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Energiewende : Neuer Rückschlag für Meereswindpark in der Nordsee

Problem-Windpark Bard 1 Bild: dpa

Das erste große deutsche Meereskraftwerk steht immer wieder still: im Herbst, im Winter, im Frühjahr, im Sommer. Die Ursachen sind noch nicht behoben. Den Stromkunden drohen hohe Kosten.

          Es waren lauter positive Nachrichten, die der niederländisch-deutsche Stromnetzbetreiber Tennet zum Monatsbeginn meldete: Umsatz erhöht, Investitionen ausgeweitet, Eigenkapital gestärkt, Netzausbau geht voran und nicht zuletzt der Umstand, dass die niederländische Regierung das Staatsunternehmen mit dem Aufbau des Stromnetzes vor der niederländischen Küste beauftragen will. Das ist keine Kleinigkeit, denn das Investitionsvolumen wird auf 2 bis 3 Milliarden Euro veranschlagt.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Bei so viel guten Meldungen zum Halbjahr ging eine andere, still ins Netz gestellte Information fast unter: In der Deutschen Bucht läuft das Offshore-Geschäft weiterhin alles andere als rund. Vor allem der Pleiten-Pech-und-Pannen-Offshore-Park Bard 1 mit seinen achtzig Mühlen und 400 Megawatt Kapazität sowie der offenbar prekäre Netzanschluss Borwin 1 vor Borkum bereiten Sorgen. Seit seiner Inbetriebnahme vor einem Jahr steht das erste große deutsche Meereskraftwerk immer wieder still: im Herbst, im Winter, im Frühjahr, im Sommer. Am 20. Juni stieg das System zum letzten Mal aus. Bis heute ist es nicht am Netz.

          Eigentlich sollten die Fehlerquellen im technischen Bermudadreieck aus Windmühlen, Netzanbindung und Konverterplattform bis August aufgespürt und behoben sein. Inzwischen glauben die Fachleute vom Betreiber Tennet, dem Hersteller ABB und dem Eigentümer des Windparks, der Hypo-Vereinsbank, zwar, der Fehlerquelle auf der Spur zu sein. Beide Systeme alleine laufen rund, zusammen aber harmonieren sie nicht. Man brauche deshalb, so heißt es im Umfeld der Beteiligten, „mehr Zeit für mehr Tests“. Voraussichtlich bis September 2014 werde die Beschränkung bestehen bleiben, schreibt Tennet: „Das Netzanschlusssystem kann auf Grund noch nicht abgeschlossener Ursachenermittlung nicht wieder zugeschaltet werden, da die Gefahr eines gleichartigen neuerlichen Schadens besteht.“

          Wer haftet für die Fehler?

          Einen Kollateralschaden eigener Art erleidet dadurch der im Aufbau befindliche Nachbarwindpark Global Tech 1. Er sollte Arbeitsstrom für die Versorgung der Mühlen von Borwin 1 beziehen. Bis der neue Park im September den Test beginnt, werde der Baustrom nun mit Dieselaggregaten erzeugt, sagen die Bauherren.

          Der wirtschaftliche Schaden durch den mehrfachen Ausfall des ersten deutschen Offshore-Windparks ist enorm. Je nachdem, wer für die Fehler haftbar gemacht wird, drohen den Stromkunden hohe Kosten. Denn für Fehler des Netzbetreibers oder Anschlussprobleme und daraus resultierende Kosten oder Ausfälle auf Seiten der Mühlenbesitzer haftet der Betreiber selbst nur in geringem Umfang. Voriges Jahr zahlten die Stromverbraucher deshalb 720 Millionen Euro zusätzlich.

          Die Rechnung dürfte dieses Jahr kaum geringer ausfallen. Tennet bringt wegen Verzögerungen bei vier Netzanschlüssen Windparks verspätet zum Ende dieses Jahres oder im nächsten Jahr ans Netz. Das zeigt einmal mehr, dass die Einführung der neuen Technik weit vor der Küste – und das mehr oder weniger gleichzeitig und nicht in einem schrittweisen Lernprozess – mit größeren Schwierigkeiten verbunden ist, als erwartet worden war.

          Immerhin kann der Netzbetreiber davon berichten, drei Offshore-Konverterplattformen mit einer Kapazität von fast 2.400 Megawatt erfolgreich installiert zu haben. Ob sie den Windstrom erfolgreich und dauerhaft an Land bringen, wird man dann in den nächsten Monaten sehen. Eine weitere Megaplattform, auf der Wechselstrom der Windmühlen in Gleichstrom für den Transport umgespannt wird, ist auf dem weiten Weg aus dem arabischen Golf in die Deutsche Bucht. Tennet gibt sich ziemlich sicher, „bis 2020 mindestens 7.100 Megawatt an Offshore-Anbindungskapazität installiert zu haben und damit die von der Bundesregierung gesetzten Ziele frühzeitig zu erfüllen“.

          Die Politik hat aus dem hürdenreichen Aufbau der Offshore-Stromerzeugung Konsequenzen gezogen und die Ausbaupläne gekürzt. Bis 2020 sollen nur noch 6.500 statt bisher 10.000 Megawatt (MW) Strom offshore erzeugt und an Land gebracht werden, zehn Jahre später statt 25.000 MW nur noch 15.000 MW. Konsequenzen aus den reduzierten Ausbauzielen zieht auch der Baukonzern Hochtief. Er kürzt die Zahl seiner 350 Beschäftigten in der Offshore-Sparte.

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