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Notenbankchef Bernanke „Märkte sind wunderbar“

 ·  Ben Bernanke will die Geschäfte der amerikanischen Notenbank transparenter machen und hat deshalb rund 50 Lehrer zu einem Vortrag eingeladen. Der Professor schwärmte zunächst von der Kraft freier Märkte. Die Gegenwart der Krisenpolitik holt ihn dann mit den Fragen der Pädagogen ein.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (14)

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Gus Savel
Gus Savel (gsavel) - 09.08.2012 15:00 Uhr

Bernanke hat vergessen zu sagen....

das die so von ihm gepriesenen Vereinigten Staaten 15 Billionen Dollar Schulden haben! Das die Infrastruktur wie Strassen, überirdische Stromleitungen, Wasser und Abwasserkanäle sich auf einem Dritte-Welt-Niveau befinden. Das die wirkliche Arbeitslosenquote wahrscheinlich bei über 15% liegt. Das Millionen von Arbeitnehmer nicht nur mindestens 2 Jobs haben um über die Runden zu kommen - sondern auch nicht krankenversichert sind. Das die wirklich Reichen immer reicher werden und die Mittelschicht verarmt. Das alles hat er vergessen zu sagen! Und noch viel mehr!!!

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 09.08.2012 15:33 Uhr
Markus Barns
Markus Barns (mabarn) - 09.08.2012 15:33 Uhr

Ich glaube nicht

dass er das vergessen hat. Das ist ja gerade seine Motivation. Er begründet sein Monaten seine Politik unter anderem mit der Notwendigkeit, die Arbeitslosenquote zu senken. Nun kann man natürlich unterschiedlicher Meinung darüber sein, ob QE diese Probleme beheben kann. Aber ich denke man kann ihm nicht vorwerfen, er habe nicht mitbekommen, dass die Wirtschaft momentan schlecht läuft.

Und Teil von dem was Sie sagen, ist einfach Ausdruck gesellschaftlicher Präferenzen. Manche Gesellschaften finden es sehr wichtig, tolle Abwasserkanäle und dreifachverglaste Fenster zu haben. Andere Gesellschaften haben andere Prioritäten. Das kann man dem Notenbankchef nicht vorwerfen.

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gisbert heimes

Das zentrale Problem der Marktwirtschaft

ist die natürliche Ungleichheit der Marktteilnehmer. Sie führt regelmäßig zu enormen Ungleichgewichten bei der Verteilung von Einkommen und Vermögen (aus der Mehrwertschöpfung) sowie daraus folgend der gesellschaftlichen Machtverhältnisse. Die Politik ist nur Teilsystem eines Gesamtsystems; sie spielt die Rolle der Verschleierung und im Notfall die des Reparaturbetriebs. Die meisten Politiker sind mit der Komplexität der Marktmechanismen überfordert, nicht wenige auch korrumpierbar. Selbstverständlich ist Marktwirtschaft i. S. Bernankes in Teilsystemen (z. B. Militär, Forschung) hocheffizient. Dafür versagt sie mehr oder weniger in anderen Teilsystemen (z. B. Gesundheit, Finanzmärkte). Die Frage wird sein, ob eine Konversion der 'nackten' Konkurrenzwirtschaft in eine 'menschliche' Wettbewerbswirtschaft gelingt.

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Antworten (5) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 10.08.2012 10:27 Uhr
gisbert heimes

@ Markus Barns

Idealtypisch ist es so, wie Sie es beschreiben und es ja auch in den Lehrbüchern steht. In Praxi löst die 'invisible hand' das Problem nicht, weder auf der Informations- und schon gar nicht auf der Verteilungsebene. Dem steht das individuelle Interesse der Marktteilnehmer entgegen, z. B. künstliche Angebotsverknappung oder auch Desinformation zur Durchsetzung von höheren Preisen. Ehe der Markt darauf jeweils reagiert entsteht ein timelag mit Nutzenvorsprung, der nicht auf einer Mehrwertleistung beruht. Ok, dem halten die Marktwirtschaftlicher ihr 'Moral Hazard' entgegen - der Markt ist weder gut noch böse.

