05.10.2005 · Die Konzernmutter Electrolux erwägt die Schließung des AEG-Standorts Nürnberg. Dort legt seit der Frühschicht ein Warnstreik die Produktion der Hausgeräte lahm - ein Kampf um 1750 bedrohte Arbeitsplätze.
Mit einem Warnstreik haben AEG-Beschäftigte am frühen Mittwoch morgen das von Schließung bedrohte Hausgeräte-Werk in Nürnberg lahmgelegt. Mehrere 100 Arbeiter der Frühschicht versammelten sich zu einer Kundgebung vor den Werkstoren. Electrolux will die Fertigung von Waschmaschinen und Geschirrspülern aus Kostengründen nach Polen verlagern.
Der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, drohte dem schwedischen Mutterkonzern Electrolux mit harter Gegenwehr im Fall einer Schließung, von der 1750 Beschäftigte betroffen wären. „Wir werden einen Käuferboykott der Electrolux-Produkte anzetteln“, sagte er. Huber sicherte den Beschäftigten die Solidarität der IG Metall zu. „Von Nürnberg wird ein Signal in die gesamte Republik ausgehen“, sagte er. „Die Arbeitnehmer lassen sich nicht wie Opferlämmer zur Schlachtbank führen.“
Jürgen Wechsler von der IG Metall Nürnberg kündigte eine Auseinandersetzung an, „wie wir sie noch nicht erlebt haben“. „Electrolux muß sich dann warm anziehen. Wir werden den Betrieb nicht besenrein übergeben.“ Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) forderte den schwedischen Konzern zu Verhandlungen auf. „Wer für eine Schließung stimmt, trifft eine wirtschaftliche Fehlentscheidung“, sagte er.
Mit der Frühschicht solle das Werk komplett abgeriegelt und damit auch die Deutschlandzentrale des schwedischen Mutterkonzerns Electrolux lahmgelegt werden, sagte der Betriebsratsvorsitzende Harald Dix am Tag zuvor in Nürnberg. Von dem Ausstand sind neben der Produktion auch 900 Mitarbeiter in der Auslieferung, der Ersatzteilbestellung und dem Kundendienst betroffen.
Entscheidung am 24. Oktober erwartet
„Wenn das Werk steht, ist Electrolux in ganz Deutschland und in manchen Bereichen auch in ganz Europa handlungsunfähig“, sagte Dix. Mit der Blockade wolle man ein Signal geben, daß bei einer Schließung des Werks das Image aller Electrolux-Marken beschädigt werde.
Der schwedische Haushaltsgeräte-Konzern Electrolux zieht wegen des Preisverfalls für Haushaltsgeräte eine Schließung des Nürnberger Werks mit 1750 Beschäftigten in Betracht.
Die Entscheidung fällt frühestens am 24. Oktober. Dann beschäftigt sich der Electrolux-Aufsichtsrat mit Thema. Das Management prüft nach Angaben von Electrolux die Vorschläge der Arbeitnehmerseite für Kostensenkungen. Betriebsrat und IG Metall stützen sich dabei auf ein Gutachten des Info-Instituts in Saarbrücken, das unter anderem Einsparungen von 15 Millionen Euro im Jahr bei den Arbeits- und Fixkosten vorschlägt, damit das Nürnberger Werk profitabel wird. Der Betriebsrat und die IG Metall deuteten ihre Bereitschaft an, auf einen Teil von Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie der übertariflichen Leistungen zu verzichten. Im Gegenzug verlangen die Beschäftigten eine Garantie für die Produktion von Waschmaschinen und Geschirrspülern sowie für den Standort bis 2010.
Proteste in ganz Europa angedroht
In dem Nürnberger Werk werden Waschmaschinen, Geschirrspüler und Trockner der Marken Electrolux, AEG, Juno und Privileg hergestellt. Durch die 24-stündige Blockade bis Donnerstag morgen können nach Angaben der IG Metall rund 6000 Geräte nicht ausgeliefert werden. Der Generalsekretär des Europäischen Metall-Gewerkschaftsbundes, Peter Scherrer, drohte mit Protestaktionen in ganz Europa. Wenn Electrolux seinen Kurs der Stilllegung von Werken fortsetze, würden europaweit alle Fabriken in den Ausstand treten, sagte er.
Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) forderte Belegschaft und Konzernführung zu Kompromißbereitschaft auf und bot an, sich selbst in Gespräche einzuschalten. „Ich würde es begrüßen, wenn eine Lösung gefunden werden könnte, von der sowohl der Standort als auch die Mitarbeiter und das Unternehmen profitieren könnten. Dafür sind eine kooperative Haltung und Zugeständnisse auf beiden Seiten erforderlich“, sagte er. Die Arbeitnehmerseite habe mit Vorschlägen für Einsparungen bereits ein ermutigendes Zeichen gesetzt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2605 | +0,24% |
| Rohöl Brent Crude | 107,48 $ | +0,59% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
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