09.08.2012 · Ben Bernanke will die Geschäfte der amerikanischen Notenbank transparenter machen und hat deshalb rund 50 Lehrer zu einem Vortrag eingeladen. Der Professor schwärmte zunächst von der Kraft freier Märkte. Die Gegenwart der Krisenpolitik holt ihn dann mit den Fragen der Pädagogen ein.
Von Patrick Welter, WashingtonRichtlinien für Lesermeinungen
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Bernanke hat vergessen zu sagen....
das die so von ihm gepriesenen Vereinigten Staaten 15 Billionen Dollar Schulden haben! Das die Infrastruktur wie Strassen, überirdische Stromleitungen, Wasser und Abwasserkanäle sich auf einem Dritte-Welt-Niveau befinden. Das die wirkliche Arbeitslosenquote wahrscheinlich bei über 15% liegt. Das Millionen von Arbeitnehmer nicht nur mindestens 2 Jobs haben um über die Runden zu kommen - sondern auch nicht krankenversichert sind. Das die wirklich Reichen immer reicher werden und die Mittelschicht verarmt. Das alles hat er vergessen zu sagen! Und noch viel mehr!!!
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 09.08.2012 15:33 UhrIch glaube nicht
dass er das vergessen hat. Das ist ja gerade seine Motivation. Er
begründet sein Monaten seine Politik unter anderem mit der
Notwendigkeit, die Arbeitslosenquote zu senken. Nun kann man
natürlich unterschiedlicher Meinung darüber sein, ob QE diese
Probleme beheben kann. Aber ich denke man kann ihm nicht vorwerfen, er
habe nicht mitbekommen, dass die Wirtschaft momentan schlecht läuft.
Und Teil von dem was Sie sagen, ist einfach Ausdruck gesellschaftlicher
Präferenzen. Manche Gesellschaften finden es sehr wichtig, tolle
Abwasserkanäle und dreifachverglaste Fenster zu haben. Andere
Gesellschaften haben andere Prioritäten. Das kann man dem
Notenbankchef nicht vorwerfen.
Das zentrale Problem der Marktwirtschaft
ist die natürliche Ungleichheit der Marktteilnehmer. Sie führt regelmäßig zu enormen Ungleichgewichten bei der Verteilung von Einkommen und Vermögen (aus der Mehrwertschöpfung) sowie daraus folgend der gesellschaftlichen Machtverhältnisse. Die Politik ist nur Teilsystem eines Gesamtsystems; sie spielt die Rolle der Verschleierung und im Notfall die des Reparaturbetriebs. Die meisten Politiker sind mit der Komplexität der Marktmechanismen überfordert, nicht wenige auch korrumpierbar. Selbstverständlich ist Marktwirtschaft i. S. Bernankes in Teilsystemen (z. B. Militär, Forschung) hocheffizient. Dafür versagt sie mehr oder weniger in anderen Teilsystemen (z. B. Gesundheit, Finanzmärkte). Die Frage wird sein, ob eine Konversion der 'nackten' Konkurrenzwirtschaft in eine 'menschliche' Wettbewerbswirtschaft gelingt.
Antworten (5) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 10.08.2012 10:27 Uhr@ Markus Barns
Idealtypisch ist es so, wie Sie es beschreiben und es ja auch in den
Lehrbüchern steht. In Praxi löst die 'invisible hand' das
Problem nicht, weder auf der Informations- und schon gar nicht auf der
Verteilungsebene. Dem steht das individuelle Interesse der
Marktteilnehmer entgegen, z. B. künstliche Angebotsverknappung oder
auch Desinformation zur Durchsetzung von höheren Preisen. Ehe der
Markt darauf jeweils reagiert entsteht ein timelag mit Nutzenvorsprung,
der nicht auf einer Mehrwertleistung beruht. Ok, dem halten die
Marktwirtschaftlicher ihr 'Moral Hazard' entgegen - der Markt ist weder
gut noch böse.
