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Veröffentlicht: 18.03.2017, 18:48 Uhr

E-Autos Wer baut das Auto von morgen?

China rast bei der Elektromobilität allen davon und befindet sich auf dem besten Weg zur globalen Marktführerschaft. Deutschland muss auf diesem Gebiet stark aufholen. Ein Gastbeitrag.

von Sebastian Heilmann
© dpa Deutschland liegt auf dem Markt für Elektromobilität weit hinter China - und wird sich wappnen müssen, um nicht aus diesem hinausgedrängt zu werden.

Die Elektromobilität kommt in Deutschland trotz aller gegenteiligen Bekundungen aus Politik und Wirtschaft nicht in Schwung. Ganz anders in China. Beflügelt von einer staatlich gesteuerten Automobilpolitik, schnellte der Absatz von Elektroautos auch 2016 weiter nach oben. China ist mit mehr als einer halben Million verkaufter Modelle heute mit Abstand der weltgrößte Markt für Elektrofahrzeuge. Deutschlands Autobauer müssen aufpassen, den Anschluss auf dem für sie unersetzlichen chinesischen Markt nicht zu verlieren.

Chinas Regierung hat den Technologiewechsel in der Automobilindustrie zu einer Priorität gemacht. Diese Priorität ist in staatlichen Programmen nicht nur für fünf Jahre, sondern für mehrere Jahrzehnte definiert. Durch den Schwenk zur Elektromobilität soll die Umweltbelastung in Ballungsräumen gesenkt und die Energieversorgung unabhängig von Ölimporten gesichert werden. Mindestens genauso wichtig ist eine aktive Gestaltung des Wettbewerbs zugunsten chinesischer Anbieter. Heimische Marken sollen sich zunächst im kleinen Segment der Elektrofahrzeuge etablieren und dann schrittweise eine führende Position in weiteren Bereichen der transformierten Automobilindustrie gewinnen.

Chinas Industriepolitiker sehen die Unternehmen des Landes im Wettbewerb mit ausländischen Autobauern um die Technologieführerschaft in der Elektromobilität. Sie geben sich nicht mit einzelnen Fördermaßnahmen und Stückwerk zufrieden, sondern arbeiten an einer fortlaufend und systematisch angepassten Automobilpolitik, die in dieser Form weltweit einmalig ist. Eine hochkarätige Arbeitsgruppe vom Fahrzeugtechnik-Forschungsinstitut um Deng Xiaozhi belegt, wie beweglich das industriepolitische System ist, das seit 2009 rund um die Elektromobilität vorangetrieben wurde.

System umfasst staatliche Eingriffe und Anreize

Den Anfang machten konventionelle Fördermittel für Forschung und Entwicklung sowie Kaufpreissubventionen für Fahrzeuge in Pilotstädten. Gemessen an den Verkaufszahlen, waren die Wirkungen auf den Markt anfangs begrenzt, nicht aber die Lerneffekte bei Chinas Industriepolitikern: Schritt für Schritt verbesserten sie ihre Instrumente und bauten neuartige Pakete von ineinandergreifenden Förder- und Strukturmaßnahmen.

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Wie die Pekinger Mobilitätsökonomen Zhao Wei und Ou Xunmin betonen, ist das Ergebnis eine Automobilpolitik, die nichts mehr mit sozialistischer Planwirtschaft gemein hat. Denn an die Stelle bürokratischer Ressourcenzuteilung ist ein ausgefeiltes System von Marktanreizen, technologischer Standardsetzung und verdecktem Protektionismus getreten, das ständig an die Rahmenbedingungen angepasst wird.

Dieses System umfasst staatliche Eingriffe und Anreize entlang der gesamten Wertschöpfungskette: von Batterie und Fahrzeugelektronik über die Lade- und Netz-Infrastruktur bis hin zu Finanzierung und Nutzung durch den Endabnehmer. Das Augenmerk der Automobilvordenker richtet sich auf die Vernetzung des Elektroautos unter Einschluss autonomen Fahrens und intelligenter Verkehrssysteme.

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