19.01.2013 · Aggressive Geldpolitik und Milliarden-Konjunkturprogramme: Mit harten Maßnahmen will Japans Ministerpräsident die Wirtschaftskrise seines Landes überwinden. Millionen junge Japaner müssen später die Rechnung bezahlen. Ihnen dürfte das Lachen vergehen.
Von Carsten Germis, TokioRichtlinien für Lesermeinungen
Die FAZ.NET-Redaktion bietet allen registrierten und eingeloggten Nutzern die Möglichkeit, sich mit den aktuellen Beiträgen auf FAZ.NET konstruktiv und kritisch auseinanderzusetzen und eigene Leser-Kommentare zu veröffentlichen. Für jede Meinungsäußerung stehen 1000 Zeichen zur Verfügung. Voraussetzung für eine Veröffentlichung ist, dass die Verfasser und Verfasserinnen ihren wirklichen Namen nennen, d.h. in ihrer FAZ.NET-Registrierung den korrekten Vor- und Nachnamen eingetragen haben. Im Falle der Veröffentlichung des Leser-Kommentars weisen wir am Beitrag sowohl den Klarnamen als auch den Nickname des Lesers aus. Unter Pseudonym oder anonym verfasste Texte können nicht berücksichtigt werden.
Veröffentlicht werden nur Beiträge, die auf den jeweiligen Artikel und sein Thema seriös und sachbezogen eingehen. Links- und rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende, verleumderische sowie ruf- und geschäftsschädigende Inhalte können nicht berücksichtigt werden, ebenso wenig sachlich falsche oder in angemessener Zeit nicht nachprüfbare Behauptungen. Links sind in den Leser-Kommentaren von FAZ.NET nicht gestattet. Die Redaktion behält sich vor Leser-Kommentare zu kürzen oder zu modifizieren. Jeder verfasste Beitrag wird von der Redaktion geprüft und schnellstmöglich veröffentlicht, sofern er diesen Richtlinien für FAZ.NET-Lesermeinungen nicht zuwiderläuft. Nutzern, die wiederholt versuchen, den Richtlinien nicht entsprechende Beiträge zu veröffentlichen, kann die Registrierung entzogen werden.
Für veröffentlichte Meinungsbeiträge gewähren Sie uns das unentgeltliche, zeitlich und örtlich unbegrenzte und nicht ausschließliche Recht, diese Aussagen ganz oder teilweise zu nutzen, zu vervielfältigen, zu modifizieren, anzupassen, zu veröffentlichen, zu übersetzen, zu bearbeiten, zu verbreiten, aufzuführen und darzustellen, Dritten einfache Nutzungsrechte an diesen Aussagen einzuräumen sowie die Aussagen in andere Werke und/oder Medien zu übernehmen.
Wir möchten Sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass der gesamte Auftritt von FAZ.NET von verschiedenen Suchmaschinen intensiv ausgewertet wird und die Inhalte dort auch gelistet werden. Das schließt die Leser-Kommentare automatisch ein, so dass diese auch über FAZ.NET hinaus im Internet jederzeit recherchierbar sind.
Mir ist das Lachen schon lange vergangen.
Spätestens mit dem Beginn der Finanzkrise in Europa. Damals habe ich mich ernsthaft gefragt, wie es wohl Hierzulande weitergehen wird. Wie in Japan? Oder vielleicht doch die gefürchtete Hyperinflation? Was soll ich sagen? Nach wochenlanger Recherche in der Internetpresse, nach lesen von diversen Büchern und nach ausgiebiger Sichtung aller zu bekommenden Materialien ist mir klar geworden, dass uns das japanische Modell bevor steht. Japan hat KEIN Wettbewerbsproblem, auch KEIN Problem mit zu wenigen Arbeitskräften. Das sind Ammenmärchen, die erzählt werden, um vom Kern des Problems ab zu lenken: Es ist schlicht überschuldet und betreibt staatliche Insolvenzverschleppung. Genau das blüht auch uns. Wie konnte es dazu kommen? Eine solide Währung! Deckelung der Massenkaufkraft bei gleichzeitig exponentiell wachsender Kreditmenge. Irgendwann bleibt nur noch der Staat als omnisolventer Schuldner übrig. Genau das macht Japan und genau das machen auch wir!
