http://www.faz.net/-gqe-8y3jk

Elektromobilität : So weit sind die deutschen Hersteller in der Batteriefertigung

In Leipzig wird das Elektroauto BMW i3 zusammengeschraubt. Bild: dpa

Die Batterien für deutsche Elektroautos stammen meistens aus Asien. Dabei gehören die Stromspeicher zu den wichtigsten Teilen des Autos. Deshalb denken die Autohersteller jetzt um.

          Wenn es um die Batterien für ihre Elektroautos geht, richten die deutschen Autohersteller ihren Blick erst einmal nach Osten. Denn der wichtigste „Rohstoff“, die für die Akkumulatoren grundlegenden Batteriezellen, stammt heute oft aus Asien. Das verdeutlichen Daten der Nationalen Plattform Elektromobilität, einem Beratungsgremium der deutschen Bundesregierung, in dem Vertreter aus Industrie, Wissenschaft und Politik den Stand der Elektromobilität hierzulande diskutieren. Den Angaben zufolge waren vor vier Jahren japanische Batteriezellhersteller mit einem Marktanteil von 26 Prozent führend, es folgten koreanische sowie chinesische und amerikanische Produzenten, mit Marktanteilen von 24 beziehungsweise zwei Mal 22 Prozent. Seitdem dürfte sich an dieser Gewichtung nicht sehr viel geändert haben.

          Daimler alleine auf weiter Flur

          Nicht nur in Deutschland legen Autohersteller jetzt aber vermehrt einen Schwerpunkt auf die eigentliche Batteriefertigung, den Verfeinerungsprozess, in dem aus Zellen funktionstüchtige Batteriepakete werden. Das zeigt auch das Beispiel Kamenz – der sächsische Ort, an dem heute der Startschuss für den Bau einer neuen Batteriefabrik fällt. Das Daimler-Tochterunternehmen Deutsche Accumotive soll dort komplexe Batterien für Autos der Marken Mercedes-Benz und Smart bauen. Zu den zugelieferten Akkuzellen verbauen die Mitarbeiter dort dann Systeme, die die Leistung der Batterie regeln. Sie fügen Steuerungselektronik hinzu und ergänzen Batteriekühlung und Gehäuse. In diesem Prozess sollen dann Batterien entstehen, die auf die Bedürfnisse der jeweiligen Fahrzeuge ausgerichtet sind. Mit einer dezidierten Batteriefabrik steht Daimler hierzulande bisher alleine auf weiter Flur.

          Volkswagen erwägt eine Fabrik, vielleicht auch mehr

          Das könnte sich bald ändern. Denn auch der derzeit größte Autohersteller der Welt will die Batteriefertigung demnächst in einer eigenen Fabrik verantworten. Im vergangenen November hatte Volkswagen-Chef Matthias Müller gesagt, dass der Autohersteller eine Batteriefabrik in Deutschland bauen will. Dieser Schritt soll auch den Wegfall von Arbeitsplätzen puffern, wenn VW künftig vielleicht weniger Autos mit Verbrennungsmotoren produziert. Die Fabrik könnte VW in Salzgitter errichten, hieß es im November. Dort unterhält der Konzern derzeit ein Motorenwerk.

          Treffen mit Herstellern : Kretschmann will Lösung im Streit um Diesel-Fahrverbote

          Derweil hat zum Beispiel der bayerische Autohersteller BMW schon länger seine Batteriefertigung in ein bestehendes Fahrzeugwerk integriert. Seit zweieinhalb Jahren fertigen Mitarbeiter am BMW-Standort Dingolfing auf zwei eigenen Fertigungslinien Speicher sowie Elektromotoren für die Elektroautos und Hybrid-Fahrzeuge des Unternehmens. Diese Fertigungskapazitäten sollen bald ausgebaut werden.

          Ob sich am Ende Autohersteller oder auch Zulieferer dazu entscheiden, auch die Zellen, also den Rohstoff für die Batterien, selbst zu fertigen, ist derweil offen. Wegen des Vorsprungs der asiatischen oder amerikanischen Hersteller auf diesem Feld ist die Zellfertigung hierzulande zumindest bisher nicht rentabel. Allerdings gibt es Gedankenspiele, die sich damit befassen.

          So forscht nach Angaben des VW-Betriebsratschefs Bernd Osterloh das Werk des Konzerns in Salzgitter auch an einer eigenen Zellfertigung. „Wir gehen davon aus, dass die Batterie in Zukunft 40 Prozent der Wertschöpfung eines Autos ausmacht“, sagte Osterloh der Deutschen Presse Agentur. „Die Frage ist, ob wir uns dabei komplett von Herstellern aus Asien abhängig machen wollen. Ich sage: Als Gewerkschaften und Betriebsräte wollen wir dies auf gar keinen Fall.“

          Kommt die Batteriezelle „Made in Germany“?

          Auch die Zuliefererseite beschäftigt sich intensiv mit dem Thema, das legen zumindest Wortmeldungen nahe. Bosch will noch in diesem Jahr darüber entscheiden, ob es eigene Zellen fertigt. Der Personaleinsatz sei in einer Zellfertigung gering, der Energieeinsatz sehr hoch, sagte Bosch-Chef Volkmar Denner im Januar. Die hohen Energiekosten seien aber in Deutschland ein Problem. Der Chef des Zulieferers Continental, Elmar Degenhart, kann sich ebenfalls vorstellen, künftig auch in die Zellfertigung für Batterien zu investieren: „Wenn wir damit hinreichend Geld verdienen und einen Kooperationspartner finden – warum nicht?“

          Weitere Themen

          Gibt es bald Diesel-Fahrverbote? Video-Seite öffnen

          Vor Bundesverwaltungsgericht : Gibt es bald Diesel-Fahrverbote?

          Der 22. Februar könnte für Autoindustrie, Bundesregierung und für Millionen Diesel-Fahrer ein einschneidender Tag werden. Denn dann entscheidet das Bundesverwaltungsgericht ob Fahrverbote verhängt werden dürfen.

          Die Unkaputtbaren Video-Seite öffnen

          Nischen im Einzelhandel : Die Unkaputtbaren

          Fotos? Instagram! Musik? Spotify! Klamotten? Zalando! Für fast jedes Bedürfnis gibt es eine App, die für den Nutzer bequem ist, aber traditionelle Geschäfte in den Ruin treibt. Wer überlebt, macht etwas richtig. Was genau?

          Topmeldungen

          Amokläufe : Trump regt Bewaffnung von Lehrern an

          Der Präsident sieht in der Bewaffnung von Schulpersonal ein geeignetes Mittel gegen Amokläufe. Auf Angreifer müsse zurückgeschossen werden können, sagte er zu Überlebenden des jüngsten Massakers.
          Der Prototyp Hyperloop One

          Mit dem Hyperloop : Von Washington nach New York – in 29 Minuten?

          Tesla-Chef Elon Musk lässt jetzt buddeln: Für ein futuristisches Verkehrskonzept darf der Visionär jetzt testweise in Amerikas Hauptstadt bohren. Es geht um nicht weniger als eine Revolution.

          Syrischer Krieg : Spielball der Großmächte

          Syrien versinkt seit Jahren in Krieg und Gewalt – und ein Ende ist nicht in Sicht. Das liegt auch an den vielen verschiedenen Beteiligten und Interessen. Ein Überblick.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.