Womit wir wieder bei der 'Natur' des Menschen wären. Auf ihn
paßt aufgrund seines individuellen Bewußtseins (=
Fähigkeit zur Leid- und Glückserfahrung) weder das markt- noch
das planwirtschaftliche Modell. Die Evolution muß erweisen,
inwieweit dieser Indifferentismus überlebensfähig ist. Ich bin
da trotz allem zuversichtlich.
@Gisbert Heimes
Ich glaube ich verstehe jetzt, was Sie meinen. Evtl wäre die
Bezeichnung Marktmacht dafür treffender. Unterschiedliche
Marktmacht (durch Wissen, Kapital, besondere Rechte wie Patente etc.)
führt zu Ergebnissen, die viele als ungerecht empfingen. Das ist
ein ungelöstes Problem der Marktwirtschaft - in der Tat.
Davon zu unterscheiden ist das Informationsproblem: Es geht darum, dass
bei 80 Millionen Marktteilnehmern keiner weiß, was die anderen
gerade machen, haben, benötigen. Niemand weiß, welche
Ressourcen gerade wo vorhanden sind und wo sie hinmüssen, um die
Nachfrage zu befriedigen. Dehalb kommt es zu Über- und
Unterproduktion, langen Schlangen für Banenen etc. Der Markt
löst dieses Problem mit Dezentralismus - auch unsichtbare Hand
genannt. Das ist die eigentliche Kernstärke der Marktwirschaft. Es
wird idealerweise genau nachfragedeckend produziert. Wenn ein zentraler
Planer vollständige Information über alle Marktteilnehmer
hätte, bräuchten wir die Marktwirschaft eigentlich nicht.
Markus Barns, Volker Caspari
Mit 'vollständige Konkurrenz' meine ich nicht nur die
vollständige Information, sondern weitere Aspekte (Schnelligkeit,
Kreativität, Intelligenz usw.). In der Tat könnte man ein in
einem solchen Modell 'Planwirtschaft' erkennen. Die erwähnte
Ungleichheit der Individuen verhindert im übrigen auch das
Funktionieren der Planwirtschaft. Im Detail ist die Marktwirtschaft eher
nicht die Lösung des Informationsproblems – die
Marktteilnehmer schaffen Strukturen, die die Verbreitung und Nutzung von
Information be- und verhindern sollen ('Patent auf Saatgut').
Selbstverständlich waren und sind die Teilsysteme Militär und
Forschung brutale Konkurrenzmärkte, national und international. Die
Produzenten konkurrieren um gewaltige Rüstungsetats, mit und ohne
Bestechung (Schreiber), und Fakes in der Grundlagenforschung sind Legende.
vollständige Konkurrenz?
Was ist vollständige Konkurrenz? Meinen Sie evtl vollständige
Information? Die gibt es nicht und sie ist keine Voraussetzung für
Märkte - im Gegenteil ist die Marktwirtschaft eher die Lösung
des Informationsproblems. Wenn es vollständige Information
gäbe, könnten wir auch Planwirtschaft betreiben.
Was die Konkurrenz betrifft, ist je nach Markt ein Polypol
erstrebenswert. Das ist in den meisten Märkten aber auch
verwirklicht.
Sie haben aber sicher Recht, dass finanzieller Wohlstand nicht alles im
Leben ist.
"Nur bei Konkurrenz sind nach der Lehre der Ökonomik die Märkte effizient"
Richtig, aber nur bei vollständiger Konkurrenz. Doch die ist aufgrund der Ungleichheit der Marktteilnehmer eine Fiktion. Sonst wäre doch längst alles gut. Außerdem behandelt die VWL nur eine Perspektive des Gesamtsystems. Und die menschlichen Gesellschaften wiederum stellen nur einen Teil des gesamten Biosystems dar, das durch unzureichend regulierte Märkte gefährdet ist. Ich denke aber, daß die Evolution das regeln wird, leider mit unnötig vielen Opfern.
Tja, fragt sich bloß für wen ...
