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Andreas Georgiou : Nobelpreisträger unterstützen griechischen Statistiker

Andreas Georgiou Bild: F.A.Z.-Archiv

Vor einigen Monaten war der frühere Chef des griechischen Statistikamtes zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der Mann erhält nun Unterstützung von fachlich höchster Stelle.

          Der von der griechischen Justiz verfolgte frühere Chef des Hellenischen Statistikamts (Elstat), Andreas Georgiou, erhält prominente internationale Unterstützung. Neun Wirtschaftsnobelpreisträger und vierzig Statistikorganisationen haben einen Protestbrief der American Statistical Association unterzeichnet, der die Strafverfolgung verurteilt. „Die Unterzeichner rufen die griechische Obrigkeit auf, die Strafverfolgung gegen Andreas Georgiou und andere Elstat-Funktionäre zu stoppen“, heißt es in dem Brief.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Georgiou war 2010 als Elstat-Chef berufen worden und hatte die zuvor falschen Defizit- und Schuldenangaben Griechenlands überarbeitet und nach oben korrigiert. Der Wert für das Defizit 2009 wurde von ihm von 13,6 auf 15,4 Prozent des BIP angehoben, vor allem, indem entsprechend der europäischen Regeln verlustbringende Staatsinstitutionen und Staatsunternehmen in die Rechnung einbezogen wurden. Inzwischen wurde Georgiou von zwei Gerichten in Athen wegen angeblicher Pflichtverletzung und angeblicher übler Nachrede  verurteilt. Die von der Syriza-Regierung ernannte Generalanwältin des Landes fordert sogar eine lebenslange Haftstrafe für den früheren Chefstatistiker, weil er angeblich das Land in die Rezession und Schuldenkrise gerissen haben soll.

          Zwei Jahre Haft auf Bewährung

          Gegen die Strafverfolgung des früheren IWF-Statistikers, der von 2010 bis 2015 an der Spitze von Elstat stand, protestieren nun die Nobelpreisträger George Akerlof, Angus Deaton, Daniel Kahneman, Edmund Phelps, Josef Stiglitz und vier weitere, ein früherer geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) und viele andere Prominente aus der Wissenschaft und aus Finanzorganisationen, etwa das frühere EZB-Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi. Dem Brief der amerikanischen Vereinigung der Statistiker, die 19.000 Mitglieder hat, haben sich zudem vierzig Organisationen aus der ganzen Welt angeschlossen, darunter Statistikervereinigungen aus Deutschland, Belgien, Irland, Israel, Palästina, Australien und Neuseeland.

          „Die Defizit- und Schuldenzahlen der Regierung, die von Elstat unter Dr. Georgious Leitung erstellt wurden, sind von Eurostat überprüft worden und dabei wurde bestätigt, dass sie  mit den höchsten internationalen Standards übereinstimmen“, heißt es in dem Protestbrief. Umso beunruhigender sei, dass er nun Strafverfolgung ausgesetzt sei. Die Verfolgung gefährde die gegenwärtige Statistikerhebung, was wiederum Griechenlands Bemühungen um ein Ende der Wirtschaftskrise und um die Anwerbung ausländischer Investoren gefährde. Georgiou habe sich in seiner Amtszeit „streng an die Prinzipien der besten Praxis gehalten, die in EU- und griechischen Gesetzen festgelegt worden sind“.

          Vor einigen Monaten war Georgiou in Athen zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden wegen einer angeblichen Pflichtverletzung – weil er nämlich den politisch besetzten Aufsichtsrat von Elstat vor der Veröffentlichung neuer Defizit- und Schuldenzahlen nicht konsultiert hatte. Statistiker auf der ganzen Welt halten eine solche Vorgabe für gefährlich, weil damit politischer Druck auf die statistischen Fachleute ausgeübt werden könnte, politisch genehme Zahlen zu veröffentlichen. Außerdem wurde Georgiou zu 10000 Euro Geldstrafe verurteilt wegen „übler Nachrede“, weil er gefragt hatte, warum nicht gegen jene ermittelt werde, die für die falschen früheren Statistiken verantwortlich seien.

          Ein Sündenbock

          Auch die Europäische Zentralbank hat indirekt Georgiou unterstützt. EZB-Präsident Mario Draghi sagte, befragt nach der Strafverfolgung von Geogiou, bei seiner jüngsten Pressekonferenz, es müsse alles vermieden werden, was die Unabhängigkeit des griechischen Statistikamts und die Glaubwürdigkeit der Zahlen beschädige. Es sage dies aber „mit vollem Respekt für die Unabhängigkeit der griechischen Justiz“. Ob diese aber wirklich unabhängig von politischen Erwägungen ermittelt, wird von Beobachtern stark bezweifelt.

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