Womit wir wieder bei der 'Natur' des Menschen wären. Auf ihn paßt aufgrund seines individuellen Bewußtseins (= Fähigkeit zur Leid- und Glückserfahrung) weder das markt- noch das planwirtschaftliche Modell. Die Evolution muß erweisen, inwieweit dieser Indifferentismus überlebensfähig ist. Ich bin da trotz allem zuversichtlich.

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Markus Barns
Markus Barns (mabarn) - 09.08.2012 21:58 Uhr

@Gisbert Heimes

Ich glaube ich verstehe jetzt, was Sie meinen. Evtl wäre die Bezeichnung Marktmacht dafür treffender. Unterschiedliche Marktmacht (durch Wissen, Kapital, besondere Rechte wie Patente etc.) führt zu Ergebnissen, die viele als ungerecht empfingen. Das ist ein ungelöstes Problem der Marktwirtschaft - in der Tat.

Davon zu unterscheiden ist das Informationsproblem: Es geht darum, dass bei 80 Millionen Marktteilnehmern keiner weiß, was die anderen gerade machen, haben, benötigen. Niemand weiß, welche Ressourcen gerade wo vorhanden sind und wo sie hinmüssen, um die Nachfrage zu befriedigen. Dehalb kommt es zu Über- und Unterproduktion, langen Schlangen für Banenen etc. Der Markt löst dieses Problem mit Dezentralismus - auch unsichtbare Hand genannt. Das ist die eigentliche Kernstärke der Marktwirschaft. Es wird idealerweise genau nachfragedeckend produziert. Wenn ein zentraler Planer vollständige Information über alle Marktteilnehmer hätte, bräuchten wir die Marktwirschaft eigentlich nicht.

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gisbert heimes

Markus Barns, Volker Caspari

Mit 'vollständige Konkurrenz' meine ich nicht nur die vollständige Information, sondern weitere Aspekte (Schnelligkeit, Kreativität, Intelligenz usw.). In der Tat könnte man ein in einem solchen Modell 'Planwirtschaft' erkennen. Die erwähnte Ungleichheit der Individuen verhindert im übrigen auch das Funktionieren der Planwirtschaft. Im Detail ist die Marktwirtschaft eher nicht die Lösung des Informationsproblems – die Marktteilnehmer schaffen Strukturen, die die Verbreitung und Nutzung von Information be- und verhindern sollen ('Patent auf Saatgut').

Selbstverständlich waren und sind die Teilsysteme Militär und Forschung brutale Konkurrenzmärkte, national und international. Die Produzenten konkurrieren um gewaltige Rüstungsetats, mit und ohne Bestechung (Schreiber), und Fakes in der Grundlagenforschung sind Legende.

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Markus Barns
Markus Barns (mabarn) - 09.08.2012 15:27 Uhr

vollständige Konkurrenz?

Was ist vollständige Konkurrenz? Meinen Sie evtl vollständige Information? Die gibt es nicht und sie ist keine Voraussetzung für Märkte - im Gegenteil ist die Marktwirtschaft eher die Lösung des Informationsproblems. Wenn es vollständige Information gäbe, könnten wir auch Planwirtschaft betreiben.
Was die Konkurrenz betrifft, ist je nach Markt ein Polypol erstrebenswert. Das ist in den meisten Märkten aber auch verwirklicht.
Sie haben aber sicher Recht, dass finanzieller Wohlstand nicht alles im Leben ist.

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gisbert heimes

"Nur bei Konkurrenz sind nach der Lehre der Ökonomik die Märkte effizient"

Richtig, aber nur bei vollständiger Konkurrenz. Doch die ist aufgrund der Ungleichheit der Marktteilnehmer eine Fiktion. Sonst wäre doch längst alles gut. Außerdem behandelt die VWL nur eine Perspektive des Gesamtsystems. Und die menschlichen Gesellschaften wiederum stellen nur einen Teil des gesamten Biosystems dar, das durch unzureichend regulierte Märkte gefährdet ist. Ich denke aber, daß die Evolution das regeln wird, leider mit unnötig vielen Opfern.

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Gerd Lehmann
Gerd Lehmann (Gerd_L) - 09.08.2012 09:17 Uhr

"Märkte sind wunderbar"?

