Der deutsche Arbeitsmarkt als Musterknabe in Europa - wer hätte das noch vor wenigen Jahren gedacht? Während vielerorts die Erwerbslosigkeit wegen der Wirtschafts- und Finanzkrise sprunghaft gestiegen ist, wird hierzulande das erfolgreichste Jahr seit der Wiedervereinigung ausgerufen. Arbeit in Deutschland scheint heute so attraktiv zu sein, dass viele, vor allem junge und gut ausgebildete Menschen im südeuropäischen Krisenbogen ihr Bündel schnüren, um hier einen neuen Anfang zu wagen.
Der Erfolg hat mehrere Ursachen: Da ist die große Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen, die mit guten, häufig konkurrenzlosen Produkten "made in Germany" die Nachfrage am Weltmarkt stillen. Dies ist nicht zuletzt ein Resultat der moderaten Tarifpolitik in der Vergangenheit. Zudem haben Politik, Arbeitgeber, Gewerkschaften und Beschäftigte während der Krise gemeinsam Arbeitsplätze gesichert. Und dann haben die tiefgreifenden Arbeitsmarktreformen wesentlich dazu beigetragen, dass heute so viele Leute wie noch nie in diesem Land einer Arbeit nachgehen.
Die Richtung stimmt
Umso wichtiger ist es, dass manche Debatte vom Kopf wieder auf die Füße gestellt wird. Das Aufkommen neuer Beschäftigungsformen hat zweifelsohne der Frage nach dem Umgang mit Geringverdienern neues Gewicht verliehen. Aber die oft behauptete Verdrängung des Standardarbeitsverhältnisses gab es nicht. Die Beschäftigungsrekorde konnten nur erzielt werden, weil im Saldo zusätzliche Stellen geschaffen wurden. Und dass der Arbeitsmarkt für Ältere wenige Jahre nach dem Ende der staatlich geförderten Frühverrentung noch hinter der allgemeinen Entwicklung herläuft, ist kaum verwunderlich. Viele Personalmanager sind noch immer altem Denken verhaftet. Doch die Entwicklung geht in die richtige Richtung, das zeigen die Beschäftigungszahlen. Wer die Rente mit 67 Jahren deshalb schon wieder aussetzen will, wälzt die Kosten einer alternden Gesellschaft auf kommende Generationen ab.
Die meisten Dinge am deutschen Arbeitsmarkt sind auf dem richtigen Weg. Doch es gibt Gefahren für die künftige Entwicklung - eine der größten besteht darin, dass wankelmütige Politiker mit Blick auf kurzfristige Erfolge in der Wählergunst wieder an den Grundsätzen rütteln. In vielen europäischen Hauptstädten hätte man gerne deutsche Probleme.
Euphemismen ohne Ende...
Silvia Plank (unzulaessige)
- 04.01.2012, 16:17 Uhr
Was fuer ein Erfolg ?
Wolfgang von der Beeck (WolfgangvdB)
- 04.01.2012, 14:40 Uhr
Und der Erfolg ist massiv geschönt, weil ..
Alex Merck (AlexM3)
- 04.01.2012, 13:58 Uhr
Jammernde Deutsche
Ralf Kowollik (InterNETkobold)
- 04.01.2012, 13:38 Uhr
Eine selbsternannte Elite profitiert von der Arbeitslüge
Cecile de Winter (Cecile_de_Winter)
- 04.01.2012, 13:34 Uhr