„Märkte sind verblüffend“, sagt Ben Bernanke, und sein Gesicht strahlt auf. „Wenn man Wirtschaft unterrichtet, ist es einer der aufregendsten Momente, die Idee der unsichtbaren Hand zu verstehen. Die Idee, dass Märkte so komplexe wirtschaftliche Ergebnisse hervorbringen ohne jegliche zentrale Planung.“ Bernanke, der Wirtschaftsprofessor und Vorsitzende der amerikanischen Zentralbank, ist in seinem Element. An die fünfzig Lehrer hat die Fed in ihr gewaltiges, 75 Jahre altes Hauptgebäude eingeladen. Mehrere Dutzend sind aus allen Teilen des Landes per Video zugeschaltet. In dem recht engen, aber meterhohen Raum tagt üblicherweise der Offenmarktausschuss der Fed unter einem gewaltigen Kronleuchter und vor einem riesigen Kamin. Jetzt stellt Bernanke sich Fragen der Lehrer, als Teil der Anstrengungen der Fed, das Verständnis für den Wert einer guten ökonomischen Ausbildung an den Schulen zu vertiefen.
Bernanke zitiert Milton Friedman, den Verfechter freier Märkte und Wirtschaftsnobelpreisträger, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. „Überlegen Sie, wie schwierig es ist, einen Bleistift auszuliefern. Denken Sie an all die Bestandteile, das Holz, das Gummi, das Metall, den Graphit, die Farbe, die Herstellung und die Auslieferung. Und man bekommt den Stift für einen Dollar oder was immer er kostet. Märkte können das“, sagt Bernanke. Er erklärt auch, dass Märkte versagen können, dass in der Finanzkrise Märkte im Verbund mit Regierungen versagt haben. „Es ist ebenso wichtig zu verstehen, dass Märkte versagen können, wie es wichtig ist zu verstehen, dass Märkte machtvoll sind und die meiste Zeit funktionieren“, sagt Bernanke. „Märkte sind eine wunderbare Sache.“
„Die Geldpolitik ist kein Allheilmittel“
Die Gegenwart der Krisenpolitik holt ihn mit den Fragen der Lehrer schnell wieder ein. „Wie soll ich meinen Schülern den Wert des Sparens beibringen, wenn die Zinsen so niedrig sind?“, fragt ein Lehrer aus Albany in Nord-Karolina. Bernanke unterstreicht, dass die Fed mit ihrem niedrigeren Leitzins die Wirtschaft stütze. Für Sparer und Investoren sei es essentiell, dass die Wirtschaft stark sei. Nebenbei aber gesteht er ein, dass man heute für Ausbildung oder Haus mehr sparen müsse als zuvor. Er betont, wie wichtig es sei, den Schülern den Unterschied zwischen Geld- und Fiskalpolitik klarzumachen. „Die Geldpolitik ist kein Allheilmittel“, greift er auf sein Mantra der vergangenen Monate zurück.
In einem Schnelldurchgang referiert Bernanke die Euro-Krise, die er oberflächlich mit der unter 17 Regierungen zersplitterten Haushaltspolitik im Euroraum und den Finanzierungsproblemen der Banken erklärt. Eine zentrale fiskalische Autorität würde Europa den Vereinigten Staaten mit ihrer starken Bundesregierung ähnlicher werden lassen. „Das würde wahrscheinlich viele ihrer Probleme lösen“, sagte Bernanke und unterstreicht, dass die europäische Krise auch auf Amerikas Wirtschaft laste.
Demographische Lage sei günstig
„Meiner Einschätzung nach wird es unseren Kindern besser gehen als uns“, wendet der Fed-Vorsitzende sich zum Schluss optimistisch gegen die um sich greifende These, dass die Jungen die erste Generation seien, denen es schlechter gehe als ihren Eltern. Der technologische Wandel mache nicht halt und werde die Produktivität steigern. Amerika sei gut aufgestellt, um davon zu profitieren. „Wir haben einige der besten Universitäten, die ihre Erfindungen gut vermarkten. Wir haben eine unternehmerische Kultur, flexible Kapital- und Arbeitsmärkte.“
Auch den Ängsten vor der Steuerlast einer alternden Bevölkerung tritt er entgegen. „Die gute Nachricht ist, dass unsere demographische Lage günstig ist im Vergleich zu anderen Staaten“, sagt Bernanke und verweist auf eine „gesunde Zuwanderung und die gesunde Geburtenrate“. Der Applaus der Lehrer ist ihm sichtlich unangenehm. Schüchtern reicht er zweien die Hand, um den Raum dann zügig durch die Hintertür zu verlassen. „Das war beeindruckend“, sagt einer der Pädagogen, als er aus der Zentralbank auf die Straße tritt.
Bernanke hat vergessen zu sagen....
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