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MAN : Wenn der Lastwagen autonom fährt

Fahren autonom, aber nicht unfallfrei: Modell-Trucks von MAN auf der Cebit Bild: MAN

Die Digitalisierung kommt in der Logistikbranche an: Eine Cloud-Plattform sammelt allerlei Daten, die Lastwagen fahren autonom. Im Modell funktioniert es auch. Fast.

          So etwas sieht man heutzutage auf einer Computermesse: Die kleinen Lastwagen kurvten in Halle 11 auf der Cebit im rasanten Tempo auf einem Parcours umher, an Schreibtischen und Menschen vorbei, nicht immer unfallfrei, aber ohne Schaden. Was da kreiste, waren Modelle von MAN, mit denen das autonome Fahren und die vernetzte Transportbranche erprobt werden. Was der Lastwagen- und Bushersteller aus München durchexerziert, gibt es schon bald in der Wirklichkeit, auf richtigen Straßen, im Alltag von Spediteuren und anderen Logistikdienstleistern. MAN, mit der schwedischen Schwestermarke Scania ein Teil der zum Volkswagen-Konzern gehörenden Sparte VW Truck&Bus, ist in der digitalen Welt der sonst so konservativen Branche angekommen – und der Schlüssel dazu trägt den Namen „Rio“.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Carsten Knop

          verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung und Unternehmen.

          „Rio“ ist ein offenes, über externe Rechenzentren (Cloud) angebotenes Betriebssystem für das gesamte Transportwesen. Es ist angelegt wie ein freier Marktplatz, man kann auch sagen wie ein App-Store. Im September des vergangenen Jahres auf der IAA Nutzfahrzeuge präsentiert, steht es nun vor dem kommerziellen Start: „Mit der von MAN initiierten Rio-Plattform baut Volkswagen Truck&Bus eine umfassende, markenunabhängige Cloud-Lösung auf, die Grundlage für ein transparentes Ökosystem in der Logistik-Branche sein wird“, sagt Joachim Drees, Vorstandsvorsitzender von MAN im Gespräch mit der F.A.Z. Sein Hauptanliegen: „Am Ende muss immer das Ziel stehen, die Profitabilität unserer Kunden zu erhöhen; nur dann nutzen sie diese Plattform auch.“ Rio muss als offenes System funktionieren, weil die meisten Speditionen in ihren Fuhrparks nicht selten Marken von konkurrierenden Herstellern betreiben.

          Das Ziel: Kurze Stillstandszeiten und weniger Spritverbrauch

          Einbezogen werden sollen alle Beteiligten der Liefer- und Logistikkette; vom Versender, über das Transportunternehmen, Verlader, Disponenten, Fahrer und Empfänger. Partner zum Start des Projekts sind der Autozulieferer Continental, die führenden Anhänger- und Aufliegerproduzenten Schmitz-Cargobull, Krone und Meiller, Tom Tom als Navigationsspezialist, Microlise, Telogis und Idem als Lösungspartner und Start-ups wie der Parkassistent Parkhere und der Verladungsoptimierer Loadfox. Mittendrin steht MAN.

          MAN : Autonomer LKW im Miniformat

          Was das bringen soll? Möglichst kurze Stillstandszeiten, höhere Kapazitätsauslastung, weniger Kraftstoffverbrauch, geringere Schadstoffbelastung, das Vermeiden von Staus. Und in seiner idealen Umsetzung soll all das auch einmal für Roboter-Lastwagen gelten, wie sie bis vor wenigen Tagen noch als Modelle in der Halle 11 auf dem Messegelände in Hannover herumkurvten.

          Für die Nachfrage nach solchen Lösungen sorgt der enorme Kostendruck in der Branche, in der MAN und andere Nutzfahrzeughersteller bislang meist nur die Lastwagen, Zugmaschinen und Busse geliefert haben. Die Margen sind gering. Nicht selten bleiben karge 4 Cent aus dem berechneten Transportpreis von 1,77 Euro je gefahrenen Kilometer übrig. „Es kommt auf Kleinigkeiten an: „Bisher machen unsere Kunden in vielen Fällen erst von der 52. Woche des Jahres an Gewinn, so eng sind in diesem Geschäft die Margen“, beschreibt Drees die prekäre Lage.

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