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Niedrige Leitzinsen Auf Dauer riskant

 ·  Erstmals in ihrer Geschichte hat sich die Europäische Zentralbank für längere Zeit im Voraus auf eine sehr lockere Geldpolitik festgelegt. Ob das Europa wirklich hilft, ist äußerst fraglich.

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Die Weltwirtschaft hängt seit Ausbruch der Finanzkrise vor rund fünf Jahren am Tropf des billigen Geldes der Zentralbanken. Mit ultra-niedrigen Leitzinsen und einer Liquiditätsflut versuchen die Zentralbanker die Wirtschaft wiederzubeleben. Die Geldspritzen haben den Kollaps abgewendet und eine Erholung angeschoben. Doch auf die Dauer nimmt die Wirksamkeit dieser Stimulanz ab. Die Risiken und Nebenwirkungen werden größer, wie die Fachleute der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich jüngst wieder festgestellt haben. Amerikas Geldpolitiker wollen daher langsam den Fuß von Gaspedal nehmen. Die Märkte reagieren darauf nervös.

Nun hat die Europäische Zentralbank, deren Geldpolitik im Vergleich eher konservativ war, erstmals dauerhaft niedrige Zinsen signalisiert. Für die Frankfurter Währungshüter ist die Festlegung auf Tiefstzinsen für lange Zeit ein „beispielloser Schritt“, wie EZB-Chef Mario Draghi selbst sagte. Er will so die Erwartung der Märkte wirkungsvoller steuern. Sind die Zinsen in Europa niedriger als in Amerika, dürfte dies den Eurokurs tendenziell schwächen - was dem Export der angeschlagenen Südländer hilft. Für Deutschland ist der Wechselkurs allerdings schon jetzt zu niedrig. Für die deutsche Wirtschaft, die im Kern viel robuster ist als die der Nachbarländer, sind zudem die Leitzinsen zu gering. Es drohen Blasen auf Immobilienmärkten in Großstädten.

Hier zeigt sich die grundsätzliche Schwierigkeit, einen einheitlichen Leitzins für ein heterogenes Währungsgebiet festzusetzen. Ob dauerhaft billiges Geld dem Euroraum wirklich hilft, die von der Schuldenkrise verursachte Schwäche zu überwinden, ist äußerst fraglich. Denn eigentlich leidet Europa nicht unter zu wenig Kredit, sondern unter zu viel. Die Banken der Peripherie haben in ihren Bilanzen Unmengen fauler Kredite, die einst sorglos vergeben wurden, etwa im spanischen Immobilienrausch. Wenn die Zentralbank zu lange Geld quasi zum Nulltarif ausgibt, wird es zur Droge. Es drohen „Zombiebanken“, die nur mittels des billigen Gelds der Zentralbanken am Leben gehalten werden. Eine durchgreifende Erholung kann nur beginnen, wenn die Leichen aus den Kellern der Banken herausgeräumt werden. Unheilbar kranke Institute müssen schließen, die anderen müssen - vorzugsweise auf Kosten ihrer Aktionäre und Gläubiger - rekapitalisiert werden. Hier liegt der eigentliche Schlüssel für eine Überwindung der Krise. Nur die Bereinigung des faulen Bankensektors kann den Neustart ermöglichen.

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04.07.2013, 17:48 Uhr

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