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Niederlande und Belgien : Frauenquote für Spitzenpositionen

Mehr Frauen in die Spitzenpositionen: Das streben zumindest die Niederländer und Belgier an Bild: Fotolia

Nach Norwegen schicken sich die Niederlande und Belgien an, Regeln für den Anteil von Frauen auf wirtschaftlichen Spitzenpositionen zu erlassen. Und wie sieht es in Deutschland aus?

          Nach Norwegen schicken sich die Niederlande und Belgien an, Regeln für den Anteil von Frauen auf wirtschaftlichen Spitzenpositionen zu erlassen. In Belgien hat die christlich-demokratische Senatorin Sabine de Bethune nach einigen parlamentarischen Anhörungen einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet. Er sieht einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent in börsennotierten Unternehmen vor. Derzeit sind von 258 Vorstandsmitgliedern der 20 größten belgischen Unternehmen nur 23 weiblich. „Mit mindestens drei an der Beschlussfassung beteiligten Frauen werden Unternehmen rentabler. Das geht unter anderem aus Studien von McKenzie und dem Goldman-Sachs-Institut hervor“, zitierte die Zeitung „De Standaard“ de Bethune am Dienstag.

          Michael Stabenow

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Beneluxländer.

          Jürgen  Dunsch

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Ende Oktober hatten sich schon die niederländischen Koalitionspartner grundsätzlich auf einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent in Vorständen und Aufsichtsräten von Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern verständigt. Als einziges Land schreibt bisher Norwegen vor, mindestens 40 Prozent der Aufsichtsratsposten in bestimmten Unternehmen Frauen vorzubehalten.

          In den Niederlanden läuft der von den oppositionellen Rechtsliberalen (VVD) unterstützte Gesetzentwurf darauf hinaus, dass Unternehmen, die den Anforderungen nicht genügen, zwar nicht mit Strafen rechnen, sich aber für Verstöße gegen die Quote rechtfertigen müssten. Es gehe darum, Frauen mehr Aufstiegschancen in Unternehmen zu sichern, begründen die Fürsprecher des Gesetzes ihren Vorstoß. Besonders die VVD lehnt starre Quoten ab. „Es geht um eine zeitlich befristete Maßnahme, die nur für große Unternehmen gilt“, erläuterte der VVD-Abgeordnete Frans Weekers, Ziel sei eine „Verpflichtung zu Anstrengungen, keine Verpflichtung zu einem Ergebnis“.

          Deutschland steht im internationalen Vergleich immer schlechter da

          Auch die neue Bundesregierung beabsichtigt, den Anteil von Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten deutscher Unternehmen stufenweise zu erhöhen. Ein Gesetz mit verbindlichen Quoten plant die schwarz-gelbe Koalition allerdings nicht. Kritiker wie die Initiative „Frauen in die Aufsichtsräte“ stoßen sich an dem mangelnden Mut zu mehr Gleichberechtigung. Wasser auf ihre Mühlen ist der jüngste Gleichstellungsbericht des World Economic Forum (WEF) in Genf. Danach ist Deutschland zum vierten Mal nacheinander in der Rangliste nach unten gerutscht und liegt jetzt unter 134 betrachteten Ländern auf Platz zwölf, hinter den Niederlanden und vor der Schweiz. An der Spitze stehen Island, Finnland, Norwegen und Schweden. Eine weitgehende Gleichstellung hat Deutschland nur im Erziehungsbereich erreicht.

          Insgesamt stellt das Forum eine Verminderung der geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Teilnahme am öffentlichen Leben fest. Deutschland hat Boden verloren. Dies geschah trotz „geringer Verbesserungen in der wirtschaftlichen und politischen Mitsprache“, wie die Autoren schreiben. Andere Länder hätten aber stärker aufgeholt, erläutert Saadia Zahidi vom WEF. 2008 nahm die Bundesrepublik Rang elf und 2006 sogar Rang fünf ein. Südafrika verbesserte sich um 16 Plätze auf Rang sechs. Als Grund nennt das WEF die stärkere Teilnahme am Arbeitsmarkt und im Parlament.

          Quelle: F.A.Z.

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