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Fahrradfreundlichste Stadt : Was andere Städte von Münster lernen können

Eine Radfahrerin auf dem Prinzipalmarkt in Münster. Bild: dpa

Münster liegt in einer neuen Auswertung mal wieder ganz vorn in der Gunst der Fahrradfahrer. Es gibt ein paar Dinge, die die Stadt einfach besser macht als andere.

          Münster ist eine unauffällige Stadt im nördlichen Nordrhein-Westfalen: beschaulich, bekannt für seine vielen Studierenden und die vielen Kirchen. „Entweder die Glocken läuten, oder es regnet in Münster“, lautet ein alter Spruch in Anspielung auf das schlechte Wetter. 300.000 Einwohner hat die grüne Stadt immerhin. Auch wenn sie etwas kleiner wirkt, weil ein großer Teil der Einwohner in Stadtteilen lebt, die vormals eigene Ortschaft waren und dann eingemeindet wurden.

          Hanna Decker

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Doch in einer Kategorie ist Münster nicht zu schlagen: Sie gilt als die fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands. Das ist auch das Ergebnis einer neuen Auswertung, die der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) nun vorgestellt hat. Den zweiten und dritten Platz belegen demnach abermals Bocholt und Reken. Für die Auswertung wurden im Herbst des vergangenen Jahres 120.000 Radfahrer zu Themen wie Infrastruktur und Sicherheit befragt. Besonders gut in der Kategorie ab 200.000 Einwohner schneiden unter anderem Karlsruhe und Freiburg ab, besonders schlecht Berlin, Köln und Wiesbaden.

          Hier können Sie nachschauen, wie Ihre Stadt abgeschnitten hat.

          Die Münsteraner Infrastruktur unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von der anderer Großstädte. Radwege an allen Straßen sind eine Selbstverständlichkeit, es gibt eigene Abbiegespuren und Ampeln für Fahrradfahrer, und gesondert ausgewiesene Fahrradstraßen sind für Autofahrer gesperrt. So kommt es, dass die Münsteraner fast die Hälfte ihrer Strecken - rund 40 Prozent - mit der „Leeze“ zurücklegen, wie das Fahrrad von den Bewohnern liebevoll genannt wird. Besonders beliebt ist die „Promenade“, ein etwa sechs Kilometer langer grüner Ring um den Innenstadtkern, auf dem nur Jogger und Radfahrer unterwegs sind.

          Ein Ärgernis für Radfahrer in vielen Städten sind Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Auch das ist in Münster vorbildlich gelöst: Am Hauptbahnhof etwa steht ein Fahrradparkhaus, das Platz für 3300 Räder bietet und diese in zwei Etagen in einem geschickten System übereinander stapelt. Etwa zwei Drittel davon sind fest an Berufspendler vermietete Plätze.

          Ein zweites großes Parkhaus befindet sich in der Innenstadt, ein weiteres mit 3000 Plätzen ist am Hauptbahnhof in Planung. Das klingt erst einmal viel - doch dort werden jeden Tag 60.000 Reisende abgefertigt. Kein Wunder also, das die Betreiber klagen, dass sie regelmäßig Bewerber auf die fest vermieteten Plätze abweisen müssen.

          Wie reagieren auf Pedelecs?

          Doch selbst in Münster gibt es noch Dinge zu verbessern. Mit dem „Radwegekonzept 2025“ bereitet sich die Stadt auf die stetig wachsende Zahl ein Einwohnern vor. Kernstück soll ein System von 13 Radwegen sein, die die Stadt mit den Ortschaften im Umland verbinden. Rund fünf Millionen Euro wird das Konzept die neue Stadt jährlich kosten. Planer weisen jedoch daraufhin, dass der Bau einer normalen Straße etwa zehnmal so viel wie ein Radweg kostet. Die Stadt will die Zahl der Fahrradfahrer am Individualverkehr langfristig auf 50 Prozent steigern.

          Eine wachsende Herausforderung für den innerstädtischen Verkehr sind E-Bikes, auch Pedelecs genannt. Einerseits vergrößert sich der Radius rasant, den man mit dem Rad zurücklegen kann, sodass auch zehn Kilometer aus dem Vorort in die Stadt hinein für Pendler kein Problem sind. Andererseits erhöht sich die Unfallgefahr. Autofahrer unterschätzen schnell die Geschwindigkeit von E-Bike-Fahrern, die locker auf 25 Kilometer pro Stunde kommen.

          Der ehemalige Stadtdirektor Hartwig Schultheiß ging gar davon aus, dass es „in ein paar Jahren“ nur noch E-Bikes geben wird. Deshalb sollen, wo immer es geht, Radwege verbreitert werden. So sollen zwei Radfahrer - auch etwa mit Anhänger oder per Lastenfahrrad - bequem nebeneinander fahren können. Außerdem sollen konsequent alle Radwege und Fahrradstraßen mit roter Farbe markiert werden. Besonders im Kreuzungsbereich soll das Unfälle reduzieren.

          Ein weiterer Punkt ist der Service: Nicht nur sollen elektrisch betriebene Luftpumpen zunehmend aufgestellt werden. Auch soll es Möglichkeiten geben, den Akku der Pedelecs unterwegs aufzuladen. So arbeitet Münster daran, auch in Zukunft die fahrradfreundlichste Stadt in Deutschland zu bleiben.

          Quelle: FAZ.NET

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