Märkte sind vor allem psycho-logisch
Vor gut einem Jahr hat die USA ihre selbst auferlegte Schuldengrenze erhöht. Die damit gekaufte Zeit wird genutzt, um Europäern gute Ratschläge zu geben und im eigenen Land das Mantra der exzessiven Schuldenwirtschaft vorzubeten. Das Fundament bröckelt vor sich hin, die Fassaden glänzen, weiter so.
Da macht sich der Bock zum Gärtner.
"Märkte sind wunderbar. - Ich habe sie alle zerstört."
Nein, Bernanke geht es um Indoktrinierung und Propaganda.
Er sollte sich um seine eigene Ausbildung kümmern.
Wo er Recht hat er Recht.....
Märkte sind ganz wunderbar, sie sind sogar wirklich wunderbar, wenn
man genug Einfluss hat um Regierungen zu überzeugen, dass ein
Saftladen wie die HRE systemrelevant ist.
Der Markt des Herrn Bernanke ist halt nicht der Markt des Steuerzahlers.
Etws, das meiner Erfahrung nach bei solchen "Veranstaltungen"
lieber öfters mal verschwiegen wird.
Kernelement der Marktwirtschaft ist es, dass die Akteure nicht nur Belohnungen einstreichen ...
.. sondern auch die Folgen von Fehlentscheidungen tragen. Dieses
zentrale Regelsystem wurde +wird für den Finanzsektor außer
Kraft gesetzt.
Lobbyismus+Unterwanderung der Aufsicht sorgen dort für das
Abwälzen von Schäden auf die Allgemeinheit:
So sind eigenkapitalschwache Banken nicht einmal ansatzweise in der
Lage, Verluste aus selbst eingegangenen Risiken zu tragen.
Immer höhere Spieleinsätze auf Pump werden zusehends riskanter
investiert. Gewinne werden zu Vergütungen umgerubelt, Verluste aber
über Untergangsdrohungen auf die Allgemeinheit abgewälzt.
Die massiven Fehlanreize des Finanzsektors haben das einstige
Flaggschiff der Marktwirtschaft an den Devisentropf Rotchinas gebracht.
In Europa eskalierte Griechenlands Staatsverschuldung, als
Gläubiger+Schuldner paktierten, das Ausfallrisiko (implitzit) auf
Dritte abzuwälzen. Dieses Ausschalten der marktwirtschaftlich
gebotenen Gläubigerhaftung trieb die Kreditvergabe über alle Vernunftsgrenzen.
Bail-Outs vergiften die Marktwirtschaft
Lügen, nichts als Lügen wenn...
The Bernank sagt:
,Märkte sind verblüffend' und „Wenn man Wirtschaft
unterrichtet, ist es einer der aufregendsten Momente, die Idee der
unsichtbaren Hand zu verstehen'
.
Sicher meint er damit seine eigene Hand!
WO sind ,die Märkte', jene die Adam Smith meinte, geblieben?
Werden inzwischen nicht die Märkte, vor allem Aktien und Rohstoffe,
total manipuliert bis zum geht nicht mehr?
Wieso steigt der S&P auf 1400 plus? Gibt die US Wirtschaft Grund
dafür? War da nicht die Sache mit künstlicher ,wealth
creation' in Corporate USA?
Warum wird der Goldpreis und Silberpreis massiv unterdrückt - trotz Geldwerverfall?
Wußten die ZBs von der Libor Manipulation nach unten? I bet they did!
Die Zentralbanken, sei es die private FED, die BOE oder die neue EZB
werden immer mehr zur größten Gefahr für die
Bürger, die armen Sparer!
WEG damit - wieder den Goldstandard einführen. DAS wäre
schlecht für die verschwenderischen Regierungen aber GUT für
die Bürger vieler Länder.
Ich würde Bernanke festnehmen.
Sollen Ein- und Zwei-Cent-Münzen abgeschafft werden?
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Soll die Selbstanzeige für Steuerhinterzieher abgeschafft werden?