Home
http://www.faz.net/-gqe-vbsr
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Sonntag, 19. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Neues Stadtviertel Hamburg im Aufwind

26.09.2007 ·  Große Bauprojekte wie die „Hafencity“, das neue Stadtviertel gegenüber der historischen Speicherstadt, zeugen eindrucksvoll vom Selbstbewusstsein Hamburgs. Die Hansestadt ist für Touristen attraktiver denn je.

Von Carsten Knop und Petra Schlitt, Hamburg
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (1)

Hamburg ist im Aufwind. Diesen Eindruck bekommen die Besucher der Stadt jedenfalls immer häufiger. Das dürfte einerseits damit zusammenhängen, dass die Zahl der Hamburg-Touristen stetig steigt. Andererseits zeugen große Bau- und Investitionsprojekte wie zum Beispiel das neue Stadtviertel gegenüber der historischen Speicherstadt, die sogenannte „Hafencity“, eindrucksvoll vom neuen Selbstbewusstsein.

Hierzu passen zwei Nachrichten aus dieser Woche: Ole von Beust, der Erste Bürgermeister, hat am Mittwoch den Grundstein für das „Überseequartier“ gelegt, und dabei handelt es sich nach den Worten von Beusts um nichts weniger als das „Herzstück der Hafencity“. Am Dienstag wartete Wirtschaftssenator Gunnar Uldall mit der Meldung auf, der Tourismusstandort Hamburg habe sich in den vergangenen Jahren zu einem „wesentlichen Treiber des Wirtschaftswachstums in Hamburg entwickelt“.

Ein neuer Anleger für Kreuzfahrtschiffe

Die Zahlen sind tatsächlich eindrucksvoll: Zwischen 2001 und 2006 habe es einen Zuwachs an Übernachtungen von 50 Prozent gegeben. Hamburg ist offenbar auch für Tagesbesucher attraktiver denn je. Mit 105 Millionen Gästen jährlich wurde nach den Worten Uldalls ein Spitzenwert erreicht. 105.000 Vollzeit-Arbeitsplätze würden der Branche zugerechnet, die damit eine regelrechte „Jobmaschine“ sei. Der Umsatz im Tourismussektor liegt nach seinen Worten bei 5,8 Milliarden Euro, und es gebe Potential für weiteres Wachstum. Ausschlaggebend für den florierenden Hamburg-Tourismus seien unter anderem Investitionen in den Flughafen, in den Messeausbau, die Erweiterung des Kongresszentrums, die Musicals und eben die Entwicklung der Hafencity, dessen jüngster Baustein das Überseequartier wird.

Auf dem knapp acht Hektar großen Areal zwischen Elbe und Magdeburger Hafen werden bis zum Jahr 2011 rund 400 Wohnungen, Büros, Geschäfte und Restaurants entstehen. Direkt am Elbufer wird auch ein neuer Anleger für Kreuzfahrtschiffe gebaut, die ein weiterer positiver Faktor für den Tourismus in Hamburg sind. Geplant werden außerdem ein Wissenschaftszentrum und ein Aquarium. „Nach der Elbphilharmonie, den Marco-Polo-Terrassen und der U-Bahn können wir nun den Grundstein für eine weitere beeindruckende Baustelle legen“, sagte von Beust vor mehr als 300 geladenen Gästen. „Das Überseequartier ist das bedeutendste private Vorhaben in der Hafencity“, sagte Jürgen Bruns-Berentelg, Geschäftsführer der Hafencity Hamburg GmbH zur Grundsteinlegung.

Europas größtes Städtebauprojekt

Das Investorenkonsortium Groß & Partner, ING Real Estate und SNS Property Finance investiert insgesamt rund 800 Millionen Euro in das Gelände. Das Trio setzte sich 2005 in einem Wettbewerb mit seinem Konzept eines zentralen Boulevards bis hinunter zur Elbe durch.

Im Zuge der Planung entstehen 16 Gebäude mit rund 280.000 Quadratmeter Grundfläche. Die gesamte Hamburger Hafencity ist Europas größtes Städtebauprojekt; rund 15 Mal größer als der Potsdamer Platz in Berlin ist die Planungsfläche an der Elbe. Auf ausgedienten Hafenflächen von mehr als 155 Hektar entsteht in nur 800 Meter Luftlinie vom Hamburger Rathaus ein völlig neuer Stadtteil. Er soll bis zum Jahr 2020 endgültig fertig sein. Dann sollen hier nach den Vorstellungen der Planer mehr als 12.000 Menschen leben und rund 40.000 Arbeitsplätze entstanden sein.

Rund 1300 frei finanzierte Wohnungen

Die Hafencity wird von Westen nach Osten und von Norden nach Süden entwickelt. Das erste Teilquartier, Am Sandtorkai, ist schon fertiggestellt; das zweite, der Dalmannkai, ist seit einiger Zeit im Bau. Die ersten Gebäude sind hier ebenfalls bezogen; bis 2008 soll das Quartier komplett sein. Auch die Quartiere Am Sandtorpark und Brooktorkai werden inzwischen für die Bebauung vorbereitet. Überwiegend sind die ausgeschriebenen Architekturwettbewerbe schon entschieden, und die Investoren sind bestimmt. In diesen fünf Quartieren, einschließlich des Überseequartiers, entstehen rund 1300 frei finanzierte Wohnungen, davon sollen 40 bis 50 Prozent vermietet werden. Für Familien mit Kindern entsteht eine dreizügige Grundschule mit Ganztagsbetrieb, die ab 2007 gebaut wird.

Auch die Entwicklung der Büroflächen ist weit fortgeschritten: Nach dem Hafencity-Pionier, dem Softwarekonzern SAP, der schon 2003 ans Wasser zog, bezog hier das Logistikunternehmen Kühne + Nagel im Herbst 2006 seine neue Deutschlandzentrale. Zu den Bauherren, die ihre Zentralen in die Hafencity legen, zählen auch der Germanische Lloyd, die Neumann-Gruppe, die Spiegel-Gruppe und Unilever.

Quelle: F.A.Z., 27.09.2007, Nr. 225 / Seite 20
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

Jüngste Beiträge

Gute Wirtschaftspolitik

Von Winand von Petersdorff

Der Vorwurf: Deutschland lebt mit seinem parasitären Wirtschaftsmodell auf Kosten anderer Länder. Doch die Taktik der Bundesregierung stiftet Vertrauen für die nächsten Jahre. Mehr 15

17.02.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.848,03 +1,42%
 OK
Umfrage

Sollen Kinderlose einen „Solidarzuschlag" zahlen?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.