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125 Jahre Diesel : Umweltfreundlich oder umweltfeindlich?

Erfinder Rudolf Diesel: Seine Erfindung steckt gerade in einem Teufelskreis. Bild: dpa

Der Diesel war erfolgreich, weil er weniger als Benziner verbraucht. Das versprach schon sein Erfinder Rudolf Diesel. Mittlerweile befindet sich der Verbrennungsmotor aber in einer Krise. Eine Bilanz.

          Als Rudolf Diesel vor 125 Jahren die Erfindung seines neuen Verbrennungsmotors patentieren ließ, war ihm ein Merkmal seiner Innovation von Anfang an bewusst. „Der Erfolg des neuen Verfahrens gegen alle bisher bekannten ist eine bedeutende Brennmaterialersparnis für gleiche Arbeitsleistung“, heißt es in für heutige Verhältnisse holprigem Deutsch auf der dritten Seite der Schutzschrift, die Diesel am 27. Februar 1892 beim Kaiserlichen Patentamt einreichte. Mit anderen Worten: Der Motor des damals 33 Jahre alten Ingenieurs sollte sparsamer sein als die bis dahin bekannten Alternativen.

          Eineinviertel Jahrhunderte nach dem Antrag auf das Patent mit der Nummer 67207 steht der nach seinem Erfinder benannte Motor in relativ schlechtem Licht da – trotz der Sparsamkeit. Grund dafür ist die Betrugsaffäre von Volkswagen, die vor anderthalb Jahren bekanntwurde. Volkswagen hatte die Software von Dieselmotoren so manipuliert, dass sie auf dem Prüfstand weniger Abgase und vor allem weniger Stickoxide (NOx) ausstießen als auf der Straße. Dem Unternehmen hat das zahlreiche strafrechtliche und zivilrechtliche Verfahren in den Vereinigten Staaten und in Deutschland eingebrockt. Bisher belaufen sich die Kosten für den Dieselskandal auf mehr als 22 Milliarden Euro.

          Aber auch der Ruf des Diesels hat gelitten. „Der Dieselmotor hat seinen Höhepunkt überschritten“, sagt Stefan Bratzel, Professor am Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. „Er wird nicht unmittelbar von der Bildfläche verschwinden, hat aber wegen des Vertrauensverlusts durch die Dieselaffäre deutlich an Akzeptanz verloren.“

          Dabei hatte der Motor in den vergangenen Jahren in Europa und auch in Deutschland einen regelrechten Aufschwung erlebt. Der Grund: Dieselmotoren haben, wie schon vom Erfinder vor 125 Jahren beschrieben, einen rund 15 Prozent höheren Wirkungsgrad als Ottomotoren, die mit Normalbenzin laufen. Auf 100 Kilometern verbrauchen sie rund ein Drittel weniger Kraftstoff und stoßen dabei etwa 20 Prozent weniger Kohlendioxid aus. Daher galt der Diesel vor allem für Vielfahrer lange als günstige Alternative zum Ottomotor und als umweltschonender, wenn allein der Kohlenstoffdioxid-Ausstoß die Maßgabe ist. Diese Vorteile wogen den höheren Anschaffungspreis in vielen Fällen auf.

          Marktanteil der Dieselmotoren nimmt ab

          In der Folge fuhren mehr Dieselfahrzeuge auf deutschen Straßen. Allein zwischen den Jahren 2008 und 2016 wuchs die Zahl der Personenkraftwagen mit Dieselmotor in Deutschland von rund 10,1 Millionen auf 14,5 Millionen – ein Zuwachs von mehr als 40 Prozent. Rund ein Drittel aller Personenwagen waren Anfang vergangenen Jahres Dieselautos. Allerdings hat der Marktanteil dieser Motorenart an den Neuzulassungen zuletzt abgenommen. Im vergangenen Jahr fiel er um rund 2,1 Prozentpunkte auf 45,9 Prozent – der niedrigste Wert seit sechs Jahren.

          Dass die Autohersteller in einem wachsenden Markt, prozentual gesehen, weniger Neuwagen mit Dieselmotoren verkaufen, bringt sie in eine Zwickmühle. Das hat mit der europäischen Klimaschutzpolitik zu tun, die vornehmlich darauf abzielt, den Ausstoß des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid zu verringern. Vom Jahre 2021 an sollen die Neuwagenflotten der Hersteller im Durchschnitt 95 Gramm Kohlenstoffdioxid je Kilometer ausstoßen. Derzeit liegt der Durchschnitt aller Neuzulassungen bei gut 127 Gramm.

          Zum 60. Geburtstag des Dieselmotors wurde eine Gedenktafel für Erfinder Rudolf Diesel in Augsburg enthüllt.
          Zum 60. Geburtstag des Dieselmotors wurde eine Gedenktafel für Erfinder Rudolf Diesel in Augsburg enthüllt. : Bild: dpa

          Nur mit den sparsameren Dieselmotoren könnten die Hersteller dieses Ziel erreichen, sagt Autofachmann Bratzel. Wegen des Dieselskandals von Volkswagen müssen sie allerdings auch dafür sorgen, dass ihre Motoren nicht nur auf dem Prüfstand, sondern auch im Regelbetrieb weniger Stickoxide ausstoßen. Das sei zwar möglich, aber es lässt die Preise für Motoren und damit auch für die Fahrzeuge steigen.

          „Der Dieselmotor steckt in einem Teufelskreis“, sagt Bratzel. „Er wird in Zukunft teurer und weniger wirtschaftlich werden.“ Die Folge sei, dass das Aggregat wohl künftig in kleineren Fahrzeugsegmenten seltener angeboten werde, also bei den Kleinwagen, in der Kompakt- oder der Mittelklasse. In den teureren Oberklassefahrzeugen werde sich der Einsatz aber wohl weiter rechnen.

          Quelle: F.A.Z.

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