Bei der Präsentation der letzten Studie vor einem Jahr überschlugen sich der Unternehmensberater und sein Auftraggeber, Wirtschaftsminister Werner Müller, noch mit Superlativen. Von der „einmaligen Erfolgsgeschichte“ und der „Jobmaschine“ Neuer Markt war damals die Rede. Heute präsentierte Roland Berger verhaltenere Ergebnisse:
Zum Stichtag 20. Juli beschäftigten die 342 am Neuen Markt gelisteten Unternehmen insgesamt 186.000 Mitarbeiter. Das sind rund sechzig Tausend mehr als der Münchener Unternehmensberater vor Jahresfrist zählte. „Die Unternehmen am Neuen Markt sind stabile Beschäftigungsträger“, resümiert Berger. Die Arbeitsplätze im Risikosegment seien robuster als der Börsencrash es vermuten lässt. Allerdings waren zum Stichtag lediglich acht Firmen in Insolvenzverfahren. Seit dem steht mindestens noch mal so viele kurz vor der Pleite. Ein Ende des Niedergangs ist nicht in Sicht. Mit Folgen auch für die Vorstandsetagen. Nach Berger wurden im Jahr 2000 174 Vorstände bei 110 Unternehmen entlassen.
Verhaltene Prognose
Noch vor Jahresfrist hatte Berger für Ende 2002 schon 560 Unternehmen am Neuen Markt mit 277.000 Beschäftigten prognostiziert. Jetzt sagt er einen Nettozuwachs von drei Unternehmen voraus, wobei die bis dahin insolventen Firmen berücksichtigt sind. Der Auftraggeber der Studie, Wirtschaftsminister Müller, sorgt sich angesichts des beschädigten Rufes des Neuen Marktes bei Investoren, um die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Das für den technologischen Wandel notwendige Risikokapital könnte versiegen, wenn das Vertrauen nicht wieder zurückkehrt.
Die von der Deutschen Börse angekündigten Verschärfungen bei der Qualität der Emissionsprospekten auf dem Neuen Markt wird nach Müller mehr Transparenz schaffen. „Doch kein Regelwerk wird spekulative Blasen durch kollektive Fehleinschätzungen und Herdenverhalten der Anleger verhindern“, sagte Müller. Die Euphorie für das Risikokapital scheint auch im Wirtschaftsministerium zu erlahmen. Eine Folgestudie über die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt ist nicht geplant.