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Veröffentlicht: 02.01.2017, 21:39 Uhr

Neue Digitalmarke VW öffnet Moia für Investoren

Europas größter Autohersteller hat für seine Tochtergesellschaft Moia große Pläne: Sie soll Uber, Car2go und Co. Konkurrenz machen. Und wagt dafür sogar einen Kulturbruch.

von , Hamburg
© dpa VW-Vorstandschef Matthias Müller (rechts) und Ole Harms, der die Sparte Moia leitet

Volkswagen will seine neue Digitalmarke Moia für externe Investoren offen halten. „Wir sind so eigenständig aufgestellt, dass wir mit Moia genauso am Markt agieren können wie unsere Wettbewerber“, sagte der Vorstandschef des im vergangenen Jahr gegründeten neuen Unternehmens für Mobilitätsdienstleistungen, Ole Harms, in einem Interview mit dem Bremer „Weserkurier“. Die 13. Marke des VW-Konzerns sei dabei auch offen für externe Investoren. „Frisches Kapital ist immer gut, und ein Investor ist immer ein gutes Korrektiv“, sagte Harms.

Carsten Germis Folgen:

Volkswagen hat den Konzernsitz seiner neuen Mobilitätsdienste bewusst nach Berlin gelegt und die Neugründung nicht am Unternehmenssitz in Wolfsburg angesiedelt. Konzernchef Matthias Müller hatte die neue Firma im Juni 2016 in der Hauptstadt vorgestellt, als er bekannt gegeben hat, dass VW mit 300 Millionen Dollar in den israelischen Mobilitätsdienstleister und Uber-Konkurrenten Gett eingestiegen ist. Er wünsche sich Partner, die „ein klares Geschäftsmodell haben und in anderen Regionen als wir präsent sind, sagte Harms. „Und wir schauen nach bestimmten Technologien, von den Algorithmen bis zu den Bausteinen für das autonome Fahren.“

Stets alles selbst gemacht

Für Volkswagen sind Moia und die neue Offenheit für Investoren von außen ein Kulturbruch. Das Wolfsburger Unternehmen hat in seiner Geschichte stets alles selbst gemacht. „Für stolze technologiegetriebene Unternehmen wie unseres noch recht ungewohnt ist die Erkenntnis, dass man nicht alles allein entwickeln kann“, hatte Müller gesagt, als er seine Pläne vorstellte. Moia und die Zusammenarbeit mit dem Mobilitätsdienstleister Gett stehen mehr als alles andere in der Strategie des Konzernchefs für diesen Kulturwandel von Volkswagen.

Die 13. Marke bekommt für den Aufbau ihres neuen Dienstleistungsgeschäfts neben der Beteiligung an Gett vom Konzern für die nächsten beiden Jahre einen „relevanten dreistelligen Millionenbetrag on top“, sagte Harms. „Und wir müssen dann natürlich beim Umsatz in eine Größenordnung kommen, die solche Investitionen auch rechtfertigt.“ Konzernchef Müller rechnet damit, dass der Markt für Fahrvermittlung und Mobilität auf Abruf allein in Europa im Jahr 2025 Umsatzerlöse von bis zu zehn Milliarden Euro erzielt. Experten rechnen mit Wachstumsraten von mehr als 30 Prozent im Jahr, wenn die Angebote anlaufen. Bislang sind solche Dienste allerdings noch nicht profitabel. „Wir wollen eine relevante Präsenz bis zum Jahr 2020 haben, und wenn wir es schaffen, knacken wir auch die Umsatzmilliarde“, sagte Harms.

„Angebote, die sich jeder leisten kann“

Berlin und Hamburg sind die beiden Standorte in Deutschland, in denen Moia nach allem, was bislang bekannt ist, starten will. „Unser Ziel ist eine App, die alles anbieten kann: eine Privatfahrt mit einem Auto, in dem Sie alleine mit Ihrer Frau zum Essen fahren, oder eine Fahrt mit einem Shuttle, in dem auch andere mitfahren“, sagte Harms. Taxi, Gett, Uber oder Carsharing seien noch teuer. „Wir machen On-Demand-Angebote, die sich jeder leisten kann“. Harms sprach gar von einer „Demokratisierung der Mobilität“ und kündigte Preise an, die mit dem öffentlichen Nahverkehr vergleichbar seien.

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In Berlin und Hamburg will Moia diese Shuttleservices schon bald anbieten und dazu Fahrzeugflotten mit einer vierstelligen Zahl lizenzierter Fahrer aufbauen. „Wir werden ein Jahr brauchen, um das Angebot rund zu haben“, sagte Harms. „Wir haben für den Kunden eine App, wir managen die Flotte, und wir stellen Fahrzeuge bereit, die für unseren Zweck gebaut werden.“ 2020 soll Moia in rund 40 Städten präsent sein und mehr als eine Milliarde Euro Umsatz machen. „Wir reden nicht nur über Millionenstädte, sondern wir wollen auch in kleineren Großstädten präsent sein“, kündigte Harms an. Nach seinen Angaben hat sich Moia rund 200 Städte bereits „sehr genau“ angeschaut.

Moia selbst wird nie eigene Autos entwickeln und bauen. „Aber wir werden einer der großen Abnehmer von Elektrofahrzeugen für den Einsatzzweck ,Sharing’ bei den Volkswagen Konzernmarken sein“, sagte Harms. Die Autos sollen im Konzern speziell für Moia entwickelt werden. Das Partnerunternehmen Gett soll zudem mit seinen Taxi-ähnlichen Angeboten 2017 auch in Kontinentaleuropa an den Start gehen, Harms hat aktuell Frankreich und Spanien dafür im Blick. „Aber noch ist nichts entschieden.“

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