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Industrie und Grüne im Dialog : So soll der Diesel sauberer werden

Isch der sauber? Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Daimler-Werk Untertürkheim. Bild: Imago

Werden Millionen Dieselautos aus Innenstädten verbannt? Die Industrie arbeitet an technischen Lösungen. Selbst die Grünen zeigen sich gesprächsbereit.

          Die drohenden Fahrverbote in deutschen Städten wegen zu hoher Luftbelastungen setzen die Autoindustrie unter Druck, doch noch eine technische Lösung für ältere Dieselfahrzeuge zu finden. Die Hersteller arbeiteten derzeit an Möglichkeiten, um eine deutliche Verbesserung bei den innerstädtischen Emissionen von Euro-5-Autos zu erreichen, sagte ein Sprecher des Verbands der Automobilindustrie (VDA) der F.A.Z.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Ziel ist es, die realen Abgasemissionen zu verringern. Denn das Problem des hohen Stickoxid-Ausstoßes der Selbstzünder besteht darin, dass die Fabrikate der meisten Hersteller nur auf dem Prüfstand sauberer geworden sind, nicht aber im Straßenverkehr. Bis zu 13 Millionen Dieselfahrzeuge würden aus Innenstädten verbannt, wenn sie die strenge Abgasnorm Euro 6 erfüllen müssten. Das komplette Nachrüsten der heute 5,9 Millionen Euro-5-Diesel auf Euro 6 sei zu teuer und kaum machbar, weil es tiefe Eingriffe in die Motorsteuerung und die Abgasanlage erfordere, heißt es in der Branche unverändert.

          Kretschmann nennt weitere Optionen für Dieselfahrzeuge

          Eine Bewegung in die Debatte kam zuletzt durch den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne). Der hatte vergangene Woche den Autobauern ein Hintertürchen in Aussicht gestellt: Wenn es möglich sei, Dieselfahrzeuge mit der Abgasnorm Euro 5 in Richtung „Euro 6 light“ zu verbessern, könne man auf Fahrverbote verzichten, sagte er.

          Seit in Stuttgart von 2018 an Fahrverbote drohten, seien die Signale der Wirtschaft positiver, sagte Kretschmann am Wochenende der „Stuttgarter Zeitung“. „Wenn wir den Feinstaub auf andere Weise reduzieren können als durch Fahrverbote, etwa durch intelligente Straßenreinigung, und wenn wir die Stickoxide durch Nachrüstung senken können, dann haben wir beide Probleme erfolgreich in Angriff genommen.“

          Politiker stellen Forderungen an die Industrie

          Bei Kretschmanns Parteikollegen in Berlin kommt die Andeutung einer Wende auf Seiten der Automobilindustrie gut an. Nach einer technischen Lösung zu suchen sei „absolut richtig“, sagte der Fraktionsvize der Grünen im Bundestag, Oliver Krischer, der F.A.Z. „Sauberer machen oder aussperren“ sei die Devise.

          Mit Blick auf Autokäufer, die sich vor wenigen Jahren für einen vermeintlich sauberen Diesel entschieden hätten, fügte er hinzu: „Es kann nicht sein, dass die Industrie getrickst hat und die Autofahrer jetzt die Dummen sind.“ Auch Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte, Kretschmann habe recht mit seiner Forderung, dass die Nachrüstung kommen müsse. „Das muss die Industrie jetzt angehen.“ Die Bundesregierung könne sich nicht länger „wegducken“, sondern müsse sich auch für die Umrüstung starkmachen.

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          Krischer, der Obmann der Grünen im Abgasuntersuchungsausschuss ist, rechnet mit Kosten von 1000 bis 3000 Euro je Nachrüstung. In Großserie werde es aber vermutlich billiger werden. Tragen müsse die Kosten die Industrie. „Die Firmen haben zugelassen, dass ihre Autos in den Innenstädten viel mehr Stickoxide ausstoßen als angegeben.“ Das Nachrüsten sei daher wichtig, um Vertrauen zurückzugewinnen. „Ich bin gelassen, dass der Ingenieursgeist das schafft. Mich erinnert das an die Diskussionen um den Partikelfilter und den Katalysator.“ Einen Widerspruch zur Linie der Grünen, von 2030 an gar keine neuen Autos mit Verbrennungsmotor zuzulassen, sieht Krischer nicht. „Wir müssen jetzt nach einer Lösung für die Autos auf der Straße suchen.“

          Die Autoindustrie will Fahrverbote unbedingt vermeiden, weil sie fürchtet, dass darunter die Nachfrage nach neuen, saubereren Dieselautos leidet. Ihr politisches Argument: Dieselmotoren verbrauchen weniger Kraftstoff und stoßen weniger Kohlendioxid (CO2) aus. Und nur mit dem Selbstzünder ließen sich die CO2-Vorschriften in der Europäischen Union vom Jahr 2020 an erfüllen.

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          Vollständige Nachrüstung unwahrscheinlich

          „Nachrüstlösungen zur Reduzierung der Stickoxidemissionen sind im Einzelfall zu prüfen und können nicht pauschal über alle Fahrzeugmodelle und -motoren bewertet werden“, sagte ein BMW-Sprecher der F.A.Z. Eine komplette Nachrüstung von Euro 5 auf Euro 6 lasse sich aber aus wirtschaftlicher und technischer Sicht kaum darstellen. „Geprüft wird aktuell, ob signifikante Verbesserungen bei der Emission von Schadstoffen durch weniger aufwendige Verfahren zu erzielen sind, ohne dass damit das Niveau neuer Euro-6-Fahrzeuge vollständig erreicht wird. Hier könnte ein Ansatz sein, durch Softwaremaßnahmen zur Senkung der Endrohremissionen das Stickoxidniveau guter Euro-5-Fahrzeuge zu erreichen.“

          Ob das der Politik reicht, um die Einfahrt in die Innenstädte zu erlauben, ist eine andere Frage. Ministerpräsident Kretschmann hat alle Beteiligten – Autoindustrie, Wissenschaft, öffentlichen Verkehr, Energiebranche und Politik – am 24. April zu einem Autogipfel eingeladen.

          Quelle: F.A.Z.

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