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Nutzfahrzeuge : Gewinn von MAN bricht ein

Gemeinsame Probleme: Die VW-Schwestern MAN und Scania schwächeln. Bild: dpa

Der Lastwagenhersteller MAN ist wegen schwacher Nachfrage und einer Abschreibung in China im zweiten Quartal in die roten Zahlen gefahren. Die Nutzfahrzeugindustrie gilt als wichtiger Konjunkturindikator.

          Die Einschläge einer konjunkturellen Krise in Europa kommen immer näher. Die MAN SE hat am Mittwochabend nach Börsenschluss über einen unerwartet starken Gewinneinbruch im zweiten Quartal berichtet und daher die Erwartung für das Gesamtjahr deutlich nach unten korrigiert. Damit folgt der Münchner Nutzfahrzeug- und Bushersteller, der mittlerweile zu deutlich mehr als 75 Prozent dem Volkswagen-Konzern gehört, seinen Wettbewerbern aus Schweden, die bereits düstere Zahlen für den bisherigen Geschäftsverlauf 2012 veröffentlicht hatten. Die Nutzfahrzeugindustrie gilt als wichtiger Konjunkturindikator, da sie in erster Linie Speditionen und Logistikunternehmen beliefert. Die transportieren Waren, die offenbar immer weniger nachgefragt werden.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Der Dax-Konzern MAN teilte mit, dass sich das operative Ergebnis in den ersten sechs Monaten um 38 Prozent auf 471 Millionen Euro abgeschwächt hat, wobei der Umsatz nur um 3 Prozent auf 7,7 Milliarden Euro zurückging. Allerdings beschleunigt sich der Trend: Nach einem Rückgang von 22 Prozent im ersten Quartal halbierte sich das Betriebsergebnis zwischen April und Juni. MAN hat als Konsequenz seine Prognose für den Gewinn deutlich nach unten korrigiert. Danach soll die Umsatzrendite bezogen auf das operative Ergebnis nur noch 6 Prozent erreichen. Anfang Mai hatte das Unternehmen noch die Erwartung eines leicht gegenüber 2011 (9 Prozent) sinkenden Wertes von 8,5 Prozent gesprochen. Weiterhin gilt aber die Aussage, dass der Umsatz „leicht rückläufig“ sein solle; im Nutzfahrzeuggeschäft um bis zu 5 Prozent.

          In absoluten Zahlen ausgedrückt, könnte das operative Jahresergebnis unter diesen Voraussetzungen um rund 35 Prozent auf schätzungsweise 950 Millionen Euro absacken. Diese Zielsetzung dürfte jedoch angesichts des beschleunigten Abstiegs im zweiten Quartal schwierig zu erreichen sein. So scheint auch MAN derweil selbst nicht fest überzeugt zu sein: „Dabei wird vorausgesetzt, dass sich die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht weiter verschlechtern“, heißt es in der Presseinformation.

          Allein die Nutzfahrzeugsparte MAN Truck & Bus musste im Ergebnis einen Aderlass von 56 Prozent auf 211 Millionen Euro im Halbjahr hinnehmen. Darin machen sich nicht nur hoher Preis- und Margendruck sowie steigende Kosten bemerkbar. Auch hat sich seit längerem schon der Produkt- und Ländermix zu ungunsten der Umsatzrendite verändert. Eine Sonderbelastung wird zu der ohnehin schwachen operativen Entwicklung hinzu kommen: Denn MAN muss seine Beteiligung von einem Viertel an dem börsennotierten chinesischen Lastwagen-Hersteller Sinotruk um 190 Millionen Euro abschreiben.

          Eigentlich veröffentlicht MAN seine Zahlen erst am nächsten Dienstag. Nicht nur wegen der schlechten Entwicklung kam es zur vorgezogenen Bekanntgabe, sondern auch wegen der an diesem Donnerstag anstehenden Quartalszahlen des Haupteigentümers VW. Die enttäuschende Entwicklung könnte nun dem Bestreben des größten europäischen Autokonzerns Vorschub leisten, die geplante Zusammenführung von MAN und Scania nun schneller voranzutreiben.

          Schon in den vergangenen Tagen hat es düstere Vorboten aus der Nutzfahrzeugbranche gegeben. Scania, an der ebenfalls der VW-Konzern mit 72 Prozent Stimmenmehrheit das Sagen hat und die eng mit MAN verbunden werden soll, meldete vergangene Woche einen Einbruch im Nettoergebnis von 34 Prozent im ersten Halbjahr und sogar von 42 Prozent auf 227 Millionen Euro im zweiten Quartal. Die Schweden berichteten über einen Verkaufsrückgang von einem Fünftel im Halbjahr. Die Aufträge brachen um 16 Prozent ein. Scania spürt die schwierige Lage in Europa besonders stark, weil fast die Hälfte der Fahrzeuge dort verkaufen.

          Der schwedische Hersteller Volvo meldete für das zweite Quartal einen Rückgang im Nettogewinn von fast 6 Prozent, obwohl der Umsatz gar um 6 Prozent gestiegen war. Der schwedische Konkurrent spürt wie MAN die Absatzprobleme im wichtigen brasilianischen Markt aufgrund der Einführung der neuen Euro-V-Abgasnorm.

          Die bei MAN dominierende Nutzfahrzeugsparte Truck & Bus (drei Viertel des Umsatzes) verzeichnete insgesamt einen Umsatzrückgang von 5 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro, während das Diesel- und Turbogeschäft um 3 Prozent auf 2 Milliarden Euro zulegte. Besonders stark merkt das Unternehmen auch die Probleme in den mittel- und südeuropäischen Ländern, wo die Auftragseingänge spürbar gesunken sind. MAN Latin America verbuchte gar ein Minus von 22 Prozent in den Bestellungen. Nur teilweise konnte das durch Zuwächse in Russland und anderen außereuropäischen Regionen aufgefangen werden, weshalb der Bestelleingang im zweiten Quartal um 9 Prozent auf 4 Milliarden Euro sank.
           

          Quelle: F.A.Z.

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