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Neuer Präsident Spiele-Experte soll Sony führen

01.02.2012 ·  Machtwechsel an der Sony-Spitze: Der japanische Elektronikkonzern hat seinen bisherigen Vizechef Kazuo Hirai zum neuen Präsidenten ernannt. Hirai ist ein Mann mit Charme und Führungswille. Beides wird er brauchen, denn auf ihn wartet eine Herkulesaufgabe.

Von Carsten Germis, Tokio
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Im Gespräch als neuer Chef des japanischen Elektronikkonzerns Sony ist Kazuo Hirai schon seit einiger Zeit. Seit Mittwoch ist es nun offiziell: Hirai wird zum 1. April neuer Präsident von Sony. Howard Stringer, der starke Mann des Unternehmens, rückt dann in den Verwaltungsrat. „Ich werde Kazuo in jeder Beziehung unterstützen“, sagte er jetzt in Tokio.

Loblied vom scheidenden Präsidenten

Hirai ist seit langem der Kandidat, den Stringer sich für seine Nachfolge ausgeguckt hatte. Schon im März 2011, kurz vor dem verheerenden Erdbeben und Tsunami, waren die japanischen Medien voller Spekulationen, der 51 Jahre alte Manager sei der aussichtsreichste Nachfolgekandidat des 18 Jahre älteren Stringer, der Sony seit der Finanzkrise 2009 führt und seitdem an einer neuen Führung baute, die den Konzern für den globalen Wettbewerb fit machen soll. Die Katastrophe vom 11. März hat Hirai als Kronprinzen dann aus den Schlagzeilen verdrängt - bis jetzt.

Bereits im Februar 2009 habe er eine neue Generation Führungskräfte in sein Team geholt, sagt Stringer heute, darunter eben auch Hirai. „Ich bin überzeugt, dass seine Geradlinigkeit und seine Führungseigenschaften von großem Vorteil für das Unternehmen sein werden“, sagte der scheidende Präsident.

Der Konzern muss profitabel werden

Hirai übernimmt die Führung in einer schwierigen Zeit. Seit Jahren fehlt es dem Unternehmen, das einst den Walkman erfand, an neuen Ideen. Wettbewerber wie Apple aus den Vereinigten Staaten oder Samsung aus Südkorea haben Sony Marktanteile abgenommen, ohne dass die Japaner bislang eine Antwort entgegen setzen konnten. Stringer hat als Präsident zwar die Strukturen schlanker gemacht, aber Gewinne schreibt das Unternehmen bis noch immer nicht. Zuletzt verhagelten ihm die Erdbebenkatastrophe und der starke Yen die Bilanzen verhagelt. Für Hirai als neuen Chef spricht, dass er es geschafft hat, die Spielesparte des Konzerns auch in einem hart umkämpften Markt wieder profitabel zu machen. Nach vier defizitären Jahren soll er dies jetzt für den gesamten Konzern wiederholen.

Stringer hat Hirai von Anfang an gefördert. Er sei „erster unter Gleichen“, wenn es um seine Nachfolge gehe, hat der scheidende Chef immer wieder über den Japaner gesagt, der seine Laufbahn in der Musiksparte von Sony begonnen hat. Unmittelbar nachdem er als Lieblingskandidat Stringers bekannt geworden war, sah es im April 2011 so aus, als komme der Höhenflug Hirais zu einem abrupten Ende. Als Vizechef, der für die Play Station verantwortlich ist, musste er damals die die Aufgabe übernehmen, sich in Tokio bei Millionen Kunden der Play Station mit einer minutenlangen, tiefen Verbeugung zu entschuldigen. Er leistete Abbitte dafür, dass es Hackern gelungen war, Mitte April in die Sony-Rechner einzudringen und die persönlichen Daten von mehr als 70 Millionen Nutzern der Play Station und der Online-Verkaufsplattform für Musik und Filme zu stehlen.

Feuertaufe bestanden

Hirai musste in den kommenden Wochen zum einen Sony davor bewahren, wegen des riesigen Datendienstahls Kunden an die Konkurrenz zu verlieren. Zum anderen kämpfte er um seine eigene Zukunft. Seine Feuertaufe bei Sony hatte begonnen, bevor er auf dem Chefsessel Platz nehmen konnte.

Er hat sie bestanden. Hirai, der an der Hochschule der Schönen Künste in Tokio studierte, aber auch in den Vereinigten Staaten ausgebildet wurde und fließend Englisch spricht, hat sich damals in der Krise anfangs zwar genau so verhalten, wie das in Japan gerne gemacht wird. Unangenehmes wird verschwiegen, so lange es geht. Wegducken und abwarten. Doch der große, schlanke Mann, der in seinen Anzügen stets eine elegante Figur macht, hat die Kurve noch rechtzeitig bekommen.

Am Ende war Stringer davon überzeugt, sich den richtigen Mann für seine Nachfolge ausgesucht zu haben. Als er Hirai zu seinem Kronprinzen erkor, sagte Stringer, sein Nachfolger sei „loyal und gut geschult darin, Produkte zusammenzuführen“. Außerdem, so Stringer, sei der Japaner eine „charmante Persönlichkeit“. Kaum ein anderer als dieser Mann, der Modelleisenbahnen und Luxusuhren sammelt, könnte die notwendigen Veränderungen bei Sony durchsetzen und dennoch allzu abrupte Umbrüche vermeiden.

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Jahrgang 1959, Wirtschaftskorrespondent für Japan mit Sitz in Tokio.

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