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Nobelpreis Der Wirtschafts-Nobelpreis ist eine umstrittene Auszeichnung

Der Wirtschafts-Nobelpreis wurde nicht von Alfred Nobel gestiftet. Im Gegenteil: Er mied die unexakten Geisteswissenschaften. Außerdem hat bisher noch kein Wissenschaftler diesen Preis abgelehnt.

Der Wirtschafts-Nobelpreis ist eine umstrittene Auszeichnung. Die Unstimmigkeiten beginnen schon mit dem Namen Nobel. Alfred Nobel, der Erfinder des Dynamit und Stifter der Preise für Medizin, Chemie, Physik, Literatur und Frieden, hatte die Ökonomen weder im Blick noch im Sinn.

"Ich habe keine Wirtschafts-Ausbildung und hasse sie von Herzen", schrieb Nobel in einem Brief, mit dem vier Urenkel seines Bruders Ludvig 2001 an die Öffentlichkeit gingen. Sie drangen darauf, den erst 1968 nachträglich von der schwedischen Nationalbank gestifteten und von der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften vergebenen "Preis der schwedischen Zentralbank für Wirtschaftswissenschaften zum Andenken an Alfred Nobel" wieder aus der offiziellen Familie der Nobelpreise auszugliedern.

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Weiche Geisteswissenschaften

Die Nachfahren Nobels haben sich nicht durchgesetzt. Doch sie haben einen Anstoß gegeben, über die Kriterien nachzudenken, nach denen Alfred Nobel die Preiswürdigkeit beurteilte. Dabei fällt auf, daß er die Geisteswissenschaften strikt mied. Mit den Preisen für Medizin, Chemie und Physik konzentrierte er sich auf harte, exakte Wissenschaften; mit Literatur und Frieden bewegte er sich jenseits der Wissenschaften. Die Ökonomie indes gehört zu den weichen Geisteswissenschaften, in denen die Leistungen schwer zu objektivieren sind.

Keiner der geehrten Ökonomen hat die Würdigung je ausgeschlagen. Der erkleckliche Gewinn von 10 Millionen schwedischen Kronen (rund eine Million Euro) dürfte eine Rolle spielen - auch wenn das Preisgeld beispielsweise in Amerika längst nicht mehr steuerfrei ist. Mitunter spielt dem Gewinner auch das Leben einen Streich. Mit gewisser Schadenfreude erzählen sich Ökonomen die Anekdote von Robert Lucas, der für seine Theorie der "rationalen Erwartungen" geehrt wurde. Bei Lucas griff erst der Fiskus zu, dann die Ex-Frau. Die Dame verfügte nicht nur über rationale Erwartungen, sondern auch über genügend Information über die Qualität der Leistungen ihres Mannes, daß sie im Scheidungsvertrag den Anspruch auf die Hälfte eines allfälligen Nobel-Gewinnes festschreiben ließ.

Wechselnde Moden in der Ökonomie

Die meisten Preisträger finden freundliche Worte für die Institution, aus welcher der Geldsegen auf sie herabregnet. George Akerlof lobt den Wirtschafts-Nobelpreis als Ermutigung für künftige Arbeiten. Das allerdings kann er nur pauschal meinen: Die meisten Preisträger erfahren ihre Würdigung für Arbeiten, die Jahrzehnte zurückliegen, und die Ökonomenzunft hat längst im wissenschaftlichen Diskurs Korrekturen daran angebracht und Verästelungen erfunden. Joseph Stiglitz hat da schon einen besseren Punkt: Der Wirtschafts-Nobelpreis diene der öffentlichen Aufklärung. Er verleihe ökonomischen Ideen eine Aufmerksamkeit, die ihnen sonst kaum zuteil würde.

Manche Gewinner jedoch haben Zweifel an der Rechtfertigung des Preises zum Ausdruck gebracht, allen voran Friedrich August von Hayek und Paul Samuelson. In seiner Ansprache während des Nobel-Banketts 1974 warnte Hayek, der Preis laufe Gefahr, die wechselnden Moden in der Ökonomie noch zu betonen. Die Entwicklung gab ihm recht: In den siebziger Jahren lag der Fokus gemäß dem akademischen Trend auf empirischen und keynesianischen Ansätzen, in den achtziger Jahren auf der Makroökonomie, in den neunziger Jahren auf Methoden.

Außerdem, so fürchtete Hayek, verleihe der Preis Individuen eine Autorität, die in den Wirtschaftswissenschaften niemandem zukomme. Diese Autorität sei gefährlich, weil sie sich nicht auf die akademische Welt beschränke wie in den Naturwissenschaften. "Der Einfluß des Ökonomen, der vor allem von Bedeutung ist, ist ein Einfluß über Laien: Politiker, Journalisten, Beamte und die Öffentlichkeit allgemein", sagte Hayek. Der Preis verleite seine Träger, sich zu allem und jedem zu äußern, auch wenn sie ihre fachliche Kompetenz weit überschritten. Hayek schlug vor, allen Preisträgern einen "Demutseid" abzuverlangen.

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Veröffentlicht: 11.10.2004, 17:33 Uhr

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