Tja, fragt sich bloß für wen ...

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Ronny Schaffer

Märkte sind vor allem psycho-logisch

Vor gut einem Jahr hat die USA ihre selbst auferlegte Schuldengrenze erhöht. Die damit gekaufte Zeit wird genutzt, um Europäern gute Ratschläge zu geben und im eigenen Land das Mantra der exzessiven Schuldenwirtschaft vorzubeten. Das Fundament bröckelt vor sich hin, die Fassaden glänzen, weiter so.

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Closed via SSO

Da macht sich der Bock zum Gärtner.

"Märkte sind wunderbar. - Ich habe sie alle zerstört."
Nein, Bernanke geht es um Indoktrinierung und Propaganda.
Er sollte sich um seine eigene Ausbildung kümmern.

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Tyler Durden Volland

„Märkte sind wunderbar“

Wo er Recht hat er Recht.....

Märkte sind ganz wunderbar, sie sind sogar wirklich wunderbar, wenn man genug Einfluss hat um Regierungen zu überzeugen, dass ein Saftladen wie die HRE systemrelevant ist.

Der Markt des Herrn Bernanke ist halt nicht der Markt des Steuerzahlers.
Etws, das meiner Erfahrung nach bei solchen "Veranstaltungen" lieber öfters mal verschwiegen wird.

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Klaus Wege
Klaus Wege (covenants) - 09.08.2012 01:42 Uhr

Kernelement der Marktwirtschaft ist es, dass die Akteure nicht nur Belohnungen einstreichen ...

.. sondern auch die Folgen von Fehlentscheidungen tragen. Dieses zentrale Regelsystem wurde +wird für den Finanzsektor außer Kraft gesetzt.
Lobbyismus+Unterwanderung der Aufsicht sorgen dort für das Abwälzen von Schäden auf die Allgemeinheit:
So sind eigenkapitalschwache Banken nicht einmal ansatzweise in der Lage, Verluste aus selbst eingegangenen Risiken zu tragen.
Immer höhere Spieleinsätze auf Pump werden zusehends riskanter investiert. Gewinne werden zu Vergütungen umgerubelt, Verluste aber über Untergangsdrohungen auf die Allgemeinheit abgewälzt.
Die massiven Fehlanreize des Finanzsektors haben das einstige Flaggschiff der Marktwirtschaft an den Devisentropf Rotchinas gebracht.
In Europa eskalierte Griechenlands Staatsverschuldung, als Gläubiger+Schuldner paktierten, das Ausfallrisiko (implitzit) auf Dritte abzuwälzen. Dieses Ausschalten der marktwirtschaftlich gebotenen Gläubigerhaftung trieb die Kreditvergabe über alle Vernunftsgrenzen.
Bail-Outs vergiften die Marktwirtschaft

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Ulla Nachtmann

Lügen, nichts als Lügen wenn...

The Bernank sagt:
,Märkte sind verblüffend' und „Wenn man Wirtschaft unterrichtet, ist es einer der aufregendsten Momente, die Idee der unsichtbaren Hand zu verstehen'
.
Sicher meint er damit seine eigene Hand!
WO sind ,die Märkte', jene die Adam Smith meinte, geblieben?
Werden inzwischen nicht die Märkte, vor allem Aktien und Rohstoffe, total manipuliert bis zum geht nicht mehr?
Wieso steigt der S&P auf 1400 plus? Gibt die US Wirtschaft Grund dafür? War da nicht die Sache mit künstlicher ,wealth creation' in Corporate USA?
Warum wird der Goldpreis und Silberpreis massiv unterdrückt - trotz Geldwerverfall?
Wußten die ZBs von der Libor Manipulation nach unten? I bet they did!
Die Zentralbanken, sei es die private FED, die BOE oder die neue EZB werden immer mehr zur größten Gefahr für die Bürger, die armen Sparer!
WEG damit - wieder den Goldstandard einführen. DAS wäre schlecht für die verschwenderischen Regierungen aber GUT für die Bürger vieler Länder.
Ich würde Bernanke festnehmen.

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Jahrgang 1965, Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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