In Japan gibt es im Gegensatz zu Deutschland noch einen Primat der Politik
Ich weiss nicht wie oft es schon gesagt wurde, aber Japan ist bei sich
selber verschuldet, die Schuldenquote also eine buchhalterische oder
Binnenverteilungsangelegenheit, kann zur Not über Steuern und
Inflation entschärft werden.
Mangel an Bildung oder Wettbewerbsfähigkeit? Gegenteil ist richtig.
Und wenn die Lohnhöhe der Jungen zu niedrig sein sollte, dann ist
eine Öffnung des Arbeitsmarktes, womöglich nach aussen,
sicherlich das letzte, was sie brauchen.
Und wieso sollte es für die jungen Japaner ein schlechtes
Geschäft sein, wenn sie später einen Teil der Rechnung der
Konjunkturprogramme bezahlen sollten?
@Herr K. Hammer, Sie haben ganz recht: "Da wird einem erstmal klar,
was wir mit der Bundesbank aufgegeben haben."
Das Geld bleibt schliesslich im Land in Japan, und wird nicht wie bei
der gekaperten EZB für die Rettung fremder Banken verwendet.
In Japan gibt es noch einen Primat der Politik, wohingegen diese in D
und EU längst zu einer Marionette der Finanzinstitute geworden ist.
Da wird einem erstmal klar, was wir mit der Bundesbank aufgegeben haben.
Wird jemals wieder eine deutsche Bank eine solche Stärke und
Reputation erwerben können?
Ich fürchte nein. Mit dem demographischen Niedergang wird
Deutschland auch seine Dynamik verlieren.
Man ersetze "Japan" durch "Europa",
... denn auch unsere Politiker drucken sich so gerne die Realität mit der Notenpresse schön. Nicht nur Krugman, auch Hollande und Konsorten werden vom japanischen Modell begeistert sein. Wobei die deutschen Freunde dann natürlich mithaften sollen. Dazu fällt mir spontan Heinrich Heines Bonmot: "Denk ich an Deutschland in der Nacht, ..." ein.
Systemisch haben wir es weltweit aufgrund der Niedrigzinspolitik mit einer gigantischen zurückgestauten Inflation zu tun, egal ob die von der Geldschöpfung des Finanzsektors, den Notenbanken oder durch weitere Staatsverschuldung gespeist wurde/wird. Man kann gespannt sein, wie diese historische Situation mal endet.
Herr Germis, ich verstehe nicht, wieso Sie schreiben
Japan müsste in Bildung investieren. Ein Land, in dem 95% eines Jahrgangs 12 Schuljahre durchläuft, in dem über 40% eines Jahrgangs ein Uni-Abschluß machen und weitere 20% ein College besuchen, in dem es keine 20% Schulabbrecher gibt, ein Land das seinen gut Ausgebildeten nicht die entsprechenden Arbeitsplätze anbieten kann. Da liegt nicht die Bildung im Argen, sondern die innere Wirtschaftsstruktur. Sie schreiben selbst, die Arbeitsmärkte müßten geöffnet werden, das ginge aber nur, wenn man die Macht der regionalen Monopole aufbricht, so z.B. des Großhandels und der Bauwirtschaft. Aber auch im Kleingewerbe wie z.B. Taxibetriebe wäre einiges zu ändern. Japan ist DAS Land der Monopole, es wird Wettbewerb verhindert. Die Wurzel dieser festen Strukturen ist die japanische Konsenskultur. Solange die existiert, wird sich nichts ändern, wird die aber überwunden, geht viel verloren. Ob man das wünschen sollte?
Carsten Germis Jahrgang 1959, Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.
Jüngste Beiträge
Gentests machen Aussagen über das Risiko künftiger Krankheiten. Wollen Sie Ihr Risiko kennen?
Sollen Ein- und Zwei-Cent-Münzen abgeschafft werden?
| Name | Wert | Änderung | |
|---|---|---|---|
| F.A.Z.-Index | -- | -- | |
| Dax | -- | -- | |
| Dow Jones | -- | -- | |
| Euro in Dollar | -- | -- | |
| F.A.Z.-Anleih… | -- | -- | |
| Gold | -- | -- | |
| Rohöl Brent | -- | -- | |
| Bund Future | -- | -- | |
Soll die Selbstanzeige für Steuerhinterzieher abgeschafft werden?