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Niedrigzins : Substanzbesteuerung

Die Zinsen sind niedriger als die Inflation - Sparer erleiden also reale Verluste. Trotzdem müssen sie Zinserträge versteuern. Das ist ungerecht.

          Es ist eine seltsame Welt, in der sich die Anleger im Augenblick einrichten müssen. Zu ihr gehört die Erfahrung, dass man mit Sparkonten Geld verliert. Die Zinsen für durchschnittliche Tagesgeldkonten betragen 0,88 Prozent. Für Festgeld auf zwölf Monate angelegt bekommt man sogar nur 0,79 Prozent. Zugleich beträgt die Inflationsrate 1,2 Prozent. Es ergeben sich also negative Realzinsen: Anleger verlieren jedes Jahr 0,32 bis 0,41 Prozent ihres Ersparten. Trotzdem zahlen sie 25 Prozent Abgeltungssteuer auf die nominalen Zinserträge.

          Das ist ungerecht. Die Anleger haben kein Einkommen aus ihrer Kapitalanlage, sondern erzielen damit Verluste. Trotzdem müssen sie auf Einkünfte, die sie gar nicht hatten, Steuern zahlen - statt Verluste aus Kapitalanlagen steuerlich geltend machen zu dürfen, wie das jemand machen könnte, der mit Spekulationsgeschäften an der Börse in gleicher Größenordnung Geld verliert.

          Umverteilung von Gläubigern zu Schuldnern

          Die Ungerechtigkeit ist deshalb besonders eklatant, weil die Situation nicht zufällig eingetreten ist. Die Europäische Zentralbank hat im Zuge der Eurorettung die Leitzinsen immer weiter gesenkt und damit zu einer Entlastung der hoch verschuldeten Staaten beigetragen. Schließlich bedeuten negative Realzinsen nichts anderes als eine Umverteilung von Gläubigern zu Schuldnern. Wenn ein Schuldner für seinen Kredit weniger Zinsen zahlen muss als seine Zahlungsverpflichtung durch die Inflation an Wert verliert, verbessert sich seine Lage. Umgekehrt ergeht es dem Gläubiger. So ist es hoch verschuldeten Staaten möglich, sich auf Kosten der Sparer zu entlasten. Deshalb ist es doppelt ungerecht, dass die Sparer auf ihre negativen Zinseinnahmen noch Steuern zahlen.

          Vergleichbar ist der Vorgang höchstens mit der sogenannten „kalten Progression“ der Einkommensteuer. Wenn jemand eine Lohnerhöhung bekommt, die komplett von der Inflation aufgefressen wird, muss er unter Umständen trotzdem mehr Steuern zahlen. Auch diese Steuer richtet sich nach dem nominalen Einkommen und der Steuersatz für das gesamte Einkommen steigt mit der Einkommenshöhe.

          Im einen wie im anderen Fall könnte man das Problem nur lösen, wenn die Steuer nicht auf das nominale, sondern auf das reale Einkommen erhoben würde. Wenn man also gleichsam die Inflation von der Steuer absetzen könnte.

          Quelle: F.A.S.

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