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Neue Mobilität : In Singapur fahren die Taxis nun selbst

Das erste selbstfahrende Taxi der Welt wird im tropischen Stadtstaat Singapur erprobt. Bild: dpa

Zwei Firmen probieren das fahrerlose Taxi im Tropenstaat aus. Ihre Begründung, warum sich Singapurs Straßenverkehr dafür besonders eignet, ist kurios.

          Das erste selbstfahrende Taxi der Welt wird seit diesen Donnerstag im tropischen Stadtstaat Singapur erprobt. Das Startup Nutonomy bietet ausgewählten Nutzer die Gelegenheit, ein selbstfahrendes Taxi in einem Stadtviertel über eine App auf ihrem Mobiltelefon zu buchen. Nach Angaben des Unternehmens ist dies der erste Feldversuch weltweit. Das Taxiunternehmen Uber plant eine ähnliche Testreihe im amerikanischen Pittsburgh.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Zunächst beginnt Nutonomy auf der Tropeninsel mit sechs Fahrzeugen. Sie kurven durch das Universitätsviertel One-North, in dem viele staatliche Forschungsinstitute angesiedelt sind. Schon vor Monaten bei der Eröffnung eines dieser Institute nutzen Politiker die erste Gelegenheit, mit einem fahrerlosen Taxi zu kommen. Bis Jahresende soll die Zahle der „Robo-Taxis“  auf zwölf steigen. Für 2018 aber ist schon eine ganze Flotte geplant, die dann den hochbesteuerten Privatverkehr auf der Millionärsinsel, in deren Straßenbild Ferrari und Lamborghini normal sind, zu Teilen ersetzen soll.

          Nicht nur wegen des Wetters ideal

          Noch ist es erkennbar nur ein Versuch: Das Viertel misst nur rund 2,5 Quadratkilometer, die Nutonomy-Wagen steuern nur ausgewählte Haltepunkte an. Sie tragen die blau-gelben Nummernschilder für Elektroautos, denn genutzt werden der Renault Zoe und der Mitsubishi i-MiEV. Auch die Besetzung der Wagen ist für ein Taxi ungewöhnlich: Neben einem Fahrer, der aber eben nur im Notfall eingreifen kann und soll, ist auch ein Ingenieur an Bord, der die Daten des Fahrzeugs auswertet. Dafür ist die Fahrt für Gäste noch kostenlos. Die Amerikaner probieren ihre Technik in Großbritannien gemeinsam mit dem indischen Automobilhersteller Tata an dessen Marke Jaguar Land Rover aus.

          Nutonomy wurde erst vor zwei Jahren vom heutigen Vorstandsvorsitzenden Karl Iagnemma und Emilio Frazzoli gegründet. Das Unternehmen arbeitet mit rund 50 Mitarbeitern in Singapur und Massachusetts. Am dortigen Institute of Technology waren die Gründer als Wissenschaftler beschäftigt. Die Träume sind groß: Nutonomy erwartet auf Dauer eine Verringerung des Verkehrs in Singapur von rund 900.000 auf 300.000 Automobile. Allerdings müssen die Gründer schon mit Konkurrenz rechnen: Die Verkehrsbehörde in Singapur hat auch ein Abkommen mit dem amerikanischen Branchenzulieferer Delphi Automotive Systems geschlossen, das fünf fahrerlose Automobile in Singapur ausprobieren will.

          Der Stadtstaat mit seinen knapp sechs Millionen Einwohnern sei aufgrund seines guten Wetters, seiner guten Infrastruktur und der Bereitschaft seiner Bevölkerung, auch die Verkehrsregeln einzuhalten, für die Testphase ideal, sagte Iagnemma. Der Stadtstaat seinerseits sucht nach Wachstumsmodellen, und will sich als Zukunftslabor immer wieder neu erfinden.

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