorgesehen“, sagte MAN-Finanzvorstand Karlheinz Hornung am Montag auf einer Pressekonferenz in Stockholm.

Nur Stimmrechte von Renault gesichert

Das Angebot stehe unter dem Vorbehalt, daß die Kartellbehörden zustimmten, so der Konzern. Zudem müsse eine Annahmequote von 90 Prozent sowohl bei Aktienkapital als auch Stimmrechten erreicht werden. Sie das erfüllt, rechne MAN mit dem Abschluß der Transaktion bis Ende 2006.

Dieser Zeitplan könnte nun ins Wanken geraten. Der Standpunkt der beiden Scania-Großaktionäre Volkswagen und Wallenberg war zunächst unklar geblieben. MAN hatte lediglich mitgeteilt, sich die 5,18 Prozent der Scania-Stimmrechte des französischen Autobauers Renault gesichert zu haben. Volkswagen verfügt über 34 Prozent der Stimmrechte, die Familie Wallenberg über die Holdinggesellschaft Investor sowie eine Familienstiftung insgesamt über 29 Prozent.

Synergien von 500 Millionen Euro jährlich

„Scania und MAN sind zwei sehr ertragsstarke Unternehmen, die industriell hervorragend zusammen passen. Beide Unternehmen verbindet eine gleichartige Unternehmenskultur und Engineering-Tradition“, erklärte MAN-Chef Hakan Samuelsson.

MAN erwartete aus dem geplanten Zusammengehen Synergien von 500 Millionen Euro jährlich, erstmals voll effektiv im dritten Jahr der Übernahme. Dem gegenüber stünden insgesamt 150 Millionen Euro an Integrationskosten. Bereits im ersten Jahr des Zusammenschlusses rechnete MAN mit einer Steigerung des Gewinns.

„Richtige Transaktion zum richtigen Zeitpunkt“

Mit der Scania-Übernahme wollte der Schwede Samuelsson den erwarteten Konsolidierungsprozeß in der Nutzfahrzeugbranche früher einleiten als erwartet. Analysten waren davon ausgegangen, daß Zukäufe erst bei abklingender Nutzfahrzeugkonjunktur Thema würden.

Der Boom hält jedoch weiter an. „Wir sind überzeugt, daß dies die richtige Transaktion zum richtigen Zeitpunkt ist“, sagte Samuelsson, ein früherer Scania-Manager. Bei einem Zusammenschluß würde ein Konzern mit einem Jahresumsatz von 18,5 Milliarden Euro, einem operativen Gewinn von 1,4 Milliarden Euro und 80.000 Mitarbeitern entstehen. Hauptsitz soll München sein. Standortschließungen seien nicht zu erwarten, teilte MAN mit. Die Marken MAN und Scania sollen beide erhalten bleiben.

Quelle: FAZ.NET mit Material der Agenturen
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