Die Deutschen fühlen sich nicht richtig wohl und legen in Krisenzeiten besonderen Wert auf Sicherheit: Das hat ein neuer Indikator ergeben. Der "Nationale Wohlstands-Index für Deutschland" (NAWI-D) zeichet ganz unabhängig vom BIP auf, worauf die Deutschen bei ihren Zukunftsüberlegungen besonderen Wert legen und wie zufrieden sie mit ihrer derzeitigen Lebenssituation sind. Dafür wurden 2000 Bundesbürger befragt. Entwickelt wurde der Index von dem Hamburger Meinungsforschungsinstitut Ipsos und dem Zukunftsforscher Horst Opaschowski.
Der NAWI-D berücksichtigt vier Wohlstands-Bereiche. Besonders dominant sei der ökonomische Wohlstand, sagt Opaschowski: „Es geht nicht um das Immer-Mehr. Die Deutschen wollen ihren erarbeiteten, verdienten und erworbenen Wohlstand in Sicherheit bringen und gegen Lebensrisiken absichern." Wohlhabend ist also der, der auch in Zukunft sicher und sorgenfrei leben kann. Weitere berücksichtigte Aspekte sind Naturnähe und Nachhaltigkeit, Freiheit, Frieden und Gesundheit. Das Ergebnis: Bei einem möglichen maximalen Indexwert von 100 ermittelte das Institut in der ersten Erhebung insgesamt gerade einmal eine 42,4. „Wenn man bedenkt, dass der Wert rein theoretisch zwischen 0 und 100 liegen kann, gibt es bei einem reichen Land wie Deutschland noch viel Luft nach oben", sagt Hans-Peter Drews von Ipsos. Vergleichswerte dazu gibt es bislang nicht, weil der Index erstmalig ermittelt wurde.
„In unsicheren Krisenzeiten hat der Wunsch nach Wohlstand mehr mit der Verhinderung von Angst, Not und Sorge als mit Geldausgeben und dem Genuss von Luxus und Überfluss zu tun", erklärt der Zukunftsforscher. „Zugespitzt: Die fetten Jahre sind vorbei - das Schlaraffenland ist abgebrannt." Das Damoklesschwert der materiellen, mentalen und sozialen Unsicherheit schwebe über allem.
Fast drei Viertel der Deutschen fühlen sich erst wohlhabend, wenn sie materiell soweit abgesichert sind und sie keine finanziellen Sorgen mehr haben müssen. Wohlstand wird von ihnen eher negativ definiert: als Abwesenheit von Risiken und finanziellen Nöten. Nur etwa ein Drittel der Befragten kann von sich sagen, keine finanziellen Sorgen zu haben. Eine weitere Erkenntnis der Studie: Je mehr Menschen in einem Haushalt zusammenleben, desto glücklicher und gesünder fühlen sie sich. Gerade einmal jeder dritte Alleinlebende konnte dagegen von sich sagen, glücklich zu sein. „Unsere Untersuchung zeigt: Mehr Lebensqualitätssicherung ist die Forderung der deutschen Bevölkerung an die Politik“, bilanziert der Zukunftsforscher Horst Opaschowski.