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Neuer Deutsche-Bank-Chef Anshu Jains Berlin-Premiere

 ·  Der neue Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain hat bei seinem ersten großen öffentlichen Auftritt neben der Kanzlerin Deutschland als „Musterschüler“ gelobt. In der Eurokrise seien alle Augen auf Deutschland gerichtet.

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Die Charmeoffensive ist Anshu Jain gelungen. Ein paar Sätze auf Deutsch und ein Loblied auf den deutschen Mittelstand - allein das reichte beim CDU-Wirtschaftstag am Dienstagabend in Berlin für viel Beifall und Sympathien. Der neue Deutsche-Bank-Chef bekannte im überfüllten Hotel InterConti auch noch: „Die Deutsche Bank ist seit zwanzig Jahren mein Leben und mein Zuhause.“ Die Erwartungen an den ersten großen Auftritt des neuen starken Mannes in Deutschlands größtem Geldhaus auf Berliner Politik-Parkett waren enorm.

Befürchtungen gab es schon vor dem Machtwechsel in den Frankfurter Doppeltürmen Ende Mai: Der Co-Chef neben Jürgen Fitschen werde den Vorstand des deutschen Branchenprimus’ aufmischen und sich mit Getreuen umgeben. Oder: Der erfolgreiche Investmentbanker werde die Bank zu größeren Risiken treiben. Die gesellschaftspolitische Rolle der Bank sei ihm nicht bewusst. Die größte Sorge: Die Deutsche Bank, einziges deutsches Institut von Weltrang, könnte unter Führung des Inders schon bald von London aus oder gar New York gelenkt werden.

Davon war bei Jains Auftritt in Berlin wenig zu vernehmen. Im Gegenteil. Statt von Renditezielen sprach er vom Zusammenwachsen Europas, dem „größten Friedensprojekt, das die Welt je gesehen hat“. Den harten Sparkurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte er als richtigen Weg.

Noch ist Jain für viele eine große Wundertüte. Bei seinen bisher nur wenigen öffentlichen Auftritten gibt er sich unkompliziert und stets freundlich. Häufig mit seinem Markenzeichen - einem lässig über die Schultern geworfenen Rucksack. In Deutschland ist der 49-Jährige aber noch nicht wirklich angekommen. Ein deutsches Wort war - bis zum Berliner Auftritt - in der Öffentlichkeit von ihm nicht zu hören.

Das änderte sich am Dienstagabend. Er leitete seine Rede auf Deutsch ein und beendete sie auf Deutsch - übrigens fast akzentfrei. Vor allem aber sagte er „Mittelstand“ auf Deutsch und bezeichnete diesen als den heimlichen Helden des Erfolgs der deutschen Wirtschaft. Und er kündigte einen neuen „Vertrag“ zwischen Banken und Bürger an, weil diese zu Recht das Vertrauen während der Finanzkrise in die Geldhäuser verloren hätten.

Der Kontakt zur Berliner Politik, vor allem aber ein direkter Draht zur Machtzentrale ist für die Chefs deutscher Dax-Konzerne in den vergangenen Jahren immens wichtig geworden. Nicht nur für Strippenzieher staatsnaher Unternehmen sind gute Kontakte zu Kanzleramt und Spitzen von Koalition und Opposition ein Muss.

Jains Vorgänger Josef Ackermann war mit der Politik weltweit enorm vernetzt. Zu seinem 60. Geburtstag im April 2008 hatte Kanzlerin Merkel eigens ins Kanzleramt geladen. Nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers handelte der Schweizer in hektischen Nachtsitzungen mit Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) Milliarden-Rettungspakete aus - zur Not auch mal schnell vor Börsenstart per Handy. Nur um später anderen Geldhäusern vor den Kopf zu stoßen, die sich vom Staat stützen ließen: „Ich würde mich schämen, wenn wir in der Krise Staatsgeld annehmen würden.“ In der Euro-Schuldenkrise hatte Ackermanns Wort - auch als Chef des internationalen Bankenverbandes - Gewicht. Zuletzt allerdings ist auch sein Verhältnis zu CDU-Chefin Merkel merklich abgekühlt.

Die emsigen Kommunikationsstrategen von Jain hatten sich den CDU-Wirtschaftstag ausgesucht, um den neuen Deutsche-Bank-Chef öffentlich im Berliner Politik-Betrieb einzuführen. Nach nur einigen Tagen im Amt, bei einer parteipolitischen Veranstaltung. Jain dürfte sich aber mit Aufsichtsratschef Paul Achleitner und Fitschen abgestimmt haben, die in der Hauptstadt keine Unbekannten sind. Immerhin war Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) dabei, den der Top-Banker denn auch auf Deutsch umgarnte: „Herr Minister Schäuble: Es war mir eine Ehre, vom gleichen Podium wie Sie zu sprechen.“

Es war ein wohl überlegter Auftakt: Selbstkritik als Banker, Bekenntnisse zum Standort Deutschland und zum Mittelstand und ein Lob auf die deutsche Industrie kamen an. Große wirtschaftspolitische Themen umschiffte Jain aber, der lieber über das reine Bankgeschäft redet. Zur Charmeoffensive gehörte auch, nicht übertrieben vor Eingriffen der Politik zu warnen. Schäuble fand Jain schon fast „zu freundlich“. Bei einem solch ersten Auftritt sei das aber nachzusehen, sagte der alterfahrene, gewiefte Politiker.
 

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